FSJ in der Altenpflege: Gina engagiert sich mit Begeisterung

Seit knapp einem Jahr macht Gina ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) in der Altenpflege. Mit ihrem Engagement unterstützt sie die Pflegefachkräfte in einer Senioren-WG, um deren Arbeitsalltag zu entlasten. Warum ihr Freiwilligendienst nicht nur für die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch für sie selbst eine Bereicherung ist, erzählt sie uns.

Darum geht’s


Wie bist du auf die Idee gekommen, ein FSJ zu machen?

Im April 2018 bin ich von Kolumbien nach Deutschland gekommen. Nach meinem Musikstudium wollte ich etwas neues erleben und die Welt entdecken. Also habe ich meinen Koffer gepackt, um neue Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Und so bin ich in Deutschland gelandet. Schon in Kolumbien war mir klar, dass ich entweder Musiklehrerin werde oder in einem sozialen Beruf arbeiten möchte. 

Als ich mich in Deutschland beruflich orientieren wollte, erzählte mir eine Bekannte, dass sie gerade ein FSJ bei den Maltesern macht. Sie erzählte total begeistert und machte mich sehr neugierig. So bin ich damals auf die Malteser gekommen. Und dann ging alles ganz schnell: Ich habe dort angerufen und bekam direkt einen Termin für ein persönliches Gespräch. Kurz darauf hatte ich bereits meinen Probearbeitstag in der Senioren-WG Konstanz-Fürstenberg absolviert und bin noch immer dort. Das Team hat mich sehr nett aufgenommen und die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich immer, wenn ich da bin. Das macht wirklich gute Laune und ich lerne sehr viel.

Für ein FSJ oder BFD gibt es keine Bewerbungsfrist.

Wer sich für einen Freiwilligendienst interessiert, kann sich jederzeit bewerben. In einem persönlichen Gespräch wird der mögliche Einsatzbereich geklärt und in der jeweiligen Dienststelle ein Probe-Arbeitstag vereinbart. Wenn der Einsatz für alle Seiten stimmig ist, kann es direkt losgehen. Hier kannst du dich direkt bewerben.

Wie lange läuft dein FSJ noch?

Normalerweise dauert ein FSJ zwölf Monate. Ich habe aber um ein halbes Jahr verlängert, weil die Zeit wirklich schnell vorüberging – ich war auch noch nicht sicher, was ich weiter machen will. So kann ich auch noch etwas Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern verbringen (lacht). Parallel bemühe ich mich gerade, mit den Behörden meine Papiere zu ordnen, damit ich im nächsten Jahr in Hannover eine Ausbildung zur Ergotherapeutin machen kann. Ich möchte weiterhin mit Menschen arbeiten und helfen. Wenn das klappt, wäre das super!

Ginas Selfie-Video-Portrait: Warum das Engagement mein Leben bereichert!

Gina: Hat dir der Freiwilligendienst eine neue Sicht auf das Leben gegeben?

Ja, sehr sogar. Denn neben einem Erste-Hilfe-Kurs, der für alle lebenswichtig ist, habe ich an fünf Seminarwochen teilgenommen. Ich habe politische Themen gewählt, soziale Medien, Gewalt am Arbeitsplatz – und ein weiteres Thema hat mir besonders gut gefallen, weil ich davon noch nicht viel gehört hatte: Es ging um das Thema Behinderung und welche Schwierigkeiten Menschen mit Behinderung im Alltag haben. Wir haben viele interessante Übungen gemacht, um ein besseres Verständnis zu bekommen. Die Kurse waren wirklich gut!

Mein FSJ hat mich gelehrt, dass man immer noch etwas lernen kann im Leben, egal welche Erfahrungen man bereits hat. Wenn du eine Möglichkeit hast, dich sozial zu engagieren, dich einzubringen, deine Zeit und Ideen in den Dienst für andere zu stellen und deine Energie mit ihnen zu teilen, dann bekommst du auch ganz viel zurück! Die soziale Arbeit bringt einen natürlich auch an persönliche Grenzen und es ist eine Herausforderung, diese Grenzen zu sprengen und das auszuhalten. Im sozialen Engagement wächst man wirklich. Ein FSJ gibt einem die Chance, einfach ein besserer Mensch zu sein und mehr über sich selbst zu erfahren.
 
Ich werde die Malteser immer in meinem Herzen tragen, weil ich wirklich viel gelernt habe; über das Leben und über mich selbst. Dafür bin ich sehr dankbar!

3 Fragen an Amelie Rückels, vom Fachbereich Freiwilligendienste der Malteser.

Amelie Rückels (28) arbeitet als Pädagogische Mitarbeiterin im Referat Freiwilligendienste der Malteser. Seit über 25 Jahren gibt es die Möglichkeit, bei dem erfahrenen Hilfsdienst ein FSJ zu machen. Mit der Abschaffung des Zivildienstes 2011 kam auch der BFD (Bundesfreiwilligendienst) dazu, der auch für Interessierte über 27 Jahre möglich ist.  Die Malteser betreuen die Freiwilligen während ihres Dienstes mit einem ganzen Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das sich zum einen um die Seminarorganisation kümmert, aber auch im Austausch mit den Dienststellen und Freiwilligen steht um bei Problemen unterstützen zu können. 

