Ständig unter Strom: Leben mit ADHS
Sicherlich hast du schon einmal von ADHS gehört. Es ist eine psychische Störung, die hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Doch was ist eigentlich ADHS? Und wie wird diese Störung erkannt? Welche Unterstützung brauchen Betroffene oder woher bekommen sie diese?
Darum geht's
Was ist ADHS?
ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Das ist eine psychische Störung, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftritt, aber auch noch im Erwachsenenalter bestehen kann. Die Symptome von ADHS werden im Wesentlichen mit diesen drei Merkmalen beschrieben:
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
- Sehr impulsives Verhalten
- Starke körperliche Unruhe
Sicherlich ist jedes Kind mal unkonzentriert, zappelt herum oder schmeißt aus Wut Dinge durch das Zimmer. Die kindliche Entwicklung verläuft in Phasen und wenn diese Phasen vorbei sind, dann können Kinder sich mit zunehmendem Alter besser konzentrieren, länger stillsitzen und leben ihre Emotionen sozialverträglicher aus. Bei Kindern mit ADHS ist das anders. Bei starken Formen der ADHS sind alle drei Symptome sehr stark ausgeprägt und das kontinuierlich. Das führt zu Problemen in allen Lebensbereichen: Schule, Familie und Freizeit. Typisch bei den betroffenen Kindern ist, dass sie sich nur schwer konzentrieren können. Oft fangen sie mit etwas an, bleiben dann aber nicht bei der Sache. Besonders häufig kommt das bei Aufgaben vor, die von anderen gestellt wurden wie die Schulaufgaben. Durch die körperliche Unruhe sind die Kinder hyperaktiv. Sie können nicht lange stillsitzen und zappeln viel herum. Das fällt vor allem bei Kindern in der Grundschule auf, darum werden die meisten Fälle von ADHS im Alter von fünf bis sieben Jahren erkannt. Die Impulsivität der Betroffenen zeigt sich in voreiligen und unüberlegten Handlungen. Die Kinder fallen anderen oft ins Wort und platzen mit Antworten heraus, ohne die Frage abgewartet zu haben. Tatsächlich gibt es viele verschiedene Ausprägungen von ADHS. Darum ist es gar nicht so leicht, diese psychische Störung bei jemandem zu erkennen.
Bei ADHS wird viel über die negativen Ausprägungen gesprochen. Allerdings sollten wir auch die positiven Seiten im Blick haben. Oft können Menschen mit ADHS eine bestimmte Sache besonders gut oder sie sind ausgesprochen kreativ. Forschende vermuten, dass Berühmtheiten wie der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart, der Physiker Albert Einstein und der Politiker Winston Churchill ADHS hatten.
Wie wird ADHS erkannt?
Die Grenzen zwischen einem sehr aufgeweckten Kind und einem Kind mit ADHS sind fließend. Hat ein Kind nur eine unruhige und unaufmerksame Phase oder ist es ständig unkonzentriert? Tatsächlich können nur Fachleute ganz genau feststellen, ob ein Kind ADHS hat oder nicht. Es kursieren etliche Selbsttests im Internet, aber diese sind absolut nicht verlässlich. Die Diagnose ist nämlich recht aufwendig. Es werden Gespräche mit Kindern und Eltern geführt und unter anderem psychologische Tests, Verhaltenstest und körperliche und neurologische Untersuchungen durchgeführt. Ein wichtiger Hinweis für die Fachleute ist, dass die Auffälligkeiten über mindestens sechs Monate da sind und verschiedene Lebensbereiche beinträchtigen.
Außerdem gibt es viele unterschiedliche Ausprägungen von ADHS. Expertinnen und Experten unterscheiden heutzutage zwischen drei Formen:
- Gemischte Erscheinungsform: Die Betroffenen zeigen Auffälligkeiten in allen drei Bereichen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.
- Vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsform: Die Konzentrationsprobleme sind hier die größte Herausforderung. Körperliche Unruhe und Impulsivität treten seltener auf, manchmal bewegen sich die Kinder sogar weniger, als Kinder das üblicherweise tun. Diese Form wird oft als Aufmerksamkeitsdefizitstörung, kurz ADS bezeichnet.
- Vorwiegend hyperaktiv-impulsive Erscheinungsform: Die Kinder können sich gut oder sogar sehr gut konzentrieren, allerdings haben sie Probleme mit der Impulskontrolle und sind körperlich sehr unruhig.
