Malteser Besuchsdienst mit Hund: Tiere für mehr Lebensqualität

Haustiere fördern die Gesundheit, helfen gegen Einsamkeit und regen an. Für Menschen, die selbst kein Tier halten können und sich einsam fühlen, gibt es den Besuchs- und Begleitdienst mit Hund der Malteser. Den speziell ausgebildeten Vierbeinern gelingt es spielerisch, auch zu jenen Menschen Kontakt aufzunehmen, die sonst eher zurückhaltend reagieren.

Was ist der Besuchsdienst mit Hund?

Bundesweit engagieren sich bereits mehr als 500 Ehrenamtliche der Malteser mit ihren eigenen Hunden im Besuchsdienst, um alten oder pflegebedürftigen Menschen eine Freude zu machen und für Abwechslung in ihrem Alltag zu sorgen. Sie besuchen regelmäßig Seniorenresidenzen, Kinder- und Jugendeinrichtungen oder pflegebedürftige und einsame Menschen in Privathaushalten. Neben Ablenkung und neuen Impulsen regen die Besuchshunde häufig auch die Mobilität an. Den Tieren gelingt es besonders schnell, Grenzen zu überwinden und mit den Menschen in Kontakt zu treten. „Mein Hund erreicht auch Menschen, die sonst sehr zurückhaltend sind“, berichtet Mareike Plücker (33) aus Essen. Seit fünf Jahren ist sie mit ihrem Australian Shepard Sammy in Gesbe in Essen im Einsatz. Die stationäre Einrichtung ist spezialisiert auf die Pflege, Betreuung und Therapie von Menschen mit neurologischen und psychiatrischen Problemen und es gibt unter anderem eine große Demenzstation.

Wie laufen die Besuche ab?

Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Einrichtung treffen Mareike und Sammy einmal in der Woche im Gemeinschaftsraum die Bewohnerinnen und Bewohner: „Der Zuspruch ist sehr groß, fast immer kommen dieselben Männer und Frauen zu uns, wir kennen sie schon seit Jahren.“ Während Mareike Plücker sich unterhält, lässt Sammy sich streicheln, bekommt Leckerlis und zeigt ein paar Kunststücke: „Er beherrscht zum Beispiel die Ziel-Objekt-Suche. In seinem Fall kann ich einen ganz bestimmten Kugelschreiber im Raum verstecken. Sobald ich den Befehl 'Zos' gebe, stürmt er los und sucht ihn. Er findet ihn immer, auch wenn mehrere Kugelschreiber im Raum sind.“ Auch einen Futter-Dummy lässt sich Sammy zuwerfen und wird hinterher natürlich auch ausgiebig gelobt: „Er ist Menschen sehr zugetan, das ist natürlich auch eine Voraussetzung für unseren Einsatz.“

Welche Hunde kommen für den Besuchsdienst infrage?

Wichtigste Bedingung ist natürlich, dass die Hunde gehorchen, nicht schreckhaft sind und grundsätzlich offen auf Menschen zugehen. „Sammy ist sehr lieb und aufgeweckt“, sagt Mareike Plücker, „außerdem ist er kein bisschen schreckhaft. Das ist wichtig. Denn gerade Demenzkranke neigen auch einmal dazu, ihn etwas fester anzufassen. Wenn ihn das stören und er dementsprechend reagieren würde, ginge das natürlich nicht.“

Zur Vorbereitung auf ihre Besuchsdienste wurden die Beiden geschult, zum Abschluss auch geprüft: „Wir wurden als Team begutachtet. Was bringt der liebste Hund, wenn Frauchen ungern spricht“, lacht sie.

Was für Erfahrungen macht sie bei den Besuchen?

„Wir haben total schöne Begegnungen“, erzählt die Mutter einer einjährigen Tochter, „wir werden immer sehr herzlich willkommen geheißen, auch von den Pflegerinnen und Pflegern und den Angehörigen. Eine Dame etwa kommt oft in Begleitung ihrer Töchter – ich merke, wie sie alle zusammen die gelöste Stimmung genießen.“ Einmal hat eine Aushilfspflegerin sie gefragt, ob sie Sammy auch streicheln dürfe. Sie kniete sich zu ihm und sagte: „Es war so schön, dass du da warst und den Menschen hier ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hast.“ An diesem Moment erinnert sich Mareike Plücker noch heute gerne: „Da bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Es macht mich glücklich, wenn ich merke, dass ich anderen helfen kann. Die Besuchsdienste empfinde ich als Win-win-Situation für mich und die Bewohnerinnen und Bewohner. Dank dieser schönen Erfahrungen mache ich gerne weiter und habe so einen idealen Ausgleich zu meinem Bürojob gefunden.“

Ergibt ein eigenes Haustier im Alter Sinn?

Viele ältere Menschen, die zu Hause leben, leiden unter dem Alleinsein. Ein Hund oder eine Katze können da Freunde und Seelentröster sein – und sie haben nachweislich positive Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden. Gerade Hunde, die regelmäßig Bewegung brauchen, sorgen dafür, dass ihre Frauchen und Herrchen gesünder leben: Die Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen sinken genauso wie die für Übergewicht, zu hohen Blutdruck und Stress. Doch nicht nur körperlich profitieren Haustierhalterinnen und -halter von ihren Vierbeinern. Sie helfen auch gegen Einsamkeit – und zwar nicht nur mit ihrer Anwesenheit. Denn gerade Hunde machen es einfacher, neue soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Seniorinnen und Senioren sollten sich vor der Anschaffung eines Tieres allerdings gut darüber informieren, welcher Vierbeiner für sie infrage kommt.

Viele Tierhalter freuen sich über Unterstützung

Häufig sind ältere Tiere eine gute Wahl. In den Tierheimen warten viele ältere Hunde und Katzen, die in der Regel ruhiger und entspannter sind als Jungtiere, auf ein neues Zuhause. Für ältere Menschen, die sich kein eigenes Tier mehr zutrauen, gibt es Alternativen: So suchen Tierheime Ehrenamtliche, die mit den Vierbeinern spazieren gehen. Oft werden auch Patenschaften angeboten, verbunden mit der Möglichkeit, Zeit mit den Tieren zu verbringen. Und: Viele Berufstätige suchen Tiersitter, die ihren Vierbeinern Gesellschaft oder Auslauf ermöglichen. Und wenn Freunde oder Verwandte, die Haustiere haben, in den Urlaub fahren, sind sie froh, wenn sie ihre Hunde oder Katzen ein paar Wochen in die zuverlässigen Hände von tierlieben Menschen geben können.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Besuchs- und Begleitdienst mit Hund gibt es auch hier.


Bewerte diesen Artikel

 
 
 
 
 
 
4
1
5
5

Verwandte Artikel

Eine Person hält eine Plastikkiste mit Lebensmitteln.

Unterstützung beim Einkaufen

Die Herzdruckmassage wird an einem Dummy demonstriert.

Was ist im Notfall zu tun? Erste Hilfe bei Älteren

Ein älteres Paar mit einem kleinen Mädchen in einer Dünenlandschaft

Oma und Opa im Ehrenamt