GoBanyo: Der Duschbus für Obdachlose

Ein ehemaliger Obdachloser sammelt fast 170 000 Euro für die Menschen auf der Straße – um damit Hamburgs ersten mobilen Dusch-Bus zu finanzieren.  Die beispiellose Aktion sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Das Motto des Projekts: „Waschen ist Würde – doch leider hat nicht jeder Mensch die Chance dazu.“

Darum geht's:


Was ist GoBanyo?

GoBanyo war zunächst ein soziales StartUp, ins Leben gerufen von Dominik Bloh. Der Bestseller-Autor war jahrelang selbst obdachlos und kennt die Nöte und Sorgen von Menschen ohne festen Wohnsitz. Mit Partnern aus der Wirtschaft und 3500 Bürgern aus ganz Deutschland, die per Crowdfunding insgesamt 168.641 Euro spendeten, wurde aus der Idee eine gemeinnützige GmbH. Und aus dem Traum ein vollumfänglich umgebauter Linienbus, der heute auf den Straßen Hamburgs fährt.

Warum gibt es einen Duschbus in Hamburg?

In Deutschlands zweitgrößter Stadt gibt es gerade einmal 17 frei zugängliche Duschplätze für rund 2000 Obdachlose, wobei die Dunkelziffer noch deutlich höher sein dürfte. In dem mobilen Duschbus können Obdachlose sich in abschließbaren Kabinen waschen und pflegen, erhalten so ein Stück Privatsphäre und Lebensqualität zurück.
An vier Tagen in der Woche ist der Bus für jeweils fünf Stunden unterwegs, fährt drei feste Standorte an.

Wie entstand die Idee dazu?

Dominik Bloh lebte selbst elf Jahre auf der Straße, bevor es ihm gelang, sein Leben zu ändern. Er zog mithilfe von Freunden in eine Wohnung, schrieb ein Buch über seine Erfahrungen („Palmen aus Stahl“), das zum Bestseller wurde. Bloh bekam eine Kolumne in der „Hamburger Morgenpost“, wurde in Talkshows und zu Lesungen eingeladen. Die Idee zu dem Duschbus kam ihm in seiner Zeit als Obdachloser. Er erinnert sich: „In meiner Zeit auf der Straße wusste ich oft nicht, wo ich mich waschen sollte. Ich habe immer andere Orte gefunden: Etwa Schulen, Bibliotheken, Schwimmbäder. Nachts ging ich am Hauptbahnhof bei „McDonald’s“ auf die Toilette. Mich nicht waschen zu können, das war für mich das Schlimmste. Ich fühlte mich ständig dreckig. Ich bin an den Blicken und Reaktionen der Menschen kaputtgegangen.“ Für den jungen Hamburger ist klar: „Die Straße und das bürgerliche Leben sind zwei Welten. Das Aussehen ist das erste Unterscheidungsmerkmal. Die einen gehen angeekelt auf Distanz, die anderen isolieren sich aus Scham – und so entfernen sich diese beiden Welten immer weiter voneinander. Der Duschbus kann eine Brücke schlagen.“

Wie sieht der Bus aus?

Der frühere Linienbus ist zwölf Meter lang und hat drei Duschkabinen. Das sind abschließbare und voll ausgestattete Badezimmer, eines davon behindertengerecht. Mit Wassertanks und Standheizung ist er unabhängig von öffentlichen Strom- oder Wasserquellen. Vor dem Bus wurde mit einer Marquise ein Aufenthaltsbereich geschaffen, in dem Obdachlose sich ausruhen und mit heißem Kaffee stärken können. Der Gedanke von GoBanyo: „So erlangen sie ihre Würde und ihr Selbstwertgefühl zurück. Durch den Aufenthalt können sie das frische Gefühl ein wenig länger mit sich tragen.“ Und Dominik Bloh ergänzt: „Der Bus ist ein angenehmer Raum. Man fühlt sich dort einfach wohl. Es ist würdevoll gemacht und man hat viel Platz.“

Wie wurde das Projekt finanziert?

Das Geld für den Duschbus wurde von Partnern aus der Region Hamburg und 3500 Menschen aus ganz Deutschland per Crowdfunding gespendet. Im Schnitt gab jeder 50 Euro. Mehrere soziale Initiativen und auch Unternehmen unterstützen die Arbeit von GoBanyo, so stellte die Hamburger Hochbahn den ausrangierten Bus zur Verfügung. Das Projekt ist gemeinnützig und weiterhin auf Spenden angewiesen.

Was sind die ersten Erfahrungen?

„Vor drei Jahren habe ich angefangen, Menschen von meiner Idee zu erzählen: Ein Bus, in dem man duschen kann“, erinnert sich Dominik Bloh, „es war ein weiter Weg – aber jetzt ist er da.“ Die ersten Tage war er immer mit an Bord: „Der Bus wurde gut angenommen. Alle sind mit einem guten Gefühl aus dem Badezimmer herausgekommen. Teilweise sah ich Freudentränen bei den Gästen. Ein Besucher sagte nach der Dusche, dass er sich wie ein junger Gott fühlt. Auch unser Frauentag war ein Erfolg. Es war für mich eine schöne, überwältigende Woche. Es macht mich glücklich, den Menschen etwas zurückgeben zu können. Noch sind viele draußen auf der Straße und wissen nicht, wo sie sich waschen sollen. Darum fahren wir direkt dorthin, wo sich diese Menschen aufhalten. Und wir freuen uns darauf, sie bald am Duschbus begrüßen zu dürfen.“

Am Wochenende steht der GoBanyo-Bus am Hauptbahnhof, montags am Fischmarkt auf St. Pauli und donnerstags im gleichen Stadtteil am Millerntor. Sonnabends ist der Bus nur für Frauen geöffnet.


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