Ehrenamt mit Hund: Ist dein Hund fit für Rettungsdienst und Co.?

Sie finden, schützen, bergen oder trösten: Hunde sind tierisch starke „Ehrenamtliche“, wenn sie richtig ausgebildet sind. Wir erklären dir, welche Eigenschaften dein Hund mitbringen sollte, um für die Rettungshundestaffel oder den Besuchsdienst geeignet zu sein.

Darum geht's:


Woran erkenne ich, ob mein Hund für die Rettungshundestaffel geeignet ist?

Sie finden Vermisste, suchen Opfer eines Unglücks oder retten Menschen aus dem Wasser – die Einsatzbereiche für Hunde in der Rettungshundestaffel sind vielfältig. Doch woran erkenne ich, ob mein Hund dafür geeignet ist? Wir haben bei Dr. Vanessa Häfner nachgefragt, der Leiterin der Rettungshundestaffel der Malteser in Mainz. Mit ihrem Rüden Mika, einem Australian Shepherd, absolvierte sie in den letzten elf Jahren rund 80 Einsätze – die beiden sind ein richtig starkes Team. Und genau darauf kommt es mit Hund auch an. „Beide müssen geeignet sein“, erklärt Vanessa Häfner, „der Hund und seine Halterin oder sein Halter.“ Das mache die Auswahl nicht immer einfach, denn ein klassischer Familienhund, der eine enge Bindung an sein Herrchen oder Frauchen hat, sei nicht zwangsläufig für die Arbeit in einer Rettungshundestaffel geeignet.

Was sollte ein Hund für die Rettungshundestaffel mitbringen?

Folgende Kriterien gelten als ideal für einen Rettungshund: Er sollte…

  • …bereit sein, sich zu bewegen, insgesamt arbeits- und laufreudig sein.
  • … einen ausgeprägten Spiel- und Fresstrieb haben – „sodass er auch anstrengende Einsätze durchhält und in Kauf nimmt, weil er auf seine Belohnung hofft.“
  • … fit, gesund, ausdauernd und konditionell stark sein.
  • … nicht älter als zwei bis drei Jahre sein: „Die Ausbildung ist sehr zeitintensiv, dauert etwa zwei Jahre. Für ältere Hunde ist es ansonsten schwierig, später die anspruchsvolle Prüfung zu bestehen.“
  • … gut sozialisiert sein: „Er darf auf keinen Fall ängstlich oder aggressiv reagieren, auch nicht in stressigen Situationen – wie etwa bei Geschrei oder Krach durch Drohnen oder Hubschrauber“.
  • …nicht ängstlich sein: „Er muss selbstbewusst bleiben, auch wenn er mit unheimlichen Personen konfrontiert wird, die etwa unter Alkoholeinfluss oder mit Suizidabsichten nicht gefunden werden wollen. Gleichzeitig muss er gestoppt werden können und auf seine Hundeführerin oder seinen Hundeführer hören, wenn es darauf ankommt.“

Welche Rassen eignen sich häufig?

„Die Hunde müssen keiner bestimmten Rasse angehören“, sagt Vanessa Häfner. Wichtig ist allerdings, dass sie nicht zu groß und auch nicht zu klein sind. Ganz kleine Hunde hätten zum Beispiel Probleme, durch den dichten Wald zu kommen und die geforderte Fläche abzulaufen, große Hunde etwa seien zu schwer für Trümmerarbeit.

Folgende Hunde sind häufig in Rettungshundestaffeln im Einsatz:

  • Retriever
  • Schäferhunde
  • Hütehunde
  • Jagdhunde („wenn der Jagdtrieb nicht ausgeprägt ist“)


Im Einzelnen sind das oft Border Collies, Australian Shepherds, Labradore, Golden Retriever, Deutsche und Belgische Schäferhunde.

Was sind die Voraussetzungen für Herrchen und Frauchen in der Rettungshundestaffel?