Amelie Rückels gehört zu diesem Team. Sie kümmert sich um die pädagogische Begleitung der Freiwilligen im FSJ und BFD.  Die FSJler beziehungsweise FSJlerinnen und „BUFdis“, wie sich die Freiwilligen selbst oft nennen, werden in verschiedenen Seminaren auf ihre Aufgaben vorbereitet und während des Freiwilligendienstes geschult und gecoacht. Die Betreuerinnen und Betreuer, so auch Amelie Rückels, haben für die Freiwilligen jederzeit ein offenes Ohr: „Das Besondere an meiner Arbeit ist die unglaubliche Vielfalt der Freiwilligen. Ich kenne kaum einen anderen Bereich, in dem Menschen mit so unterschiedlichen Erfahrungen und Motivationen freiwillig zusammenkommen und auch als Gruppe wachsen.“

Frau Rückels: Welche Voraussetzungen muss ich für den Freiwilligendienst mitbringen?

Um einen Freiwilligendienst absolvieren zu können, muss man mindestens 16 Jahre alt sein und die Schulpflicht absolviert haben. Je nach Einsatzbereich wird außerdem manchmal ein Führerschein von den Einsatzstellen verlangt, das ist aber nicht für jede Stelle eine Voraussetzung. Wer sich aus dem Ausland bewerben möchte, braucht zudem eine Arbeitserlaubnis in Deutschland. Was sonstige bürokratische Besonderheiten angeht, kann das immer in einer individuellen Beratung geklärt werden. Wir freuen uns über jede Interessentin und jeden Interessenten! Übrigens, das werden wir nämlich oft gefragt, muss man auch nicht dem katholischen Glauben angehören, um bei den Maltesern zu arbeiten.

Was erwartet mich bei einem FSJ?

Unabhängig vom gewählten Bereich erst einmal unheimlich vielseitige Erfahrungen.
Die berufliche Orientierung ist natürlich oft ein zentraler Punkt der Zielsetzung für ein FSJ. Dazu kommen aber noch viele weitere Facetten: Ob es die ersten Schritte im Arbeitsleben sind, mit all seinen Besonderheiten, Verantwortungsbereichen und Kommunikationswegen, oder die Auseinandersetzung mit unseren gruppenbezogenen, praktisch umgesetzten Seminarthemen und der persönlichen Entwicklung – je mehr man sich auf diese Zeit einlässt, desto mehr kann man am Ende für sich daraus ziehen. Die Rückmeldung der Absolventinnen und Absolventen spiegeln das deutlich.

Viele erleben zum ersten Mal eine Form von Selbstwirksamkeit in der Bildungsarbeit, da sich unsere Seminarthemen und -methoden an die Wünsche und Bedürfnisse der Gruppe anpassen. Wir reflektieren regelmäßig Kommunikationsformen und fördern die Persönlichkeitsentwicklung u.a. durch gesellschaftlich relevante Inhalte und Übungen. Die Themen wählt die jeweilige Seminargruppe selbst. Da ist von Armut über Nachhaltigkeit, bis hin zum Thema Zukunft alles dabei. Was bei den meisten Freiwilligen aber wohl am stärksten wahrgenommen wird, sind die freundschaftlichen Kontakte und der Austausch untereinander.
Hinzu kommen die zahlreichen Erfahrungen, die in den Dienststellen vor Ort gesammelt werden. Besonders im Patientinnen- und Patientenkontakt wird das zwischenmenschliche Verständnis trainiert und auf der Wache die Gepflogenheiten des beruflichen Miteinanders.

Der Freiwilligendienst ist eine Bereicherung in deinem Lebenslauf.

Soziales Engagement zeugt von Sozialkompetenz. Das ist wichtig für die persönliche Entwicklung und die beste Voraussetzung für gute Teamarbeit. Lebensläufe, die Soziales Engagement zeigen, werden von Personalchefs mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen. Auch bei vielen Universitäten bringt ein Freiwilligendienst Bonuspunkte bei der Studienplatzvergabe. Unter anderem kann der freiwillige Dienst als Wartesemester angerechnet werden.

Wird der Freiwilligendienst vergütet?

Rechtlich sind Freiwilligendienste eine Form des bürgerlichen Engagements ohne Erwerbsabsicht, daher gibt es kein Gehalt, sondern ein monatliches Taschengeld und die Sozialversicherungsbeiträge werden bezahlt. Bei den Maltesern liegt das Taschengeld zwischen 450 € und 550 €. Seit Kurzem gibt es die Option eines Zuschusses, z. B. bei hohen Miet- oder Fahrtkosten. Unterkünfte stehen nur in ganz wenigen Fällen zur Verfügung.

In diesen Einsatzbereichen kannst du bei den Maltesern ein FSJ oder BFD machen:

  • Rettungsdienst und Krankentransport
  • Erste-Hilfe-Ausbildung (optional in Kombination mit dem Schulsanitätsdienst)
  • Fahrdienst
  • Hausnotruf
  • Menüservice und der Pflege

 

Seltener vertreten sind die Bereiche:

  • ambulante Betreuung
  • Jugendarbeit
  • Flüchtlingshilfe
  • integrative Schulbetreuung

 

Je nach Aufbau und Größe der Dienststelle werden Bereiche kombiniert. Dafür am besten vor Ort nachfragen.
 

Frau Rückels: Gibt es aus Ihrer Sicht noch etwas wichtiges zum Thema FSJ zu sagen?

Ja – unbedingt: Besonders seit es den Zivildienst in Deutschland nicht mehr gibt, ist die Wichtigkeit von engagierten Freiwilligendienstleistenden gestiegen. Sie leisten einen großartigen Beitrag für die Gesellschaft und den Sozialstaat. Zudem ist es eine einfache Möglichkeit, in verschiedene soziale Bereiche „reinzuschnuppern“, ohne direkt ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen. Also: einfach ausprobieren!

Du möchtest kein FSJ machen, dich aber anders ehrenamtlich engagieren? Hier ein Überblick, in welchen Bereichen du dich sozial einbringen kannst: Bewerbungsformular. Keine Zeit? Du kannst trotzdem helfen! Unterstütze das Engagement der Malteser mit deiner Spende.


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