Corona in Indien: Die Lage bleibt ernst

Indien leidet weiterhin unter Corona: Auf dem Subkontinent starben am 10. Juni 2021 7.374 Menschen in 24 Stunden – das ist die weltweit höchste Zahl seit Ausbruch der Pandemie. Zeitweise gab es bis zu 400.000 Neuinfektionen täglich. Und auch in Nachbarländern wie Nepal spitzt sich die Situation zu.


Wie schlimm ist die Lage in Indien wirklich?

Bis Anfang dieses Jahres hatte es danach ausgesehen, als ob Indien die schlimmsten Auswirkungen der Pandemie erspart bleiben würden. Die Fallzahlen waren vergleichsweise niedrig. Als dann die Impfungen anliefen und die Zahl der Neuinfektionen weiter sank, wurden die Schutzmaßnahmen gelockert. Ende März bahnte sich dann die Katastrophe an. Die Kumbh Mela ist eine Hindu-Pilgerreise zu Indiens heiligen Flüssen, die nur alle zwölf Jahre stattfindet – mit insgesamt rund 100 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gilt sie als größte religiöse Veranstaltung der Welt. In diesem Jahr wurde sie zum verheerenden Superspreader-Event, dazu kamen riesige Wahlkampfveranstaltungen in vier indischen Bundesstaaten, bei denen sich unzählige Menschen mit Corona infizierten.

Das Virus, darunter die hochansteckende Corona-Mutation B.1.617, konnte sich ungebremst im ganzen Land ausbreiten. Offiziell meldete Indien bis zum 10. Juni rund 30 Millionen Covid-Erkrankungen und 360.000 Todesfälle. Internationale Gesundheitsexperten und - expertinnen gehen allerdings davon aus, dass es eine erhebliche Dunkelziffer gibt und die tatsächlichen Opferzahlen deutlich höher liegen. Das Infektionsgeschehen verlangsamt sich derzeit (Stand: Juni 2021) zwar, doch eine neuerliche Welle ist zu befürchten.

Warum trifft es gerade Indien so hart?

Das mit 1,3 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner zweitbevölkerungsreichste Land der Erde war denkbar schlecht auf die Pandemie vorbereitet. Das Gesundheitssystem galt schon vor Corona als marode und am Rand der Überlastung. Dazu kommt eine hohe Rate von Vorerkrankungen, 77 Millionen Inderinnen und Inder leiden an Diabetes; und die drastische Luftverschmutzung führte in den letzten Jahren zu einem deutlichen Anstieg von Lungenleiden. Dazu kommen extreme Armut und Mangelernährung – vor allem in Ballungszentren. Wo sich in Slums Abstandsregeln und einfachste Hygienemaßnahmen kaum umsetzen lassen, wütet die Pandemie besonders heftig. In Neu-Dehli fiel im April jeder dritte Covid-Test positiv aus. Im größten Corona-Krankenhaus der Metropole starb jeder vierte infizierte Mensch.

Was tun die Malteser, um den Menschen in Indien zu helfen?

In den großen Städten sinkt die Zahl der Neuinfektionen teilweise wieder, in anderen Regionen steht der Höhepunkt der Pandemie noch bevor. Nach wie vor herrschen im Land drastische Zustände: Es fehlt an Klinikbetten, Medikamenten, Hygieneartikeln und Sauerstoff zum Beatmen. Dazu kommen die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Vor allem in ländlichen Regionen wissen viele Menschen nicht mehr, wie sie ihre Familien ernähren sollen. Wegen der ökonomischen und sozialen Folgen befürchten Expertinnen und Experten, dass sich die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze (Einkommen von unter zwei Dollar am Tag) leben müssen, auf 134 Millionen Betroffene mehr als verdoppeln könnte.

Um hier schnelle und wirksame Hilfe zu leisten, arbeiten die Malteser mit einer Reihe von lokalen Partnerorganisationen in Indien zusammen. So unterstützt Malteser International über seinen langjährigen Projektpartner CHAI (Catholic Health Association of India) die indische Impfbewegung VacciNet. Cordula Wasser, die Leiterin der Asienabteilung von Malteser International, erläutert: „Viele Kinder haben durch die Pandemie ihre Eltern verloren und sind als Vollwaisen zurückgeblieben. Wir müssen jetzt dabei helfen, dass so viele Menschen so schnell wie möglich geimpft werden. Darum stellen wir 100.000 Euro Soforthilfe für eine Impfkampagne bereit.“ In Indien ist die Impfung gegen das Coronavirus nicht kostenlos, sodass vor allem die Armen keine Möglichkeiten haben, sich zu schützen. Cordula Wasser: „Wir benötigen dringend Spenden für die Menschen, die sich keine Impfung leisten können.“

Wofür werden die Spendengelder der Malteser in Indien noch verwendet?

Über lokale Kooperationspartner helfen die Malteser mit finanzieller Unterstützung dabei, die Bevölkerung über Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie aufzuklären. Die unterstützten Hilfsprojekte statten Krankenhäuser, Gesundheitseinrichtungen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort in Indien mit Medikamenten und Schutzausrüstung aus. Dazu wird medizinisches Material für Isolierstationen und Gesundheitszentren für ländliche Regionen und Dörfer bereitgestellt. Außerdem werden Krankentransporte für mittelschwere und schwere Fälle unterstützt. Und: Die Malteser stellen Lebensmittel für mittellose Familien zur Verfügung. Der ganzheitliche Ansatz der Hilfsmaßnahmen soll den Kreislauf aus Armut und Abhängigkeiten durchbrechen und die Lebensbedingungen der Menschen verbessern.

Wie ist die Lage in den Nachbarländern?

Auch die Nachbarländer Indiens melden derzeit immer wieder neue Höchststände an Neuinfektionen. Gerade in Nepal schreitet die Entwicklung rasant voran. Cordula Wasser warnt: „Vor kurzem war fast die Hälfte aller Coronatests positiv. Wir haben in Nepal eine Situation, wie wir sie vor rund zwei Wochen bereits in Indien beobachten konnten. Wir erleben, wie sich das Virus von einem Land auf die Nachbarländer ausbreitet. Es wird nur noch Tage dauern, bis uns die Bilder, die wir von sterbenden Menschen auf den Straßen sehen, auch aus Nepal erreichen werden. Wir müssen jetzt schnell handeln, um die nächste Katastrophe zu verhindern.“

Wie kannst du helfen?

Hinter dem folgenden Link kannst du dir anschauen, wie die humanitäre Hilfe der Malteser International in Indien aussieht. Da momentan jeder Euro dringend gebraucht wird, könntest du die Arbeit der Malteser mit einer Spende unterstützen.


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