Wie auch der Vierbeiner sollten auch Halterin oder Halter im Rettungshundedienst sportlich fit sein – immerhin geht es häufig durch unwegsames Gelände. „Wir sind oft nachts unterwegs, bei völliger Dunkelheit etwa im Wald“, sagt Vanessa Häfner. „Zwar begleiten immer zwei Personen einen Hund, aber man muss diesen Situationen gewachsen sein, sollte, wie auch der Hund, nicht ängstlich auf Unerwartetes reagieren.“

Weitere Anforderungen an Hundeführerinnen und Hundeführer sind:

  • Sie sollten teamfähig sein: „Einzelkämpfer brauchen wir nicht.“
  • Sie brauchen Zeit: „Wir trainieren viel, zweimal pro Woche, und dazu kommen die Einsätze.“
  • Die Familie sollte mitziehen und das Engagement unterstützen.
  • Sie brauchen die Bereitschaft, an ihre Grenzen zu gehen: „Wir werden oft nachts gerufen. Dann lag ich vielleicht gerade eine halbe Stunde im Bett und muss wieder raus, bei Wind und Wetter ins Gelände. Das ist schon oft hart.“
  • Es sollte ein Interesse geben, mit dem eigenen Hund zu arbeiten.
  • Sie sollten psychisch belastbar sein: „Wir finden auch Tote.“

 

 

Anforderungen an Hunde im Besuchsdienst

Auch im Besuchsdienst werden Hunde und ihre Halterinnen und Halter eingesetzt – bei den Maltesern engagieren sich bundesweit schon 500 Ehrenamtliche mit ihren eigenen Hunden. Sie besuchen regelmäßig Seniorenresidenzen, Kinder- und Jugendeinrichtungen oder pflegebedürftige beziehungsweise einsame Menschen in Privathaushalten. Sie sorgen für Abwechslung im Alltag und schaffen neue Impulse. „Die Anforderungen an einen Hund im Besuchsdienst sind anders als im Rettungshundedienst“, erklärt Vanessa Häfner. Die Hunde müssten sozial noch sicherer sein: „Sie müssen ruhig sein, auf Menschen zugehen und dürfen nicht aggressiv oder erschreckt reagieren, auch wenn sie vielleicht einmal von einem Kind oder einem Demenzkranken stärker gedrückt oder grob berührt werden.“ Ein weiterer Unterschied: Die Besuchshunde befinden sich in einem geschlossenen Raum, sie können einer für sie unangenehmen Situation nicht ausweichen – sie müssen also besonders stressresistent sein. Dafür seien die körperlichen Anforderungen natürlich längst nicht so hoch: Vanessa Häfner: „Im Besuchsdienst ist ein Sofahund kein Problem.“

Was sind Einsatzbereiche bzw. Spezialgebiete für die Hunde? 

Es gibt drei Haupteinsatzgebiete für Hunde in Rettungshundestaffeln: Trümmersuchhunde kommen nach Erdbeben etwa in eingestürzten Gebäuden zum Einsatz. Sie zeigen alle Personen an, die sie in eingestürzten Gebäuden wittern. Mantrailer suchen gezielt nach einzelnen Personen, sind auch für die Suche in der Stadt geeignet. Flächensuchhunde zeigen jede Person an, die sie in einem unwegsamen, einsamen Gelände oder in einem Wald finden. Die beiden letzteren suchen unter anderem häufig vermisste Kinder, demenziell Erkrankte, Menschen, die einen Suizid angekündigt haben, Unfallflüchtige. Doch es gibt noch speziellere Einsatzbereiche in anderen Hilfsorganisationen wie der DLRG:

  • Wassersuchhunde werden zur Leichensuche etwa nach Bootsunfällen eingesetzt, sie stehen auf dem Boot, ihr Herrchen oder Frauchen beobachtet sie und erkennt, wenn sie Leichengeruch im Wasser wittern.
  • Wasserrettungshunde springen ins Wasser, ziehen Menschen aus dem Nass oder bringen Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer an den Einsatzort und helfen ihnen.
  • Lawinensuchhunde können Verschüttete in Schneemassen finden – auch wenn sie mehrere Meter tief unter einer Lawine begraben wurden.

Ausbildung zum Rettungshund

Die Ausbildung zum Rettungshund (beziehungsweise Rettungshundeteam) dauert etwa zwei Jahre. Die Hundestaffel der Malteser in Mainz trainiert zweimal die Woche im Gelände – einmal zwei Stunden an einem Wochentag, samstags noch einmal sechs Stunden. Insgesamt investieren die Ehrenamtlichen der Hundestaffel nur fürs Training etwa zehn Stunden die Woche. Für ihre Prüfung dürfen die Hunde nicht älter als 6 Jahre alt sein. Auch danach müssen die Hunde und ihre Halterinnen und Halter weiter trainieren, um auf die Einsätze gut vorbereitet zu sein.


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