Teilen statt Kaufen: Sharing Economy

Du musst kein Auto besitzen, um deinen Großeinkauf vom Supermarkt nach Hause zu bringen. Du steigst einfach ins nächste Carsharing-Auto und fährst los. Wenn du Urlaub machen möchtest, suchst du nicht nach Hotels, sondern bei Airbnb nach ausgefallenen Wohnungen. Und weil du keine Lust hast auf den Bus zu warten, rufst du dir schnell ein Uber, wenn du in Berlin oder München wohnst. Bekannt als Sharing Economy sind diese Alternativen Paradebeispiele für eine Wirtschaft des Teilens. Allerdings gibt es noch bessere Modelle.

Darum geht's:


Was ist eine Sharing Economy?

Teilen wird zum neuen Statussymbol. Wieso viele Dinge besitzen, wenn man sie gar nicht immer braucht? Sich Fahrräder, Gartengeräte und Bücher bei Bedarf zu leihen, ist doch viel sinnvoller – das spart Geld und schont die Umwelt. Die Sharing Economy ist zum Trend geworden: In der Wirtschaft des Teilens geht es nicht um große Besitztümer, sondern darum, Zugang dazu zu haben, wenn man sie braucht. Ressourcen und Gegenstände werden gemeinschaftlich genutzt.

Klingt sozial, oder? Tatsächlich hat laut einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) 2017 mehr als ein Drittel (39 Prozent) der Deutschen Shared-Economy-Angebote in Anspruch genommen. Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 39 Jahren nutzen solche Angebote, die in der Regel per Internet und Apps verfügbar sind. Die meisten schätzen dabei vor allem das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu herkömmlichen Konsumgütern und Dienstleistungen. Und die Sharing Economy scheint zu wachsen: PwC prognostiziert für 2018 in Deutschland ein Marktvolumen von 24,1 Milliarden Euro – 5,3 Prozent mehr als 2017.

Kritik an der Sharing Economy

Doch wie kann das sein? Wie können beim Teilen auch noch Umsätze entstehen? Genau darauf fußt die Kritik an der Sharing Economy: Eigentlich ist das Teilen eine uneigennützige Sache. In einer WG bringst du beispielsweise deinen Staubsauger mit, dein Mitbewohner hat noch einen Kühlschrank. Ihr beide benutzt beides, ohne dafür vom anderen eine Gegenleistung oder Geld zu verlangen.

Mittlerweile ist die Sharing Economy jedoch ein eigener Geschäftszweig geworden. Zahlreiche Firmen bereichern sich durch Geschäftsmodelle, die nach außen hin den Schein vom sozialen Teilen wahren. Vor allem Plattformbetreiber, die Anbieter und Nachfragende zusammenbringen, profitieren von der Sharing Economy und erlangen Marktmacht. Die Dienstleistungen und Ressourcen werden weiterhin von Privatpersonen gestellt.

Dadurch leidet zum Teil die eigentliche Wirtschaft. Betriebe wie Uber machen mit ihren Dumpingpreisen klassischen Taxiunternehmen Konkurrenz. Unterkünfte, die du über Airbnb buchen kannst, sind längst nicht mehr nur Privatwohnungen mit Luftmatratze und Frühstück. Viele Anbieter vermieten Wohnungen auf kommerzielle Weise, verdienen an den Übernachtungen viel mehr als an einer normalen Monatsmiete – und schaden damit nicht nur dem Hotelgewerbe, sondern allen anderen Bewohnern der Stadt, die sich die überteuerten Mietpreise nicht leisten können.

Doch nicht nur wirtschaftlich kann Sharing Economy zu Problemen führen. Wie sieht es beispielsweise mit der Klimabilanz aus, wenn viele, die früher mit dem Fahrrad gefahren sind, heute für dieselben Strecken Carsharing nutzen? In New York hat die Anzahl der Taxifahrten durch Uber erwiesenermaßen zugenommen. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Wie funktioniert eine gute Sharing Economy?

Es gibt viele Möglichkeiten, sich gegen eine Verschwendung und Wegwerfmentalität einzusetzen, gleichzeitig bewusster und sozialer zu konsumieren. Im besten Fall schonst du durch Sharing Economy nicht nur deinen Geldbeutel und die Umwelt, sondern lernst auch Gleichgesinnte kennen. Ihr könnt euch in vielen Bereichen des Alltags unterstützen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen.

Sharing Economy funktioniert insbesondere im kleinen Rahmen gut: Güter, Räume und Dienstleistungen werden gemeinsam genutzt, verliehen oder kurzfristig vermietet. Eine einheitliche Definition von Sharing Economy gibt es nicht, dafür aber unzählige tolle Beispiele.

Nachbarschaftsnetzwerke: Miteinander statt nebeneinander

Kennst du deine Nachbarn? Weißt du, wer in der Wohnung über und unter dir wohnt? Digitale Nachbarschaftsnetzwerke können dir helfen, Kontakte in der realen Welt zu knüpfen. Indem du dich zum Beispiel bei nebenan.de oder nextdoor.de registrierst, lernst du Leute aus der Nachbarschaft kennen. Du kannst dich mit ihnen austauschen und Sharing Economy erleben, indem du Hilfe beim Babysitten bekommst, einen Mixer ausleihst oder deine alten DVDs verschenkst. Über das Netzwerk Nachbarschaft des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kannst du Nachbarschaftsinitiativen gründen. Gemeinsam veranstaltet ihr im Viertel Flohmärkte und Straßenfeste, legt Beete an, helft euch gegenseitig oder leistet euch einfach nur Gesellschaft.

Beispiele für Sharing Economy

Denke beispielsweise an deinen Nachbarn, der dir bei deinem letzten Umzug seine Bohrmaschine geliehen hat. Bestimmt bist du nicht der einzige, der sich über seine gut ausgestattete Heimwerkstatt freut. Übers Internet hast du Kontakt zu Studenten aufgenommen, die dir als Umzugshelfer zur Seite standen. In einem Nachbarschaftsportal hast du jemanden kennengelernt, der dir beim Bau deines Hochbetts hilft, im Gegenzug leihst du ihm deine Skiausrüstung für den Winterurlaub. Die Bewohner eines Mehrfamilienhauses teilen sich einen Garten und legen zusammen, um sich gemeinschaftlich einen Rasenmäher anzuschaffen. In öffentlichen Bücherschränken finden Leseratten neue Lektüre und können sie gegen bereits gelesene Bücher tauschen. Bei Kleiderkreisel kannst du getragene Klamotten tauschen, verschenken oder gegen kleines Geld verkaufen. Wenn du Lebensmittel übrig hast, bist du beim Foodsharing genau richtig. Als Selbstständiger kannst du dir in Coworking-Spaces für gewisse Zeit einen Arbeitsplatz mieten und mithilfe der Community deine Projekte realisieren. Wenn du statt vor dem Computer lieber in der Natur arbeitest, ist Urban Gardening perfekt: Gemeinsam mit anderen Hobbygärtnern pflegst du selbst angelegte Grünanlagen oder erntest sogar eigenes Gemüse. Nach getaner Arbeit fährst du mit dem Leihfahrrad eines Bike-Sharing-Anbieters deiner Stadt nach Hause.

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