Hunger in Kenia: Die anderen Opfer des Ukraine-Krieges

Der Krieg in der Ukraine hat auch in Ländern, die nicht direkt etwas mit dem Kriegsgeschehen zu tun haben, schlimme Folgen. Gerade in Kenia spitzt sich die Lage derzeit dramatisch zu.

Darum geht's:


Lieferungen aus der Kornkammer Europas bleiben aus

Knappheit bei Pasta und Sonnenblumenöl, höhere Energie- und Spritpreise: Auch in Deutschland beginnen wir die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine zu spüren. Das betrifft zum Beispiel auch Fahrdienste, auf die Menschen mit Beeinträchtigungen angewiesen sind. Die Malteser etwa sind derzeit gezwungen, auf Rücklagen zurückzugreifen, um die höheren Dieselpreise aufzufangen.

Doch das sind kleine Sorgen im Vergleich zu dem, was gerade in entfernteren Regionen der Welt passiert. Was nicht jeder weiß: Die Ukraine ist ein wichtiger Getreideexporteur. „Kornkammer Europas“ wird das Land auch genannt. Länder wie Benin, Somalia oder Sudan sind auf die Getreidelieferungen angewiesen. Manche Länder haben bis vor Kurzem gar ihren gesamten Weizen aus der Ukraine bezogen.

Seit dem russischen Angriffskrieg werden die Getreidelieferungen nun immer teurer oder entfallen ganz. Der globale Weizenpreis ist in nur wenigen Wochen um ein Drittel gestiegen – in Kenia auf einigen Märkten sogar um bis zu 50 Prozent. Für viele Länder Afrikas unbezahlbar. Auch bei den NGOs werden langsam Geld und Ressourcen knapp, Hilfslieferungen bleiben zunehmend aus. Die Lebens- und Überlebensbedingungen der Menschen haben sich dramatisch verschlechtert, vielerorts droht Hunger.

Der Ukraine-Krieg erreicht Afrika

Ein Land, das die fehlenden Getreidelieferungen besonders zu spüren bekommt, ist Kenia. Das Problem: In dem ostafrikanischen Staat ist das Getreide durch eine unbarmherzige Dürreperiode ohnehin schon knapp. Die Auswirkungen des Klimawandels sind hier deutlich zu spüren, drei Regenzeiten nacheinander sind im Norden des Landes bereits ausgeblieben. Die Regierung rief den nationalen Notstand aus, Nutztiere verhungern, die Weiden vertrocknen, die Brunnen trocknen aus. Die Böden sind zu trocken, um Getreide oder Gemüse anzubauen. Gerade für die vielen kleinbäuerlichen Familien des Landes, die sich selbst versorgen, heißt das, dass sie keine Ernte und damit nicht genug zu essen haben.

Die Lage in Kenia spitzt sich zu

Laut Vereinten Nationen erlebt Kenia die schlimmste Dürre seit 1981. Drei Millionen Menschen im Land leiden bereits extremem Hunger, schon mehr als die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren gilt als unterernährt. Insgesamt droht 20 Millionen Menschen in Ostafrika eine Hungersnot.

Das Vieh stirbt, die Menschen hungern

Ein weiteres Problem: Vor allem in den nördlichen Landesteilen leben viele Menschen als Halbnomaden von der Viehhaltung. Durch die Dürre ist ein Großteil des Viehs verstorben oder völlig ausgemergelt und gibt keine Milch mehr. Kleinkinder können nicht mehr mit der Milch der Kühe und Ziegen ernährt werden. Auch verkauft werden können die Tiere in diesem Zustand nicht. Eine wichtige Einnahmequelle für die Menschen fällt damit weg. Und nun wird durch den Krieg in der Ukraine auch noch das Getreide knapp und die Preise für Speiseöl sind extrem gestiegen.

Menschen, die keine Schuld am Klimawandel tragen und erst recht nichts mit dem Krieg in Europa zu tun haben, zahlen einen sehr hohen Preis.

2022 starben bereits über 1,4 Millionen Tiere in Kenia

Der Klimawandel gefährdet die traditionelle Lebensweise der Halbnomaden im Norden Kenias: Allein im Januar und Februar 2022 sind 1,4 Millionen Nutztiere wegen der anhaltenden Dürre verendet.

Wie Naasak aus Ileret, einem Dorf in Nordkenia. Er wurde 1958 geboren, so eine Dürre wie jetzt hat er in seinem Leben noch nicht erlebt, erzählt er. Auch Dabasa Galgalo ist erschüttert. Der 70-Jährige hat bereits einen Großteil seiner Viehherde verloren. Von 867 Tieren sind ihm nur 16 Ziegen und Schafe geblieben. Dabei galt Hurry Hills einst als eines der fruchtbarsten und grünsten Gebiete Kenias. Wie er das Leben seiner vier Kinder, seiner Mutter und der fünf Kinder seines verstorbenen Bruders, um die er sich kümmert, zukünftig finanzieren soll: Dabasa weiß es nicht. „Die Menschen hier verhungern, wenn wir nicht sehr schnell mehr Hilfe leisten“, warnt auch Roland Hansen, Leiter der Afrikaabteilung von Malteser International.

So helfen die Malteser in Kenia

Den verzweifelten Menschen in Kenia bleibt nichts, als zu beten. Sie sind machtlos und auf fremde Hilfe angewiesen. Die Malteser unterstützen die Menschen in Kenia gemeinsam mit der Partnerorganisation PACIDA:

  • Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Wasser ist Leben. Die Helferinnen und Helfer fahren deshalb mit Tankfahrzeugen in die von der Dürre besonders stark betroffenen kenianischen Gemeinden, setzen bereits vorhandene Brunnen instand und entsalzen das gewonnene Brunnenwasser.
  • Verteilung von Geld/Grundnahrungsmitteln. Gegen den Hunger wurde zunächst „Mobile Money“ zum Kauf von Lebensmitteln verteilt. Das funktioniert mithilfe des sogenannten M-Pesa-Systems über Mobiltelefone. Da aber die Märkte derzeit (Stand: Mai 2022) leer sind, ist der Projektteil zum „Mobile Money“ temporär gestoppt und Grundnahrungsmittel wie Reis, Bohnen und Öl werden stattdessen direkt verteilt.
  • Unterstützung bei der Viehhaltung. Die Nutztiere sind das wichtigste Kapital der Menschen. Die Malteser verteilen Futterpellets, um möglichst viele Tiere zu retten und unterstützen bei der Umstellung der Viehhaltung umzustellen hin zu widerstandsfähigeren Tieren, die weniger Wasser zum Leben brauchen.

So kannst du helfen

Deine Spende gibt den Menschen eine Chance zu überleben. Unterstütze die Arbeit der Malteser in den von Hunger betroffenen Gebieten Afrikas und hilf damit den Menschen vor Ort.


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