Plötzlich Pflegefall: Was jetzt zu tun ist

Ein Familienmitglied wird zum Pflegefall. Was nun? Der Alltag steht Kopf und viele Fragen unbeantwortet im Raum: Wer übernimmt die Pflege? Wie lässt sich die Versorgung finanzieren, wo gibt es Unterstützung? Pflegende Angehörige finden hier die wichtigsten Antworten zum Thema Pflegefall.

Darum geht's:


Was bedeutet Pflegefall?

Das Wort „Pflegefall“ klingt unpersönlich, dabei stecken individuelle Schicksale wie Behinderungen und Demenz dahinter. Alte wie junge Menschen können durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit zum Pflegefall werden. Sie sind dann nicht mehr in der Lage, komplett eigenständig ihren Alltag zu bestreiten. Der Pflegebedarf ist unterschiedlich: Manchmal sind motorische Fähigkeiten eingeschränkt, in anderen Fällen machen kognitive Beeinträchtigungen eine Person zu einem Pflegefall – der Verstand spielt nicht mehr mit.

Plötzlich Pflegefall – wo gibt es Hilfe?

Wenn es im engsten Umkreis zu einem Pflegefall kommt, rückt die pflegebedürftige Person in den Mittelpunkt. Wichtig zu wissen: Niemand ist in dieser Situation allein. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die in der neuen Lebenssituation unterstützen und helfen, die weiteren Schritte zu organisieren.

Hilfe gibt es bei den folgenden Anlaufstellen:

  • Hausarzt oder Klinik
  • Krankenkasse oder Pflegekasse
  • Pflegestützpunkte der Region
  • Beratungsstellen von Wohlfahrtsverbänden wie die Malteser
  • Bundesministerium für Gesundheit (online und am Telefon)
  • Seniorenberatung
  • Selbsthilfegruppen, zum Beispiel über nakos.de

Wie lässt sich der Pflegegrad bestimmen?

Der wichtigste Schritt bei einem Pflegefall in der Familie: Leistungen bei der Pflegeversicherung beantragen. Dafür treten Angehörige mit der zuständigen Pflegekasse in Kontakt. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) prüft dann im Rahmen eines Hausbesuchs, ob und in welchem Ausmaß Pflegebedürftigkeit vorliegt. Je nach Pflegegrad stehen Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen verschiedene Leistungen zu.

Wie soll der Pflegefall betreut werden?

Steht der Pflegebedarf fest, geht es um die Frage: Wie soll die Betreuung aussehen? Ist die Unterbringung in einem Heim nötig, oder kann der Pflegebedürftige zu Hause versorgt werden? Übernehmen ambulante Pflegedienste die Betreuung, oder sind Angehörige für die Pflege zuständig? Am besten wird die Pflege auf so viele Schultern wie möglich verteilt: Falls möglich, können Angehörige Freunde und Nachbarn für Arztbesuche und Behördengänge eingespannt und die medizinische Versorgung an ambulante Pflegekräfte abgeben werden. Am besten entscheidet der Pflegebedürftige mit.

Rechtliche Vorsorge für den Pflegefall

Ein Unfall, eine Krankheit oder eine geistige Behinderung können dazu führen, dass Betroffene nicht mehr in der Lage sind, Entscheidungen selbst zu treffen. Wer fasst dann wichtige Beschlüsse? Je früher man gesetzliche Vertreter bestimmt, desto besser. Spätestens aber mit Eintritt in die Pflegebedürftigkeit sollten Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung ausgestellt werden. Vorlagen gibt es zum Beispiel hier bei den Maltesern.

Wie funktioniert Pflege zu Hause?

Wer sich dafür entscheidet, einen Menschen in seinem eigenen Zuhause zu pflegen, steht vor Herausforderungen: Wie lässt sich ein Erwachsener heben? Wie für die richtige Körperhygiene sorgen, wie beim Stuhlgang helfen? Wie funktioniert das An- und Auskleiden? Die Pflegekassen bieten kostenlose Beratungen für pflegende Angehörige an, die genau diese Fragen beantworten. Kurse für pflegende Angehörige gibt es bei den Maltesern oder auch in Krankenhäusern vor Ort. Die Schulungen thematisieren auch rechtliche Gegebenheiten der Pflege und Pflegeversicherung.

Den Pflegefall nicht zur eigenen Belastung werden lassen

Ein Pflegefall bedeutet für Angehörige eine große Belastung. Damit der psychische Stress und der körperliche Einsatz der pflegenden Person nicht die Kraft rauben, gibt es verschiedene Entlastungsangebote. Pflegende Angehörige können beispielsweise selbst eine Reha absolvieren und in der Zeit die sogenannte Verhinderungspflege nutzen. Selbsthilfegruppen bieten Austauschmöglichkeiten, Haushaltshilfen unterstützen im Alltag und geben mehr Raum für die Pflege.

Wie lassen sich Arbeit und Pflege vereinbaren?

Wenn plötzlich ein Pflegefall im engsten Familienkreis auftritt, muss die Arbeit erst einmal hinten anstehen. Pflegende Angehörige haben kurzfristig gesetzlichen Anspruch auf bis zu zehn Tage Freistellung sowie Pflegeunterstützungsgeld, um die Erstversorgung des Pflegefalls zu gewährleisten und die weitere Pflege zu planen. Danach können sie Pflegezeit oder Familienpflegezeit nehmen und eine Pause vom Job einlegen, wenn sie selbst für die Pflege aufkommen.

Unterhalt während der Pflegezeit

Das fehlende Gehalt während der Pflegezeit lässt sich durch ein staatliches Darlehen ausgleichen, die Beiträge zur Renten-, Pflege- und Krankenversicherung der pflegenden Angehörigen übernimmt die Pflegekasse.

Pflegefall – wer zahlt jetzt?

Pflege kostet Geld. Je nach Pflegestufe übernehmen Kranken- und Pflegeversicherung mit Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Entlastungsbeitrag einen unterschiedlich hohen Teil der Kosten. Rücklagen und Vermögen lassen sich ebenfalls für die Pflege nutzen. Allerdings: Betrifft der Pflegefall die Eltern, sind die Kinder in bestimmten Fällen unterhaltspflichtig. Wie hoch die Kosten sind, die die Kinder zu tragen haben, hängt vom Einkommen und den weiteren unterhaltspflichtigen Angehörigen ab.


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