Mut zum Dialog: das Debattiertraining der Malteser

Miteinander reden, Argumente finden, sich zuhören: Der Integrationsdienst der Malteser in Halle bietet regelmäßig ein Debattiertraining an. Es fördert das Sprachgefühl, trägt dazu bei, sich auch über schwierige Themen sachlich auszutauschen, und fördert so das gegenseitige Verständnis.

Darum geht's


Seit wann gibt es das Debattiertraining in Halle?

Das Debattiertraining wird seit 2021 in Halle im Rahmen des Malteserprojektes „Hand in Hand“ veranstaltet. Es ist ein Angebot für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und richtet sich an alle Altersgruppen. „Es können Kinder, Studierende, Seniorinnen und Senioren, Mütter und Väter mitmachen“, erzählt Mandy Börner-Hannemann, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Malteser in Sachsen-Anhalt, „da gibt es keine Einschränkungen. Wir wollen die Menschen, unabhängig von ihrem Alter und ihrer Herkunft, zum Sprechen bringen.“ Viele der Teilnehmenden stammen ursprünglich aus der Ukraine, aus Syrien oder auch anderen Ländern : „Auch der Organisator unseres Projektes hat selbst einen Migrationshintergrund und dieses Angebot aus eigenem Antrieb ins Leben gerufen. Alle Teilnehmenden debattieren auf Deutsch, einer für viele nicht geläufigen Sprache. Das erfordert zuerst Mut, schafft aber auch langfristig Sicherheit.“

Wie läuft das Debattiertraining ab?

Einmal im Jahr wird in Halle ein großes Debattierturnier veranstaltet. Im Vorfeld des Turniers gibt es mehrere Debattiertrainings. Das Turnier ist an einem Nachmittag, fand zuletzt im Großen Ratssaal der Stadt Halle statt – in prunkvoller, imposanter Kulisse. Im Vorfeld des Turniers wird intensiv trainiert. Zwei bis drei Monate lang treffen sich die Teilnehmenden in der Woche in der Dienststelle der Malteser. Es werden Pro-Teams und Kontra-Teams gebildet, die zu unterschiedlichen Themen diskutieren. Dabei wird das freie Sprechen geübt, aber auch die Argumentationsfindung.

Was sind Themen beim Debattiertraining?

Die Themen sind vielseitig und haben häufig einen aktuellen, gesellschaftsrelevanten Bezug. Dazu gehören Themenkomplexe wie soziale Gerechtigkeit, Klimawandel, Geschlechtergleichstellung, Bildung und Menschenrechte.

Fragen in der Vergangenheit waren zum Beispiel:

  • Sollten Handys an Schulen verboten werden?
  • Wäre es gerecht, wenn Raucherinnen und Raucher mehr Krankenkassenbeiträge zahlen?
  • Sollte der Social-Media-Konsum von Kindern und Jugendlichen eingeschränkt werden?


Die Themen werden den Teilnehmenden zugeteilt, wer die Pro- und wer die Kontra -Position einnimmt, entscheidet das Losverfahren.

Welche Fähigkeiten werden im Debattiertraining vermittelt?

Neben vielen praktischen Tipps und Übungen geht es auch darum, was eine sachliche Auseinandersetzung ausmacht. Das fängt bei Information zu einem Thema und der seriösen Quellenauswahl an, geht weiter über die Gesprächsführung (etwa die anderen ausreden zu lassen, ihnen zuzuhören), bis hin zur stichhaltigen Argumentation.

Behandelt werden zum Beispiel folgende Fragen:

  • Woher habe ich meine Informationen?
  • Wie seriös ist meine Quelle?
  • Wie spreche ich deutlich?
  • Worauf muss ich achten?
  • Wie überzeuge ich mein Gegenüber?
  • Wie baue ich meine Argumentationskette auf?

Warum ist das Debattiertraining so wichtig?

„Sich über ein Thema zu informieren, stichhaltig zu argumentieren und dem oder der jeweils anderen zuzuhören und sich auf die Argumente der Gegenseite einzulassen, das fördert letztendlich Toleranz und Verständnis“, sagt Mandy Börner-Hannemann. Zudem stärke das Training die Fähigkeiten, vielseitig zu denken, Gespräche positiv zu beeinflussen und Selbstvertrauen für Reden vor Publikum zu gewinnen. Das ist gerade für Menschen, die nicht in ihrer Muttersprache debattieren, zu Beginn eine Herausforderung: „Ich bewundere da oft den Mut der Teilnehmenden“, sagt Mandy Börner-Hannemann. Es sei für sie immer wieder spannend, „dass die Teilnehmenden zwar emotional auf bestimmte Themen reagieren, aber dennoch ruhig und sachlich argumentieren.“ Das Debattiertraining fördere insgesamt das Sprachgefühl der Teilnehmenden, auch wenn die Aussprache vielleicht noch nicht perfekt ist und nicht jede Vokabel sitzt.

Warum die Malteser auf Debattieren als Methode setzen

„Gerade heute ist es wichtig, eine Debatte sachlich führen zu können und nicht, wie das auf Social Media leider oft üblich ist, einfach ungefiltert eine Meinung in den Raum zu stellen“, findet Mandy Börner-Hannemann. „Wir tauschen uns heute in vielen Lebensbereichen nicht mehr richtig aus, wir argumentieren nicht mehr – wir reagieren stattdessen schnell mit Emojis oder auch mal mit plumpen Phrasen und sogar Anfeindungen.“ Dabei hätten die meisten Themenkomplexe so viele Ebenen, so viele Schattierungen: „Das Leben ist eben nicht nur schwarz oder weiß.“ Genau da setzt das Debattiertraining an. Mandy Börner-Hannemann fasst zusammen: „Wir brauchen als Gesellschaft solche Projekte, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Wir Malteser respektieren einander für das, was wir tun. Und Debattieren hat sehr viel mit Respekt zu tun.“

Deine Unterstützung für die Malteser

Der Integrationsdienst der Malteser hat zahlreiche Projekte, die Menschen unterschiedlichster Herkunft dabei helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Mit Sprachförderung, Begleitung im Alltag und interkultureller Begegnungen fördert er gegenseitiges Verständnis und Teilhabe. Wenn du diese und weitere Hilfsprojekte unterstützen möchtest, kannst du das zum Beispiel mit einer Spende an die Malteser tun.


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