10 Jahre Bundesfreiwilligendienst: Jubiläum und Karriere-Start

Am 1. Juli 2021 feiert der Bundesfreiwilligendienst 10-jähriges Jubiläum. Damals löste der BFD den Zivildienst in Deutschland ab. Zu den Freiwilligen der ersten Stunde gehört Michaela Hohn. Mit 17 Jahren absolvierte sie ihren Dienst bei den Maltesern. Dies war der Beginn ihrer Karriere als leitende Angestellte. Wir haben ihren Weg verfolgt.

Darum geht's


Vom Freiwilligendienst zum Ausbildungsplatz

Nach dem Schulabschluss der Mittleren Reife bewirbt sich Michaela für eine Ausbildung und einen BFD. Für den BFD bekommt sie prompt eine Zusage. Sie hinterließ einen guten Eindruck und freute sich auf die neue Herausforderung nach der Schule. „Weil ich noch keinen Führerschein hatte, konnte ich jedoch nicht in allen Bereichen arbeiten“, erzählt sie. „ich bin dann bei den sozialen Diensten eingestiegen.“ Michaela betreut den Seniorentreff und organisiert unter anderem die Wii-Nachmittage, bei denen auf einem großen Fernseher „Wii Sports“ gespielt wird. „Kegeln war sehr beliebt“, erinnert sie sich.

An jeweils einem Samstag im Monat begleitet sie die Ausflugsfahrten für Seniorinnen und Senioren und unterstützt sie beim Essen, Rollstuhlschieben oder beim Gehen. Außerdem ist sie Begleitperson für den Fahrdienst für Kinder mit Behinderung. Morgens und nachmittags ist sie dabei, wenn die Kinder zur Schule gebracht und wieder abgeholt werden. „Die restliche Zeit habe ich mit Büroarbeiten verbracht“, sagt Michaela. „Ich habe jegliche Tätigkeiten im Büro erledigt, die ich als Freiwillige übernehmen konnte“. Sie leistet gute Arbeit und beginnt direkt nach zwölf Monaten BFD ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen bei den Maltesern.

Daten, Zahlen, Fakten

Fast 1.000 Freiwillige waren vor zehn Jahren zum Start des BFD im Einsatz, meldet das Bundesfamilienministerium. Ein halbes Jahr später, Ende 2011, waren es fast 27.000. Rund 25 Prozent der Freiwilligen sind älter als 27 Jahre, 10 Prozent sind sogar älter als 50 Jahre. Bisher leisten mehr Frauen den Freiwilligendienst, etwa 60 Prozent. Heute, im Jahr 2021, gibt es fast 78.000 Einsatzstellen, bei denen ein BFD absolviert werden kann. Stellen findest du auf der Webseite des Bundesfreiwilligendienstes oder auf der Malteser Platzbörse.

Während der Ausbildung stellt Michaela fest: „Ich kenne schon viele Dinge, die ich im BFD zwar nicht direkt angewendet habe, die mir in der Ausbildung aber weitergeholfen haben, weil ich die Abläufe und Punkte schon kannte. Zum Beispiel waren mir die Rechte von Auszubildenden und die gesetzlichen Pausenregelungen aus dem BFD bekannt. Da gibt es kaum einen Unterschied“. Der BFD kommt ihr aber nicht nur fachlich zugute, sondern auch im zwischenmenschlichen Bereich kann Michaela viele Zugewinne machen. Sie lernt viele Menschen kennen und schließt Freundschaften. Mit einem Freund hat sie immer noch besonders viel Kontakt, „nämlich der, der nach dem BFD mein Freund wurde“, erzählt sie. Wie die meisten aus Michaelas Freiwilligenjahr, schlägt ihr Freund beruflich eine ganz andere Richtung ein, er engagiert sich jedoch auch weiterhin ehrenamtlich. Und auch Michaela verlässt eines Tages die Malteser.

