Wie Wallfahrten Inklusion möglich machen

Ob Rom oder Lourdes – wenn die Malteser zu Wallfahrten aufbrechen, wird aus einer Reise weit mehr als ein Pilgerweg: Es entstehen Gemeinschaft, Nähe und Erlebnisse, die lange nachwirken. 

Wie aus einer Wallfahrt eine echte Freundschaft entstand

Bereits seit Jahrzehnten organisieren die Malteser Pilgerreisen zu unterschiedlichen Wallfahrtsorte. Sie richten sich besonders an Ältere, Kranke und Menschen mit Behinderung und/oder Beeinträchtigung, also an jene, für die Reisen allein oft nicht mehr möglich ist. Begleitet von freiwilligen Helferinnen und Helfern geht es zu bedeutenden Wallfahrtsorten wie Lourdes oder in die „ewige Stadt“, nach Rom. Neben der religiösen Erfahrung stehen vor allem das Miteinander und die Nächstenliebe im Mittelpunkt: gemeinsam unterwegs sein, sich gegenseitig unterstützen, neue Erinnerungen schaffen. Die Wallfahrten geben Zuversicht, ermöglichen Teilhabe und manchmal entstehen daraus sogar Freundschaften fürs Leben.

So wie bei Roswitha (82) und Ida (75). Kennengelernt haben sich die beiden Frauen bei einer Wallfahrt der Malteser nach Lourdes, ihre zweite gemeinsame Reise führte sie nach Rom. „Als Ida mich gefragt hat, ob ich nicht auch mit nach Rom möchte, habe ich sofort zugesagt. Ich habe mir gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, erinnert sich Roswitha. Ida begleitet die Wallfahrten ehrenamtlich, Roswitha reist als Pilgerin mit. Dass die beiden als Tandem zusammenkamen, war zunächst Zufall. Daraus wurde eine enge Freundschaft, die heute sogar einer Entfernung von fast 300 Kilometern standhält. „Durch die Wallfahrten, durch das gemeinsam Erlebte, entstehen tolle Freundschaften, die man sonst nie geschlossen hätte“, sagt Ida. An ihrer Freundschaft schätzen die beiden am meisten den Umgang, den sie miteinander haben. Roswitha mag besonders Idas Offenheit und lustige Art. „Es hat bei uns einfach klick gemacht“, beschreibt Ida die Freundschaft mit Roswitha.

Wallfahrten machen gelebte Inklusion sichtbar

Was die Malteser Wallfahrten besonders macht, ist ihr inklusiver Ansatz: Alle sollen teilnehmen können. Unabhängig von Alter, Behinderung, Beeinträchtigung oder gesundheitlicher Situation. Damit das gelingt, reisen viele Pilgerinnen und Pilger in Tandems mit Helferinnen und Helfern. Sie unterstützen im Alltag der Reise und sorgen dafür, dass alle Programmpunkte für jede und jeden erreichbar und machbar sind. Bei Bedarf übernehmen sie auch pflegerische Aufgaben. Zusätzlich stehen medizinische Fachkräfte bereit.

Für Ida bedeutet dieses Engagement auch körperlichen Einsatz: „Manchmal heißt das, den ganzen Tag Rollstühle durch Rom zu schieben. Das ist anstrengend, aber wenn ich dazu nicht bereit wäre, dürfte ich nicht mitfahren.“ Und doch ist für sie klar, dass das, was sie als Helferin macht, kein einseitiges Geben ist: „Das, was wir zurückbekommen, ist viel größer. Das ist auch der Grund, warum so viele immer wieder mitfahren."

Roswitha weiß diese Unterstützung sehr zu schätzen. Seit ihrer Polio-Erkrankung in jungen Jahren, auch bekannt als Kinderlähmung, ist sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. In den letzten Jahren ist Reisen für sie spürbar schwieriger geworden. „Allein würde ich mir so eine Reise nicht mehr zutrauen. Aber hier weiß ich: Wenn etwas ist, ist sofort jemand da. Man fühlt sich einfach gut aufgehoben“, erklärt die 85-Jährige. Hilfe anzunehmen, ist für die Teilnehmenden dabei nicht immer selbstverständlich, weiß Ida: „Gerade wenn jemand zu Hause noch vieles allein schafft, fällt es unterwegs manchmal schwer, Unterstützung anzunehmen. Das ist ein Prozess.“

Warum sich eine Wallfahrt lohnt

Gerade darin zeigt sich, was Inklusion im Alltag bedeutet: nicht nur die Möglichkeit zur Teilnahme zu schaffen, sondern auch Vertrauen in sich und andere wachsen zu lassen und neue Erfahrungen zu ermöglichen. Für Roswitha sind die Wallfahrten ein wichtiger Gegenpol zum Alltag, der sich oft um Arzttermine und Therapien, teilweise auch um Schmerzen, dreht. Aber wenn sie von einer Wallfahrt zurückkomme, dann ginge es ihr gut, dann sehe sie, was sie alles erlebt hat, schwärmt die Rentnerin. Für Roswitha ist klar, dass Teilhabe entscheidend ist: „Wenn man allein nicht mehr kann, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man bleibt zu Hause, oder man sagt sich: 'Ich versuch’s'“. Auch Ida betont, wie wichtig solche Angebote sind: „Gerade im Alter ist es schwer, neue Kontakte zu knüpfen und eine Einschränkung macht es nicht leichter. Die Wallfahrten aber geben die Möglichkeit, unter Leute zu kommen und Gemeinschaft zu erleben“, erklärt die ehrenamtliche Helferin. Glaube und Gemeinschaft gehen dabei Hand in Hand. „Man lacht zusammen, ist vielleicht auch mal gerührt, singt gemeinsam, das gibt Lebensmut“, betont Ida.

„Einfach den Mut haben“

Wenn Sie noch zögern, sich mit den Maltesern auf Wallfahrt zu begeben, dann raten Ihnen die beiden Pilgerfreundinnen, mutiger zu werden und es einfach mal auszuprobieren. „Es gibt überhaupt kein Risiko“, findet Roswitha, „es wird so gut für einen gesorgt, dass man sich immer aufgefangen fühlt“. Ihr persönliches Fazit nach ihrer Wallfahrt nach Rom ist eindeutig: „Ich fahre gestärkt und voller Energie nach Hause, mit der Erkenntnis: Auch mit 80 ist das Leben noch sehr schön, wenn man sowas erleben kann.“

Mit den Maltesern auf Wallfahrt

Sie haben Lust, wie Ida und Roswitha die besondere Stimmung einer Wallfahrt einmal hautnah mitzuerleben? Dann melden Sie sich bei Ihren Maltesern und erkundigen sich dort über Wallfahrts-Angebote in Ihrer Nähe. Hier finden Sie Termine für anstehende Malteser Wallfahrten nach Lourdes. Außerdem gibt es tolle Wallfahrten innerhalb Deutschlands, zum Beispiel in Bayern  und Nordrhein-Westfalen, die von den Maltesern betreut werden

Vielfältige Angebote für mehr Teilhabe

Die Malteser setzen sich aktiv für Inklusion in allen Lebensphasen ein – dazu gehört auch der Blick auf ältere Menschen. Das Ziel: eine wertschätzende und barrierearme Umgebung zu schaffen, in der Seniorinnen und Senioren unabhängig von körperlichen, kognitiven oder sozialen Einschränkungen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Neben Wallfahrten sorgen auch Angebote wie z.B. verschiedene Besuchs- und Begleitungsdienste und der Fahrdienst dafür, Einsamkeit zu reduzieren und Teilhabe zu stärken.


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