Ausbildung für Geflüchtete

Deutsch lernen, eine Ausbildung machen und in Deutschland Fuß fassen. Das ist das große Ziel für aktuell 17 Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Kongo, Eritrea und Süd-Sudan. Im AusbildungsFörderZentrum Bad Aibling bekommen sie die Chance dazu.

Darum geht's:


Nachhilfe für ein Leben in Deutschland

Wenn man im Umland von Bad Aibling wohnt, sollte man Fahrrad fahren können. Der öffentliche Nahverkehr ist hier nicht so gut ausgebaut. Darum gehört Fahrradfahren sozusagen zur Grundausbildung im AusbildungsFörderZentrum (kurz: AFZ) der Malteser dazu. Denn nur mit dem Fahrrad kommen die Azubis zum Bahnhof und von dort zu ihren Praktikumsstellen oder zur Berufsschule. Das AFZ liegt im Umland von Bad Aibling auf einem ehemaligen Kasernenhof, der inzwischen zu einem Wohnblock umgebaut wurde.

17 junge Geflüchtete leben hier zwischen Bad Aiblinger Familien in Wohngemeinschaften. Susanna Ehrensberger ist eine von zwei festen Mitarbeiterinnen im AFZ. Sie und eine Sozialpädagogin haben ihr Büro mitten in einer der WGs. „Es ist etwas Besonderes, dass unsere Teilnehmenden auch bei uns wohnen“, erklärt Susanna. „Unser Büro ist in einer der WGs untergebracht, so können wir die Teilnehmenden besser unterstützen.“

Es muss nicht immer harte Theorie sein. Das Leben in der WG bringt auch Spaß und Gemeinschaft.

Unterstützung für die Ausbildung gibt es auf zwei Wegen. In der sogenannten Aktivierungsphase werden die Teilnehmenden auf den Mittelschulabschluss vorbereitet. Sie bekommen Unterricht in Deutsch, Mathe, Arbeit-Technik-Wirtschaft und Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde.  Sie lernen, wie das alltägliche Leben in Deutschland funktioniert und sie bereiten sich mit einem Praktikum auf ihre Berufsausbildung vor. „Idealerweise finden sie ein Praktikum in dem Betrieb, in dem sie später ihre Ausbildung machen“, erklärt Susanna. Nach einem Jahr startet die assistierte Ausbildung. Die Geflüchteten wohnen jetzt etwas selbstständiger in kleineren WGs im Nebengebäude und erlernen ihren Beruf. Der sollte ihnen natürlich Spaß machen, aber auch zu ihnen passen. Das ist manchmal eine Herausforderung, erzählt Susanna: „Wir wollen, dass die jungen Menschen viel ausprobieren und herausfinden, was sie gut können. Schwierig wird es, wenn sie nicht erkennen, dass ihr Wunschberuf sie überfordern würde. Wenn man im KFZ-Bereich arbeiten möchte, dann muss man ein technisches Verständnis haben. Wenn man schlecht in Mathe und Physik ist, wird das nichts“. Falls nötig, gibt es aber auch Nachhilfe von Ehrenamtlichen, die ein- bis zweimal in der Woche kommen.

Nachhilfe gibt es für alle, die welche brauchen.

Erkennen, was man kann

Aber auch Susanna und ihre Kollegin sind für ihre Teilnehmenden da. „Wir haben ein Mädchen aus Syrien, das vorher noch nie allein Zug gefahren ist. Sie war total schüchtern, als sie hier ankam und konnte niemandem in die Augen schauen. Ich bin am Anfang dreimal mit ihr den Weg zum Praktikum mitgefahren. Inzwischen ist sie total aufgeblüht und macht ihre Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin. Sie hat ihren Schulabschluss gemacht und gemerkt, dass sie etwas kann und dass sie gut ist. Sie hat einen richtigen Schub gemacht.“ Inzwischen kann sie auch Fahrradfahren. Das konnte sie auch noch nicht, als sie nach Deutschland kam. Sie hatte Angst vor dem Verkehr, aber sie hat sich ihrer Angst gestellt und nun fährt sie selbst mit dem Fahrrad zum Bahnhof.
Ein anderer Teilnehmer macht sein Handicap zum Beruf. Er hat eine Beinprothese und wollte unbedingt Orthopädietechniker werden, erzählt Susanna seine Geschichte: „Er hat ein Praktikum gemacht. Das hat ihm sehr gut gefallen, aber leider bildet der Betrieb nicht aus. Es war schwer für uns, einen anderen Betrieb für ihn zu finden. Er hat es kurz im Hotel versucht, aber das war nicht seins. Dann hat der Betrieb ihm eine Ausbildung angeboten, der ihm seine Beinprothese gemacht hat. Dort lernt er jetzt den Beruf des Orthopädietechnikers“.
Das sind genau die Geschichten, die Susanna die Motivation für ihren Job geben.


Zu sehen, was aus jemandem wird und was man werden kann, wenn man die Chance dazu bekommt, das ist schön.

Susanna, Mitarbeiterin im AFZ


KFZ-Mechatronik, Orthopädietechnik, Medizinisch-technische Assistenz – jeder soll die Ausbildung machen, die zu ihm oder ihr passt

Daten, Zahlen, Fakten

Das AFZ der Malteser Werke gibt es seit 2017. Zwei Festangestellte arbeiten dort. Aktuell sind insgesamt 17 Menschen in der Ausbildung, davon mehr Männer als Frauen. Die älteste Teilnehmerin ist 32 Jahre alt. Drei Voraussetzungen müssen die Teilnehmenden erfüllen, um bei dem Programm mitmachen zu können. Sie müssen

  1. volljährig sein,
  2. beim Job-Center registriert sein,
  3. Deutschkenntnisse mindestens B1-Niveau haben.

Die sogenannte Aktivierungsmaßnahme dauert ein Jahr. Während dieser Zeit gehen die Teilnehmenden eine Woche zur Schule und eine Woche zum Praktikum. Während des Praktikums können sie herausfinden, welchen Beruf sie lernen möchten. Dabei helfen auch noch sogenannte Kompetenzanalysen, die Susanna und ihre Kollegin am AFZ mit den Geflüchteten durchführen. Dabei erfahren die Teilnehmenden, was sie gut können und für welchen Beruf sie sich eignen. Neben sehr viel Deutschunterricht gibt es auch Unterricht mit lebenspraktischen Inhalten wie zu Mietverträgen, Strom sparen und interkulturelle Kompetenzen. Nach der Aktivierungsphase geht es idealerweise in die assistierte Ausbildung. Die jungen Menschen haben einen Ausbildungsplatz und lernen ihren gewünschten Beruf. Während der gesamten Zeit leben sie in WGs.  


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