Corona-Hilfe für Menschen über 60: Prävention, Impfung und Co.

Für chronisch kranke Menschen und Personen, die älter als 60 Jahre alt sind, birgt Corona ein besonderes Risiko. Wie alte Menschen das Infektionsrisiko minimieren, wie sie Symptome erkennen und was sie über Tests und Impfungen wissen sollten, erklären wir hier.

Warum sind Menschen in hohem Alter besonders gefährdet?

Die Bundesregierung hat für die Bürgerinnen und Bürger eine Impfreihenfolge erstellt und sie gemäß dem Credo „Die Schwächsten zuerst“ in verschiedene Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 hat die höchste Priorität – dort finden sich unter anderem jene Personen, die älter als 80 Jahre alt sind. Wer, wann und mit welchem Impfstoff geimpft wird, kann sich aufgrund neuer Erkenntnisse auch noch ändern – die aktuellsten Informationen über die Impfgruppen erhalten Sie auf der Seite der Bundesregierung.
Aber warum ist das Risiko, dass es zu einem kritischen Krankheitsverlauf kommt, bei den Seniorinnen und Senioren eigentlich so hoch? Diese Frage haben wir Dr. Rainer Löb, dem ehrenamtliche Bundesarzt der Malteser, gestellt.

Er erklärt, dass die Kraft des Immunsystems mit fortschreitendem Alter in aller Regel abnimmt: „Damit sind ältere Menschen zum Beispiel grundsätzlich anfälliger gegenüber Infektionskrankheiten. Die Fähigkeit zur (schnellen) Bildung von Abwehrkräften im Körper, wie zum Beispiel Antikörpern, ist schwächer als bei Jüngeren. Mit steigendem Lebensalter treten auch durchschnittlich mehr chronische Erkrankungen wie zum Beispiel Lungenerkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes auf. Diese können zu Organschädigungen und einer weiteren Schwächung des Körpers führen, dann ist das Risiko für eine schwere Erkrankung mit COVID-19 noch höher“, so Dr. Löb.

Das belegen auch zahlreiche wissenschaftliche Erhebungen wie zum Beispiel die Metastudie der australischen Epidemiologen Gideon Meyerowitz-Katz und Lea Merone zur Sterberate in Bezug auf Covid-19: Demnach sterben in der Altersgruppe der über 85-Jährigen besonders viele Menschen – im Rahmen der Studie waren es 22,3 Prozent der Infizierten.
„Darum sind die über 80-Jährigen im Übrigen auch diejenigen, die bei der Impfung mit zunächst begrenzt verfügbarem Impfstoff vorrangig geimpft werden – neben denen, die sich zum Beispiel im Krankenhaus um COVID-19-Patientinnen und -Patienten oder immungeschwächte Krebskranke kümmern“, erklärt Dr. Löb.

Weitere Vorerkrankungen können das Risiko noch erhöhen. Dazu gehören laut Dr. Löb hauptsächlich solche Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen – unter anderem eine Chemotherapie bei einer Krebserkrankung oder nach einer Organtransplantation. „Darüber hinaus alle Erkrankungen, die zu Schäden bei den lebenswichtigen Organen führen können wie Adipositas, Bluthochdruck, Lungenkrankheiten, Diabetes oder schwere Nierenerkrankungen“, so Dr. Löb weiter.

Präventiv gegen die Ansteckung

Die beste Schutzmaßnahme gegen eine Infektion und den potenziell lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf ist laut Robert Koch Institut (RKI) in erster Linie die Beachtung der „AHA + A + L-Regeln“ (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen, Corona-Warn-App herunterladen, regelmäßig lüften). Für ältere Menschen und überhaupt alle Personen, die zu den Risikogruppen zählen, hat Dr. Löb einen zusätzlichen Ratschlag: „Wichtig ist, die chronischen Grunderkrankungen gut eingestellt zu haben und zu kontrollieren, damit es nicht zu Organschädigungen kommt, die bei einer COVID-19-Erkrankung den Verlauf negativ beeinflussen können. Daher: gehen Sie weiter zu Ihren Kontrollen zu Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin – und nehmen Sie an Vorsorgeuntersuchungen teil, auch in dieser Zeit!“

Eine ebenfalls wirksame Präventivmaßnahme ist das Impfen. Wie Schutzimpfungen im Allgemeinen funktionieren, können Sie hier noch einmal nachlesen. Es gibt speziell zu den Corona-Impfungen auch einige wissenswerte Fakten:

Wie funktionieren die Corona-Impfungen?

Wie Impftermine vergeben werden und wie die Corona-Impfungen im Allgemeinen ablaufen, regeln die Bundesländer. Auf der Seite des RKI gibt es einen Überblick über das Vorgehen der Länder.

Es gibt derzeit (Stand 01. April 2021) bereits vier in der EU zugelassene Impfstoffe: Zunächst erhielten der mRNA-COVID-19-Impfstoff „Comirnaty“ von BioNTech/Pfizer, „COVID-19 Vaccine Moderna“ von Moderna sowie „AZD1222“ von der University of Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca ihre Zulassung. Der letztgenannte Impfstoff sorgte zuletzt für Verunsicherung, da bei einer sehr geringen Zahl jüngerer Menschen nach der Impfung eine Hirnthrombose auftrat. Daher soll er vorerst nicht mehr an unter 60-Jährige verabreicht werden. Wer jünger ist, kann den Impfstoff trotzdem erhalten – jedoch nur nach einer Beratung mit dem Hausarzt oder der Hausärztin. Das Vakzin des US-Pharmakonzern Johnson & Johnson wurde im März für die EU zugelassen und soll voraussichtlich ab dem 19. April in die EU geliefert werden. Eine Übersicht der Impfstofftypen und weitere damit zusammenhängende Informationen gibt es auf der Website des Robert Koch instituts (RKI).

