Hitze-Tipps für Ältere: So bleiben Sie auch bei Extrem-Temperaturen gesund

Stimmt es, dass ältere Menschen bei Hitze besonders gefährdet sind? Wie viel Wasser sollte man an einem heißen Tag trinken? Und wie lassen sich Anzeichen eines Hitzschlages erkennen? Die Antworten auf diese und weitere Fragen zum Thema hat  Dr. Rainer Löb, Bundesarzt der Malteser, für Sie.

Hitze wird zunehmend zu einem Problem 

Temperaturen um die 40 Grad treten in Deutschland während der Sommermonate immer häufiger auf. Die extreme Hitze setzt unserem Körper zu und kann mitunter sogar lebensbedrohlich sein. Was Sie in einem akuten Notfall unternehmen können, wenn beispielsweise Kreislaufprobleme, Sonnenstich oder Hitzschlag auftreten, können Sie auch hier nachlesen.  

Im folgenden Interview erklärt Ihnen Dr. Löb, warum Ältere besonders gefährdet sind, was Sie präventiv unternehmen können und wie Sie Anzeichen eines Hitzschlags erkennen. 

Wie trinke ich richtig? Was muss ich beachten, wenn ich Medikamente einnehme? 

Ganz wichtig, gerade bei Hitze ist: Trinken Sie ausreichende Mengen! Die Hitze führt dazu, dass wir durch das Schwitzen deutlich mehr Flüssigkeit (Elektrolyte – Salze und Wasser) verlieren als unter normalen Wetterbedingungen. Das können auch schon einmal 1 bis2 Liter am Tag sein. Durst ist in den meisten Fällen ein klares Zeichen dafür, dass wir Flüssigkeit benötigen, bei großer Hitze sollten wir mit dem Trinken nicht lange warten. Wenn keine gesundheitlichen Gründe dagegensprechen, sollten es dann 2 bis 3 Liter am Tag sein. Wenn, zum Beispiel bei Nierenerkrankungen, eine Beschränkung der Trinkmenge besteht, sollten Sie die ideale Trinkmenge mit Ihrer behandelnden Ärztin beziehungsweise mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Bestimmte Medikamente können die Anfälligkeit für hitzebedingte Probleme erhöhen, im Zweifel sprechen Sie auch darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. 

Welche Getränke sollte ich bei Hitze trinken? 

Am besten keinen Alkohol. Besonders Schorlen, Radler oder ähnliche alkoholische Getränke lassen uns gefühlt richtig erfrischt fühlen, allerdings erweitert Alkohol die Blutgefäße noch zusätzlich zur Hitze. Dadurch kann es zu Schwindelgefühlen bis hin zur Bewusstlosigkeit oder einem schnellen Herzschlag kommen. Nebenbei führt Alkohol noch zu einer Reduktion der Flüssigkeit im Körper. Damit machen Sie also so ziemlich alles falsch. Wenn Sie Alkohol trinken, dann in kleinen Mengen. Ideal als Getränk bei Hitze ist das einfache Mineralwasser, das auch als Leitungswasser in Deutschland eine gute Qualität hat und auch, wie der Name schon sagt, normalerweise genügend Salze und Elektrolyte enthält. Dabei können Sie das Wasser zum Beispiel mit Ingwer oder Kräutern geschmackvoller machen. Säfte als Schorle und ungesüßte Tees, am besten als Früchte- oder Kräutertee, sind ebenfalls gut geeignete Durstlöscher. Die Getränke sollten nur leicht gekühlt oder lauwarm sein, dann sind sie am besten verträglich. 

Was sind erste Anzeichen für einen Hitzschlag?   

Ein Hitzschlag als extreme Auswirkung kann dann entstehen, wenn der Körper keine Möglichkeit mehr hat, die Hitze ausreichend zu bewältigen und abzuleiten. Besonders, wenn die Nächte auch heiß sind und die Erholung nicht in ausreichendem Maße stattfinden kann oder der Mensch direkter Sonnenstrahlung (vielleicht auch noch verbunden mit körperlicher Anstrengung) ausgesetzt ist, kann es dazu kommen. Beides sollte vermieden werden. Kopf und Nacken sollten vor der Sonne geschützt werden. Ein Hitzschlag kann lebensbedrohlich sein. Anzeichen dafür sind: Erhöhung der Körpertemperatur, heiße und trockene Haut, beschleunigter Pulsschlag, Müdigkeit und Erschöpfung, Krämpfe und Erbrechen, aber auch Schwindelgefühl, Verwirrtheit, Halluzinationen. Bei Bewusstlosigkeit muss der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden. Ist der oder die Betroffene bei Bewusstsein, ist es wichtig, ihn oder sie unmittelbar in den Schatten zu bringen und ihm beziehungsweise ihr Wasser oder zum Beispiel auch Früchtetee zu trinken zu geben – niemals eiskalt! Der Körper kann außerdem mit feuchten Tüchern gekühlt werden. 

Warum sind Seniorinnen und Senioren bei Hitze besonders gefährdet? 

Erstens kann der Körper Hitze insgesamt nicht mehr so gut ausgleichen– der Mechanismus der „Selbstkühlung“, der durch Schwitzen funktioniert, kann deutlich vermindert sein. Zweitens nimmt das Durstgefühl mit dem Alter ab. Damit ist schon einmal der natürliche Reiz, etwas zu trinken, vermindert und das Risiko, deutlich zu wenig Flüssigkeit ausgenommen zu haben, steigt. Außerdem sind in vielen Fällen Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Nierenerkrankungen oder weitere Beschwerden vorhanden, die die Gefahr erhöhen können. Das Risiko von Verwirrtheit, Stürzen, Kreislaufproblemen, Austrocknung und sonstigen Problemen bis hin zum Kreislaufstillstand ist größer. Damit Sie sich bei den inzwischen immer häufiger auftretenden Hitzewellen sicher fühlen, ist der Malteser Hausnotruf übrigens eine gute Option. Mit dem Hausnotruf lässt sich auch bei hitzebedingten Notfällen schnell und einfach Hilfe auf Knopfdruck anfordern.

Was kann ich tun, um mich vor der Hitze zu schützen? 

Die wichtigsten Punkte sind: Setzen Sie sich nicht direkt der Sonne aus, bedecken Sie Kopf und Nacken, meiden Sie körperliche Anstrengungen. Ganz wichtig: trinken Sie ausreichende Mengen! Halten Sie Ihre Räume kühl und lüften Sie nur früh am Morgen und nachts, wenn es kühler ist. Tagsüber lassen Sie die Jalousien herunter und die Türen geschlossen. Essen Sie herzhaft, am besten Salziges – und nicht zu schwer. Setzen Sie sich zudem auch nicht direkt in die Zugluft.


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