Daten, Zahlen, Fakten zu ADHS
ADHS ist eine der am häufigsten diagnostizierten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass in Deutschland etwa fünf Prozent der Kinder davon betroffen sind, Jungen häufiger als Mädchen. Wie es zu der Störung kommt, wissen Forschende noch nicht genau. Bisher gehen sie davon aus, dass spezielle Veränderungen im Gehirn dafür verantwortlich sind. Dafür wiederum soll eine ganze Reihe von Umständen darüber entscheiden, ob ein Kind ADHS hat oder nicht. Unter anderem spielen Vererbung, Umweltbedingungen und das familiäre Umfeld eine Rolle.
Auswirkungen auf Betroffene und ihr Umfeld
Häufig verändern sich die Symptome im Laufe der Zeit und damit auch die Auswirkungen auf das Umfeld. Bei Grundschulkindern mit ADHS ist die Hyperaktivität meistens besonders stark sichtbar, im Jugendalter legt sich das wieder. Bei günstigen Verläufen der ADHS werden die Symptome so viel weniger, dass die Betroffenen nicht mehr auffallen. Sie gelten dann lediglich als sehr lebendig. Bei ungünstigen Verläufen verstärken sich leider auch die Probleme mit zunehmendem Alter. Wer als Kind schon aggressives Verhalten zeigte, neigt in der Jugend häufiger zu dissozialem Verhalten wie Stehlen, Lügen oder Schulschwänzen. Studien zeigen, dass diese Jugendlichen vermehrt auch im Erwachsenenleben Probleme haben, vor allem wenn ihre schulischen Leistungen aufgrund von Konzentrationsproblemen schlecht sind. Die Betroffenen verlieren dann die Lust am Lernen und ihr Selbstvertrauen. Daraus wiederum können sich Ängste und Unsicherheit entwickeln. Häufig haben Kinder und Jugendliche mit ADHS Probleme mit Mitschülerinnen und Mitschülern, weil sie im Spiel stören oder sich aggressiv verhalten. Auch das Verhältnis zu den Lehrkräften ist angespannt, da leider zu weniger Lehrerinnen und Lehrer für den Umgang mit ADHS geschult sind. Und natürlich gibt es Probleme mit den Eltern und Geschwistern. Die Eltern haben oft das Gefühl, bei der Erziehung versagt zu haben, weil ihr Kind einfach keine Regel befolgt, ständig Ärger macht und keine Freunde hat. Darum ist es so wichtig, ADHS zu erkennen und die Betroffenen zu fördern. Schließlich sollen doch alle die gleichen Möglichkeiten bekommen.
Hilfe und Anlaufstellen für Betroffene
Leider ist ADHS noch nicht ausreichend erforscht, darum gibt es bisher keine wissenschaftlich gesicherte Therapie. Grundsätzlich gibt es aber verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie eine Verhaltenstherapie oder die Vergabe bestimmter Medikamente. Oft werden verschiedene Möglichkeiten kombiniert und vielen hilft es schon, wenn sie Informationen zu ADHS bekommen und so verstehen können, was mit ihnen passiert. Dazu gibt es noch viele andere Möglichkeiten wie Nachhilfe- und Förderunterricht, um die schulischen Leistungen zu verbessern sowie Selbsthilfegruppen, spezielle Kuren für Kinder und deren Eltern oder auch Angebote wie den Malteser Schulbegleitdienst.
Im Folgenden findest du Anlaufstellen für ADHS-Betroffene und deren Eltern:
- Beim Infoportal ADHS gibt es sehr ausführliche Informationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS sowie deren Eltern und Angehörige unter www.adhs.info
- ADHS Deutschland e. V. ist das Portal für den Kontakt zu Selbsthilfegruppen unter www.adhs-deutschland.de
- Der Verein Juvemus e. V. informiert und vernetzt Menschen mit Leistungs- und Teilleistungsschwächen unter www.juvemus.de
- Die Malteser Schulbegleitung ist ein Angebot für Kinder und junge Menschen, die besondere Unterstützung im schulischen Alltag benötigen unter www.malteser.de/schulbegleitung
- Die Katja Pütter-Ammer Stiftung engagiert sich für eine starke psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Hier gibt es Informationen unter anderem zu ADHS unter https://kpa-stiftung.de