Wenn es ernst wird: Verhalten und Vorsorge bei besonderen Gefahrenlagen

Brände, Überschwemmungen, Stromausfälle oder Terroranschläge sind extreme Ausnahmesituationen, in die niemand geraten möchte. Hier erfährst du, wie du bei diesen besonderen Gefahrenlagen richtig reagierst und dich präventiv wappnest.

Darum geht's:


Was sind besondere Gefahrenlagen?

Fischsterben in der Oder, Waldbrände, Stromausfälle, starke Hitze oder Unwetterwarnungen meldet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK regelmäßig. Auf einer Deutschlandkarte sind alle aktuellen Warnmeldungen des BBK zu sehen. In den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte besondere Gefahrenlagen. Das sind Situationen, von denen sehr viele Menschen auf einmal betroffen sind und die meistens mit einem Ausfall oder einer Störung wichtiger (sogenannter kritischer) Infrastrukturen einhergehen.

Dazu zählen Katastrophen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, extreme Hitze und Kälte, Chemieunfälle, gefährliche Gasentwicklung, großflächige Stromausfälle, Großbrände und Explosionen. Für diese Fälle ist der Katastrophenschutz der Länder zuständig, der operativ durch die Feuerwehren und Hilfsorganisationen geleistet wird. Für alle Gefahrenlagen gibt es unterschiedliche Notfallpläne, um den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. Aber auch du kannst in besonderen Gefahrenlagen helfen.

So verhältst du dich richtig bei Gefahr

  1. Ruhe bewahren!
  2. Dein Selbstschutz geht vor.
  3. Informiere die Polizei unter 110, wenn du eine Gefahrensituation erkennst.
  4. Wähle den Notruf 112, wenn noch keine Rettungskräfte vor Ort eingetroffen sind.
  5. Leiste Erste Hilfe und schau nach deinen Nachbarn
  6. Behindere die Einsatzkräfte nicht und folge ihren Anweisungen.
  7. Folge den Anweisungen der Behörden.
  8. Telefoniere nur im äußersten Notfall, damit die Leitungen nicht zusammenbrechen.

Richtiges Verhalten bei besonderen Gefahrenlagen

In dem Flyer Verhalten bei besonderen Gefahrenlagen beschreibt das BBK, was du im Falle einer Explosion, eines Brandes oder bei Freisetzung giftiger Stoffe am besten tust. Hier findest du die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Eine Explosion zerstört ein Gebäude
    Das Wichtigste für dich ist jetzt, das Gebäude schnell zu verlassen. Befindest du dich während der Explosion außerhalb des Gebäudes, dann verlasse diesen Bereich möglichst schnell. Hilf auch anderen Menschen dabei, den Unfallort zu verlassen. Nimm niemals den Aufzug, sondern immer die Treppe! Halte dich von Trümmern und Staubwolken fern, denn weitere Teile des Gebäudes könnten einstürzen. Bist du draußen, gilt die Faustformel: Dein Abstand zum Gebäude sollte mindestens die Hälfte der Gebäudehöhe betragen. Benutze keine Feuerzeuge oder Streichhölzer, falls es dunkel ist, denn es könnte irgendwo Gas austreten. Sobald Einsatzkräfte vor Ort sind, mache sie auf Verletzte aufmerksam. Bei einem Sprengstoffanschlag könnten weitere Sprengsätze explodieren. Darum solltest du auf keinen Fall irgendetwas anfassen. Wenn dir etwas verdächtig vorkommt, dann sage es den Einsatzkräften.
     
  • Ein Feuer ist ausgebrochen
    Rufe die 112 an und versuche, das Feuer zu löschen. Tu dies allerdings nur, wenn du dich nicht selbst dabei in Gefahr bringst. Bevor du einen Löschversuch unternimmst, solltest du unbedingt den Strom abstellen. Aber auch dabei geht der Selbstschutz immer vor!
    Schließe Türen und Fenster zum brennenden Raum und betrete niemals verqualmte Räume. Die Brandgase können tödlich sein. Einen Brand löschst du immer von unten nach oben und von der Seite zur Mitte. Wenn du ein brennendes Gebäude verlässt, benutze keine Aufzüge.
     
  • Menschen sind verletzt oder verschüttet
    Wenn du die erste Person am Unfallort bist, dann wähle die 112 und bringe die Verletzten erst einmal aus der direkten Gefahrenzone. Hilfst du anderen Menschen, gilt stets: Du tust das nur, solange du dich nicht selbst gefährdest. Gerätst du bei einem Rettungsversuch selbst in Gefahr, ist niemandem geholfen. Leiste Erste Hilfe, wenn noch keine Rettungskräfte da sind. Ist jemand verschüttet, dann ziehe die betroffene Person nicht einfach unter den Trümmern hervor. Sie könnte eingeklemmt und daher auf professionelle Hilfe angewiesen sein.. Darum solltest du Verletzte möglichst schonend bewegen und auch nur, wenn es unbedingt sein muss. Ansonsten solltest du Hilfe holen und keine Risiken eingehen. Unterstützt du die Rettungskräfte bei Bergungsarbeiten, dann musst du unbedingt ihre Anweisungen befolgen, denn sie sind für solche Fälle ausgebildet und wissen am besten, was zu tun ist.
     
