Wenn junge Menschen Hilfe brauchen

Hilfe braucht man als Kind und im Alter. Dazwischen kümmern wir uns um uns selbst. Was, wenn plötzlich auftretende Krankheiten wie Lähmungen oder Epilepsie, fortschreitende Krankheiten oder die Folgen eines Unfalls aus jungen, gesunden Menschen, junge, pflegebedürftige Menschen machen? Ayse arbeitet in der jungen Pflege. Wie sie zu ihrem Job kam und was sie dort erlebt, erfährst du hier.

Darum geht's:


Arbeiten in der jungen Pflege

Schon mit 16 Jahren weiß Ayse, dass sie Menschen helfen möchte. Nach ihrem Realschulabschluss will sie als medizinische Fachangestellte im Krankenhaus arbeiten, aber sie ist noch zu jung, erzählt sie: „Ich wollte schon immer etwas im medizinischen Bereich machen. Das fasziniert mich. Eine Freundin von mir arbeitet im Seniorenheim und hat mir so viel von ihrem Job erzählt. Da dachte ich mir, ich versuch’s mal. Ich hab erstmal ein FSJ gemacht, um zu schauen, ob die Pflege überhaupt etwas für mich ist.“

Mit 17 Jahren startet Ayse ihr FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) im Malteserstift St. Katharina in Dormagen in Nordrhein-Westfalen. Das Besondere an dieser Pflegeeinrichtung: hier werden auch junge Menschen betreut und gepflegt. „Die meisten unserer Bewohner in der jungen Pflege sind um die 30 Jahre. Einige sind sehr selbstständig, andere können sich gar nicht selbst versorgen“, erklärt Ayse. Die Aufgaben sind die gleichen, wie auch in der Altenpflege: Essen machen, bei der Körperpflege, beim Essen und beim An- und Ausziehen helfen, Wunden versorgen, aber auch gemeinsam reden und lachen: „Ich spiele viele Spiele mit den Bewohnern und quatsche mit ihnen. Das macht Spaß. Und wenn sie einen dann umarmen oder mir erzählen, wie sie sich fühlen, dann ist das schön.“

Ayse gefällt ihr FSJ so gut, dass sie das Jahr um zwei Monate verlängert. Inzwischen ist sie 19 und beginnt in wenigen Wochen ihre Ausbildung zur Pflegekraft. Doch gerade am Anfang war es manchmal ganz schön schwer für Ayse, durchzuhalten.

Pflegerin Ayse Altinsoy
Ayse engagiert sich in der jungen Pflege © Malteser

Wie Ayse sich motiviert

„Man sieht krasse Wunden bei Patienten, sowas hatte ich nie vorher in meinem Leben gesehen. Gerade am Anfang, so in den ersten drei Monaten, war das hart“, erzählt Ayse. „Ich war mal bei einer Patientin mit sehr starken Wunden. Da wurde mir erstmal schlecht, als ich das gesehen habe musste ich rausgehen. Ich habe mich aber daran gewöhnt.“ Inzwischen hat Ayse viel gesehen und erlebt, sie kennt alle Bewohner und ihre Herausforderungen. Zwei wichtige Gedanken motivieren sie in ihrem Job: Würde sie im Krankenhaus arbeiten, würde sie schlimmere Wunden und Verletzungen sehen. Außerdem sieht sie ihr eigenes Leben inzwischen anders.


Seitdem ich in der Pflege arbeite, bin ich dankbarer und habe gelernt, vieles im Leben mehr zu schätzen. Ich denke immer: mir geht es gut, anderen nicht, darum helfe ich denen einfach.

Ayse


Eltern und Freunde stehen hinter Ayses Entscheidung für diesen Beruf, doch gerade am Anfang waren sie etwas kritischer.

Ein harter, aber schöner Job

„Dass ich Menschen helfe, finden alle gut“, sagt Ayse. „Aber am Anfang haben sich meine Eltern und Freunde schon gewundert und mich oft gefragt: wie willst du das schaffen? Meine Mutter ist Erzieherin im Kindergarten. Sie weiß, dass die Pflege ein harter Job ist. Sie hat mich gefragt: Willst du das wirklich? Ich weiß ja auch, dass den Beruf nicht jeder machen kann. Aber wenn ich sehe, die Patienten sind glücklich und es geht ihnen gut, dann geht es auch mir gut.“

Ayse ist beliebt und umgänglich. Sie versteht sich mit Bewohnern und mit ihren Kollegen sehr gut, erzählt sie: „Meine Kollegen unterstützen mich ganz toll. Von Anfang an hab ich mich wohl gefühlt. Klar, gibt es auch mal doofe Situationen, auch mit den Bewohnern. Und es gibt Momente, da hat man mal keine Lust und regt sich auf, aber ich denke mir dann, ich tue etwas Gutes und das motiviert mich.“ Ayses Patienten und Kollegen werden sie noch eine ganze Weile behalten können. Auch für ihre Ausbildung bleibt sie im Malteserstift St. Katharina in Dormagen.

Junge Pflegekräfte lernen Herz-Rythmus-Massage
Die Ausbildung zur Pflegefachkraft besteht aus viel praktischer Arbeit und dauert drei Jahre.

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft

Sicherlich hast du schon mal diese Begriffe gehört: Gesundheits- und Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger, Altenpfleger. Das sind die offiziellen Bezeichnungen für die verschiedenen Berufe in der Pflege.

Die Ausbildung dauert jeweils drei Jahre und wird mit einer staatlichen Prüfung an einer Pflegefachschule abgeschlossen. Voraussetzungen für die Ausbildung sind:

körperliche und geistige Eignung und ein Realschulabschluss oder ein ähnlicher, gleichwertiger Schulabschluss. In deiner Ausbildung arbeitest du blockweise in einer Einrichtung und lernst Theoretisches in der Pflegefachschule. Dort lernst du unter anderem alles aus der Gesundheitswissenschaft, Krankenpflege, Medizin, aber auch politische, juristische und wirtschaftliche Aspekte. Außerdem kannst du durch Praktika in anderen Bereichen, wie Psychiatrie oder ambulanter Pflege, weitere Erfahrungen sammeln. Ein Job ist dir höchstwahrscheinlich sicher, denn Pflegefachkräfte werden immer gebraucht. Übrigens kannst du dich auch immer weiterbilden und zusätzliche Qualifikationen erlernen.

Du willst ausprobieren, ob die Pflege ein Bereich ist, in dem du arbeiten möchtest? Wie wäre es mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr? In der Malteser Platzbörse findest du vielleicht eine geeignete Stelle.

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