Lilith & Michael: Arbeitsalltag Notfall

112. Das ist die Telefonnummer für alle Notfälle. Mehr als 10 Millionen Einsätze fahren deutsche Rettungsdienste im Durchschnitt jedes Jahr. Das schätzt die Bundesanstalt für Straßenwesen. Noch vor dem Notarzt ist das sogenannte nichtmedizinische Rettungspersonal an Ort und Stelle und übernimmt die Erstversorgung. Michael und Lilith sind Rettungssanitäter bei den Maltesern in Freiburg. Sie erzählen von ihrer Ausbildung, ihren Erlebnissen und was das Beste an ihrem Job ist.

Darum geht's:


So wurden Lilith und Michael Rettungssanitäter

„Der Rettungssanitäter ist die zweite Person auf dem Rettungswagen und arbeitet dem Notfallsanitäter zu. Wir übernehmen Aufgaben wie Blutdruckmessen oder Papiere ausfüllen“, erklärt Michael. Inzwischen gehört er zu den hauptberuflichen Mitarbeitern im Rettungsdienst.

Nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr erwirbt Michael 2015 die Qualifikation zum Rettungssanitäter. Seit 2017 ist er in der Ausbildung zum Notfallsanitäter und arbeitet auch noch ehrenamtlich im Rettungsdienst: „Ich hab schon in der Jugendzeit gerne mit Menschen gearbeitet und war in der Jugendarbeit aktiv. Darum war klar für mich, dass ich etwas im sozialen Bereich machen werde“, erklärt Michael seine Berufswahl.

Portraitbild von Michael
Michael ist seit zwei Jahren in der Ausbildung zum Notfallsanitäter. © Malteser

Auch Lilith fängt 2014 während ihres FSJ im Krankentransport an, bevor sie Rettungssanitäterin wird: „Ich finde es gut, dass ich erstmal im Krankentransport angefangen habe und nicht sofort in der Rettung“, erzählt sie. „So konnte ich in Ruhe Erfahrungen mit Patienten in kleineren, entspannteren Situationen sammeln, bevor ich bei den stressigen Notfällen dabei war.“ Inzwischen arbeitet Lilith neben ihrem Studium als Rettungssanitäterin. 2017 erwirbt sie die Qualifizierung und verdient sich als studentische Hilfskraft etwas zu ihrem Lehramtsstudium dazu. Der Job ist für sie ein schöner Ausgleich zum Studium: „In der Uni sitzt man viel am Schreibtisch, lernt und nimmt theoretisches Wissen auf. Im Job muss ich mein theoretisches Wissen anwenden. Da muss jeder Handgriff sitzen. Man muss wissen, wo was ist, wie was funktioniert. Das ist stressig, denn man handelt ja oft in einer lebensbedrohlichen Situation.“

Was ist was? Rettungssanitäter und Notfallsanitäter

Zwei Begriffe, die ähnlich klingen, aber zum Teil unterschiedliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten beinhalten. Entwirren wir das Ganze mal:

  • Rettungssanitäter kannst du relativ schnell werden. Dafür machst du eine knapp viermonatige Qualifizierung mit Lehrgängen in einer Rettungsdienstschule und abschließender Prüfung. Du wirst dann hauptsächlich im Rettungswagen oder Krankentransport eingesetzt. Im Krankentransport geht es in der Regel weniger stressig zu, da es sich um geplante Fahrten handelt, bei denen Patienten zum Beispiel von einer Klinik in eine andere gebracht werden. Als Rettungssanitäter bist du bei einem Krankentransport als sogenannter Transportführer für alles verantwortlich.
  • Seit 2014 gibt es die Ausbildung zum Notfallsanitäter. Das ist die Berufsausbildung im Rettungsdienst. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird in der Rettungsdienstschule, auf dem Rettungswagen und im Klinikum durchgeführt. Der Notfallsanitäter ist in der Lage, eigenverantwortlich medizinische Maßnahmen der Erstversorgung durchzuführen. Er sichert die Transportfähigkeit der Patienten und überwacht deren medizinischen Zustand.