  • Giftige Stoffe wurden freigesetzt
    Durch Explosionen, terroristische Anschläge, aber auch durch technisches und menschliches Versagen können chemische, biologische oder gar radioaktive Stoffe in die Luft freigesetzt werden. Meistens kann man sie nur mit speziellen Messgeräten erkennen. Ein ungewöhnlicher Geruch kann ein Hinweis auf Giftstoffe in der Luft sein. Achte auf Durchsagen von Polizei und Feuerwehr und befolge die Anweisungen. Bist du im Auto unterwegs, schließe die Fenster und schalte die Belüftung aus. Bist du draußen unterwegs, dann bewege dich möglichst quer zur Windrichtung und atme durch deine Kleidung oder ein Taschentuch, um dich vor Staub zu schützen. Gegen gasförmige Chemikalien helfen improvisierte Atemschutze leider nicht. Darum gehe schnell zum nächsten geschlossenen Gebäude. Solltest du schon Kontakt mit gefährlichen Stoffen gehabt haben, dann ziehe die oberste Schicht deiner Kleidung und deine Schuhe aus. Nimm diese Sachen nicht mit ins Gebäude, sondern lasse sie draußen liegen. So schleppst du keine Giftstoffe in das Gebäude ein. Wasche dir anschließend deine Hände, dann dein Gesicht, die Haare, Nase und Ohren.
    Befindest du dich in einem Gebäude, dann bleibe möglichst dort, solange es nicht brennt oder Einsturzgefahr besteht. Schließe alle Fenster und Türen und schalte Lüftungen und Klimaanlagen aus. Informiere die anderen Hausbewohner oder dein Kollegium über die Gefahr. Ihr solltet alle im Gebäude bleiben und euch über Radio, TV oder Internet über die Lage informieren.

So bist du gut informiert

Radio- und Fernsehsender haben vorgesorgt, um beispielsweise auch bei einem Blackout weiterarbeiten zu können. So können Behörden wichtige Informationen an die Bürgerinnen und Bürger weitergeben und du weißt über die Lage Bescheid. Im Internet gibt es gute und nicht so gute Quellen. Passiert irgendwo etwas, gelangen Bilder und Videos in Echtzeit ins Netz. Über Social-Media-Kanäle werden sie in rasender Geschwindigkeit verbreitet. So arbeitet beispielsweise die Polizei. Auf Twitter informiert sie über aktuelle Geschehnisse in deiner Umgebung und gibt Anweisungen zum richtigen Verhalten in diesen Situationen. Du kannst davon ausgehen, dass diese Informationen seriös sind. Informationen von Privatleuten sind oft weniger seriös, denn in vielen Fällen wird nur ein Ausschnitt des Geschehens gezeigt. Das kann Menschen in Panik oder Wut versetzen und zu irrationalem Handeln verleiten, was wiederum die Lage verschlimmert.

Inzwischen gibt es gute Warnsysteme für dein Smartphone. Die App KATWARN wurde vom Fraunhofer-Institut entwickelt. Die App meldet dir die offiziellen Warnungen von Behörden, Eventveranstaltern und dem Deutschen Wetterdienst und das immer für deinen aktuellen Standort. Außerdem gibt es die Warn-App NINA. NINA steht für Notfall-Informations- und Nachrichten-App und ist der offizielle Warnkanal der Bundesregierung. Du kannst einen Ort, zum Beispiel deinen Wohnort, eingeben und bekommst alle Warnungen zum Wetter, Hochwasser und Bevölkerungsschutz angezeigt. Auch hier kannst du dich standortbasiert warnen lassen. Wenn du also in Deutschland unterwegs bist, bekommst du die Warnungen für deinen aktuellen Standort. Beide Apps gibt es kostenlos für Android und iPhone.

Für den Ernstfall gut vorbereitet

Stell dir vor, du bist auf einer Großveranstaltung und plötzlich tritt ein Ernstfall ein: Schreie, rennende Menschen, womöglich Lärm und Rauch – wenn du auf eine solche Situation vorbereitet bist, kannst du dir und anderen Menschen besser helfen.
Einen Plan im Kopf zu haben, hilft in erster Linie auch dabei, die Ruhe zu bewahren – das ist wiederum in vielen Situationen das A und O! Wir haben Tipps für dich zusammengestellt, wie du dich bestmöglich für eine besondere Gefahrenlage vorbereitest:

  • Lade dir eine Warn-App wie NINA oder KATWARN auf dein Telefon.
  • Lade den Akku deines Smartphones regelmäßig auf. So stellst du sicher, wichtige Informationen zu erhalten und Notrufe absetzen zu können.
  • Frische regelmäßig deine Kenntnisse in Erste Hilfe auf.
  • Informiere dich bei Großveranstaltungen über Notausgänge und Fluchtwege.
  • Lege dir zu Hause Notfallvorräte an.
  • Verabrede mit deiner Familie oder deinen Mitbewohnerinnen beziehungsweise Mitbewohnern einen Treffpunkt, falls jemand von euch nicht zu Hause ist und das Kommunikationsnetz zusammenbricht.
  • Lerne die wichtigsten Telefonnummern auswendig.

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