Die Impfstoffe müssen je nach Wirkungsweise in unterschiedlicher Form und bestimmten Zeitabständen verabreicht werden. Bei Moderna und Biontech, den beiden ersten in Deutschland zugelassenen Impfstoffen, sind zum Beispiel zwei Impfungen erforderlich. Zwischen den beiden Impfungen dürfen nicht mehr als sechs Wochen liegen – das gilt für beide Varianten. Beide Impfungen müssen zudem mit dem Impfstoff desselben Herstellers erfolgen. Sieben Tage nach der zweiten Impfung mit „Comirnaty“ beziehungsweise 14 Tage nach der zweiten Impfung mit „COVID-19 Vaccine Moderna“ stellt sich der Impfschutz ein.
Ab diesem Zeitpunkt ist die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken, bei den bereits geimpften Personen weitaus geringer als bei nicht geimpften Menschen. Wichtige und immer aktuelle Informationen gibt es auch auf der Seite des Robert Koch Instituts (RKI).

Geimpft wird zunächst vor allem in eigens dafür eingerichteten Impfzentren. Auch die Malteser betreiben solche Corona-Impfzentren im Auftrag der Städte und Gemeinden. Die Zentren bieten die Möglichkeit, eine große Zahl an Menschen zu impfen und dabei zeitgleich ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten. Außerdem können die Impfstoffe dort in großer Menge bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden. In Pflegeheimen kommen derzeit zudem mobile Impfteams zum Einsatz. Um älteren und allein lebenden Menschen den Prozess von der Terminvergabe bis hin zur Impfung zu erleichtern, bieten viel Gemeinden den Seniorinnen und Senioren ihre Unterstützung an. Auch Fahrdienste werden vielerorts organisiert. Wer dringende Fragen zu Corona und den Impfungen hat, kann sich unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116 117 informieren oder die eigens dafür initiierte Internetseite ansteuern. Dort gibt es die Informationen auch in einfacher Sprache sowie in Gebärdensprache.

An die älteren Menschen, die in Bezug auf die Impfungen womöglich noch verunsichert sind, richtet Dr. Löb folgenden Appell: „Die wichtigste Information ist die: Gehen Sie hin. Lassen Sie sich impfen, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, da 'Ihre Gruppe' aufgerufen wird. Sie leisten damit einen Beitrag zu Ihrer eigenen Sicherheit, aber auch zu der aller anderen. Es ist somit auch gelebte Nächstenliebe, sich impfen zu lassen. Wichtig ist: durch die Impfung können Sie NICHT an COVID-19 erkranken. Wenn Impfreaktionen auftreten wie Schwäche, Mattigkeit, Schmerzen im Impfarm oder auch Gliederschmerzen, Fieber oder Kopfschmerzen, so sind diese Zeichen einer arbeitenden Immunabwehr und nicht ungewöhnlich. Wenn Sie keine Reaktion haben, so ist dies wiederum auch kein Hinweis darauf, dass Ihr Immunsystem nicht funktioniert!“

Symptome treten auf – das ist zu tun

Die Infektion mit dem SARS-CoV-2 hat ein sehr breit gefächertes Symptomspektrum – nach der Ansteckung dauert es durchschnittlich sechs Tage, bis Symptome auftreten. Typische Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen und Fieber treten nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) bei der Mehrheit der Fälle auf. Aber auch allgemeine Schwäche, Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns, Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen und viele weitere Symptome gehören zu den nach einer Corona-Infektion auftretenden Krankheitszeichen.
Sollten Sie diese oder andere Symptome bei sich feststellen, können Sie sich zunächst telefonisch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117), bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, einer anderen behandelnden Ärztin beziehungsweise einem Arzt, einer lokalen Corona-Hotline oder einer Fieberambulanz beraten lassen. „Wenn Sie Luftnot haben, rufen Sie den Rettungsdienst und weisen Sie darauf hin, dass die Symptome auf COVID-19 hindeuten könnten“, rät Dr. Löb.
Auch in dem Fall, dass wider Erwarten Symptome einer Impfreaktion auftreten sollten, die Sie nicht mit einem frei verkäuflichen Schmerzmittel oder ruhigem Abwarten bekämpfen können, rät der Experte dazu, Kontakt zu Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt und außerhalb der Dienstzeit mit dem kassenärztlichen Notdienst unter 116 117 aufzunehmen.

Besteht der Verdacht auf eine Corona-Infektion, sollte ein Test durchgeführt werden. Wie die Tests funktionieren und wer getestet wird, haben wir hier im Detail festgehalten. Das Bundesgesundheitsministerium hat für Deutschland eine nationale Teststrategie entwickelt, die unter anderem vorsieht, dass „Personen mit COVID-19-typischen Symptomen“ und „Personen ohne Symptome, die engen Kontakt zu einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person hatten“ getestet werden. Ob ein Test bei Ihnen durchgeführt werden sollte, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Corona-Selbsttests wurden (Stand März 2021) vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen. Damit können Bürgerinnen und Bürger daheim einen Test durchführen. Weitere und immer aktuelle Informationen zum Thema Schnelltest, können auf der Website vom Bundesgesundheitsministerium nachgelesen werden.

Corona-Hilfe der Malteser unterstützen

Wenn Sie die Arbeit der Malteser während der Corona-Pandemie und darüber hinaus unterstützen möchten, können Sie zum Beispiel hier spenden.


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