Die Herausforderungen des Rettungsdienstes

Im Rettungsdienst steht der Mensch im Mittelpunkt. Das hat schöne, aber auch herausfordernde Seiten: „Man muss mit den verschiedensten Menschen kommunizieren und auf deren Bedürfnisse eingehen“, erzählt Michael. „Und man sieht alle gesellschaftlichen Schichten, vom Professor in einer riesigen Villa, in der alles sauber und ordentlich ist, bis hin zur Messi-Wohnung, wo man sich den Weg zum Patienten durch Müllberge bahnen muss.“ Menschliche Schicksale erleben die Rettungsdienstmitarbeiter hautnah mit, das ist nicht immer leicht und kommunikatives Geschick ist gefragt, sagt Michael: „Es gibt Einsätze, da ist klar, wie wir vorzugehen haben, wie bei einem Verdacht auf Herzinfarkt. Schwierig wird es, wenn die Lage unklar ist oder Leute etwas anderes von uns erwarten. Sie rufen uns wegen einer schweren Grippe und wollen Medikamente, die wir aber gar nicht geben dürfen. Das dürfen nur Ärzte. Wir müssen ihnen das klar machen und trotzdem irgendwie auf ihre Bedürfnisse eingehen, das ist nicht so einfach.“

Die schönen Seiten des Rettungsdienstes

Umso schöner ist es, wenn die Rettungsfahrten gut ausgehen. Michael erinnert sich an eine 48-jährige Mutter, die reanimiert werden musste: „Sie war eineinhalb Wochen später schon wieder in der Reha. Da denkt man, man hat etwas bewirkt und ein Menschenleben gerettet. Das mach so viel aus! Und wenn dann noch ein kleines Dankeschön kommt, ist das superschön.“


Klar, es ist unser Job, Menschen zu helfen. Aber wir freuen uns trotzdem, wenn ein Danke kommt.

Michael, Rettungssanitäter


Rettungssanitäter transportieren Patient im Rettungswagen
Rettungs- und Notfallsanitäter übernehmen die Erstversorgung und bringen die Patienten in Krankenhaus. © Malteser

So wirst du Rettungssanitäter

Ob Ehrenamt, FSJ, Nebenjob oder als Hauptberuf, es gibt viele Möglichkeiten, um als Rettungssanitäter zu helfen. In jedem Fall brauchst du eine sogenannte rettungsdienstliche Qualifikation, die zirka vier Monate dauert. Die Ausbildung ist kostenpflichtig, darum empfiehlt es sich, deine Qualifikation über einen Träger oder gemeinnützigen Verein zu machen, für den du anschließend auch arbeitest. In der Regel übernimmt der Träger dann die Gebühren für dich. Anschließend kannst du ehrenamtlich als Rettungssanitäter aushelfen, dein Freiwilliges Soziales Jahr machen oder vielleicht, wie Lilith, als studentische Aushilfe etwas Geld dazuverdienen. Aber auch hauptberuflich sind Rettungssanitäter im Einsatz und übernehmen die Erstversorgung. Besondere Voraussetzungen musst du für diese Aufgabe nicht erfüllen. Du solltest aber grundsätzlich gerne mit Menschen zusammenarbeiten, empathisch sein, gut kommunizieren können, in stressigen Situationen cool bleiben und kein Problem mit Schichtdiensten haben.

VERWANDTE ARTIKEL

Die Ausbildungen im Rettungsdienst

Zwei Notfallsanitäter legen einem Patienten im Krankenwagen eine Beatmungsmaske auf

Als Notfallsanitäter helfen

Helfer beim Rosenmontagseinsatz

Einsatzleiter bei Großveranstaltungen

Bewerte diesen Artikel