Voluntourismus: Im Urlaub helfen statt abhängen

Strandfotos aus dem Urlaub kann jeder posten. Für Bilder, auf denen du in fremden Ländern Häuser baust, Kinder unterrichtest oder bedrohte Tiere pflegst, bekommst du bestimmt viel mehr Likes. Denn du arbeitest freiwillig und ohne Geld dafür zu bekommen während deiner Ferien. Voluntourismus nennt sich dieser Reisetrend. Klingt eigentlich ganz sinnvoll, oder?

Darum geht's:


Was ist Voluntourismus eigentlich?

Im Urlaub kurz die Welt retten statt sie nur zu entdecken – fast zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich ist Voluntourismus nicht zwangsläufig eine gute Sache. Die Mischung aus Volunteering, also Freiwilligenarbeit, und Tourismus sollte gut überlegt und noch besser organisiert sein. Du findest viele verschiedene Anbieter, wenn du nach Voluntourismus-Angeboten googelst. Das Versprechen der Organisatoren lautet immer: Du tust etwas Gutes und lernst fremde Kulturen hautnah kennen.

Warum möchtest du im Urlaub Freiwilligendienst leisten?

Ob das wirklich so ist, solltest du vorab unbedingt prüfen. Hinterfrage zunächst deine eigene Motivation: Warum möchte ich in das Land reisen? Was erwarte ich von der Reise? Wer profitiert am Ende wirklich davon?

Natürlich kannst du durch Voluntourismus deine Sprachkenntnisse aufbessern und deine interkulturelle Kompetenz schulen. Du lernst andere Kulturen kennen und zehrst noch lange von den vielen Erlebnissen. So ein Freiwilligendienst macht sich auch gut im Lebenslauf. Aber das sollte nicht der einzige Ansporn sein. Voluntourismus soll nicht dir als Reisendem, sondern den Bedürftigen helfen.

Als Voluntourist Kindern helfen – aber richtig!

Viele Voluntouristen möchten Kindern in armen Ländern helfen. Der Einsatz in Schulen oder Kinderheimen ist allerdings problematisch. Stelle dir vor, in Deutschland würden Kinder von jemanden unterrichtet, der keinerlei Erfahrungen als Lehrer hat. Ohne eine entsprechende Ausbildung und für einen so kurzen Zeitraum ist es nicht ratsam, als Erzieher oder Lehrer Freiwilligendienst zu leisten. Hinzu kommt: Nicht immer sind Kinder in Waisenhäusern wirklich elternlos. In Asien etwa geben arme Eltern ihre Kinder oftmals in die Obhut der Waisenhäuser, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Reich werden dadurch nur die Betreiber, die Voluntouristen gegen Geld mit den Kindern spielen lassen. Wenn du wirklich mit Kindern arbeiten möchtest, suche dir ein seriöses Projekt aus und bleibe mindestens zwei Monate vor Ort. Es belastet die Kinder, wenn sie sich ständig auf neue Personen einlassen müssen.

So erkennst du seriöse Anbieter

Dieser Intention sollten auch die Anbieter von Urlaub mit Freiwilligendienst folgen. Voluntourismus ist eine gute Sache, wenn du nützliche Arbeit leistest, die allen Beteiligten zugutekommt. Deine Arbeit sollte die Situation vor Ort langfristig verbessern und die lokale Bevölkerung mit einbeziehen. Leider gibt es keine unabhängige Prüfung, kein Zertifikat für Voluntourismus. Um gute Angebote von weniger guten zu unterscheiden, musst du beim Veranstalter nachhaken.

  • Wie viel vom Reisepreis landet bei der lokalen Organisation?

In der Regel zahlst du zwischen 1.000 und 4.000 Euro für einen Urlaub mit Freiwilligendienst. Manchmal musst du den Flug selbst buchen, Unterkunft und Verpflegung sind in der Regel inklusive. Nicht immer bedeutet ein hoher Reisepreis auch mehr finanzielle Unterstützung für die Hilfsprojekte. Manche Veranstalter schlüsseln ihre Kosten auf und geben an, wie viel anteilig für Unterkunft und Verpflegung, weitere Kosten vor Ort sowie die Vermittlungsgebühr anfallen. Mehr als 30 Prozent des Reisepreises sollte die Vermittlungsgebühr nicht betragen.

  • Wie lange dauert der Freiwilligendienst im Urlaub?

Viele Anbieter werben mit Flexibilität: Du kannst mehrere Wochen am Stück helfen oder nur ein paar Tage während deines Urlaubs. Freiwilligenarbeit steht aber nicht nur für Spaß und Abenteuer, ein richtiger kultureller Austausch erfordert Zeit und Anstrengung. Es ist sinnvoll, sich als Voluntourist so viel Zeit wie möglich zu nehmen, um nachhaltig zu helfen und authentische Einblicke in die Gesellschaft zu bekommen. Die Programme von weltwärts beispielsweise, einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst, der durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen wurde, dauern fast ein Jahr.

  • Sind deine Motivation und Fähigkeiten wichtig?

Wenn du vorab ein Motivationsschreiben oder zumindest deinen Lebenslauf an den Veranstalter schicken musst, ist das ein gutes Zeichen. Bei der Freiwilligenarbeit bringst du optimalerweise deine Fähigkeiten und Leidenschaften ein. Grundlegende Kenntnisse der Landessprache sind ohnehin von Vorteil.

  • Wirst du auf deinen Einsatz vorbereitet?

Seriöse Voluntourismus-Anbieter organisieren kostenlose Vorbereitungskurse. So springst du nicht ins kalte Wasser, kannst die Situation vor Ort besser einschätzen und weißt, wie du mit den Einheimischen am besten in Kontakt kommst.

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