Michaelas Vorteile durch den BFD

Nach ihrer Ausbildung ist Michaela noch ein halbes Jahr in Passau, bis sie einen anderen Weg einschlägt. Mit ihrem Freund zieht sie nach Deggendorf. Gerne wäre sie bei den Maltesern geblieben, aber es ist keine Stelle in Deggendorf frei. Darum nimmt sie eine Stelle als Assistentin der Geschäftsleitung in einem Ingenieurbüro an. Schnell fällt ihr auf, dass ihr der Umgang mit Menschen leichter fällt als manch anderen Kolleginnen und Kollegen. „Durch den BFD habe ich auch viele Menschen kennengelernt, die anders sind - wie die Kinder mit Behinderung. Ich denke, dadurch tue ich mich leichter im Umgang mit Menschen und auch darin, schneller Anschluss zu finden.“

Ein Jahr später kommt die ersehnte Nachricht: Eine Stelle bei den Maltesern Straubing ist frei, 30 Minuten von Deggendorf entfernt. 2016 unterstützt sie dort die Geschäftsführung. Außerdem übernimmt sie den Schulbegleitdienst für drei Dienststellen. Ihre Arbeit kommt gut an und trägt Früchte, erzählt Michaela: „Es hat sich alles gut entwickelt, sodass ich meine Arbeit fortsetzen konnte.“ Am 1. Mai 2021 übernimmt sie die Dienststellenleitung in Deggendorf.


Eigentlich kann ich nur allen raten, dieses freiwillige Jahr zu machen. Es ist eine persönliche Erfahrung, die man mitnehmen sollte. Das ist auch wichtig für das Selbstbewusstsein und hervorragend für die Persönlichkeitsbildung.

Michaela Hohn, Dienststellenleiterin in Deggendorf


Und wie hat der BFD Michaelas Persönlichkeit verändert?
Als sie mit 17 Jahren ihren BFD antrat, wollte sie immer alles richtig machen. „Den Anforderungen gerecht zu werden, war ein großer Punkt, an dem ich immer hängen geblieben bin“, sagt sie. „Im BFD hatten wir die Möglichkeit, vieles auszuprobieren. Ich habe schnell gemerkt, dass man nicht immer alles richtig machen kann. Wir sind alle Menschen und eine Fehlerkultur ist wichtig. Im BFD wächst jede beziehungsweise jeder mit seinen Aufgaben. Außerdem findet man neue Freunde und lernt durch die Seminare bundesweit andere Freiwillige der Malteser kennen. Das tut gut und es macht Spaß!“

Was ist der Bundesfreiwilligendienst?

Im März 2011 wurden in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht und der Zivildienst ausgesetzt. Seit dem 1. Juli 2011 gibt es neben dem freiwilligen Wehrdienst den Bundesfreiwilligendienst für Männer und Frauen. Der BFD soll allen Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft, die Möglichkeit geben, sich für die Allgemeinheit zu engagieren. So ist zum Beispiel auch ein BFD Ü27 oder ein “Engagierter Ruhestand” möglich. Dies bietet sich beispielsweise am Ende des aktiven Berufslebens, zur (Neu-) Orientierung oder zum Wiedereinstieg nach einer Familienphase an. Die einzige Voraussetzung ist die Erfüllung der Schulpflichtzeit.

Dementsprechend können alle ab circa 16 Jahren einen Freiwilligendienst übernehmen. Einige nutzen den Dienst, um nach der Schule oder während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln. Vor allem jüngere Menschen sammeln während des BFD viele Erfahrungen, ältere Menschen geben ihre Erfahrungen weiter.

Einsatzfelder: Der Zivildienst wurde im sozialen Bereich geleistet. Für den BFD gibt es noch mehr Einsatzgebiete, darunter den Einsatz im ökologischen Bereich, in der Kultur und Denkmalpflege, in der Bildung, im Sport, in der Integration oder im Zivil- und Katastrophenschutz.

Dauer: Der BFD dauert 6 bis 18 Monate, im Durchschnitt 12 Monate. In der Regel handelt es sich um einen Vollzeiteinsatz mit 39 Wochenstunden. Es gibt aber auch BFD-Stellen als Teilzeitstelle beispielsweise mit 20,5 Stunden.

Vergütung: Weil es sich um einen freiwilligen Dienst handelt, gibt es lediglich ein Taschengeld. Der konkrete Betrag wird mit der jeweiligen Einsatzstelle vereinbart. Zusätzlich ist es möglich, dass die Einsatzstellen Unterkunft, Verpflegung oder Arbeitskleidung zur Verfügung stellen oder die Kosten dafür übernehmen. In der Regel erhalten die Freiwilligen bei den Maltesern ein Taschengeld zwischen 450 und 550 Euro pro Monat. Warum es sich darüber hinaus lohnt, einen Freiwilligendienst zu absolvieren, haben wir in diesem Artikel noch einmal zusammengefasst.


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