Rassismus in Deutschland – eine Bestandsaufnahme

Die Diskussion um Rassismus in Deutschland ist wieder aufgeflammt: Die Vorwürfe von Ex-Nationalkicker Mesut Özil und die Ausschreitungen in Chemnitz, wo im September ein rechter Mob die Stadt in Atem hielt, sind nur zwei Ereignisse, die für Schlagzeilen sorgten.

Wie verbreitet ist Rassismus in Deutschland? Was ist Rassismus überhaupt? Und wie kannst du ihn bekämpfen? Hier erfährst du es!


Darum geht's:


Was ist Rassismus?

Von Rassismus sprechen wir, wenn Menschen als Gruppe wegen gewisser Merkmale wie Herkunft, Hautfarbe oder Religion als minderwertig bewertet und ausgegrenzt werden. Dabei sind zwei Formen des Rassismus zu unterscheiden:

  • Das klassische Konzept des Rassismus teilt die Menschheit in verschiedene biologische Rassen und stuft diese in eine Hierarchie ein. Eines der furchtbarsten Beispiele dieser Art von Rassismus sind die Nationalsozialisten mit ihrer „Rassenlehre“.

  • Der kulturelle Rassismus neueren Datums spricht statt von genetischen von kulturellen Differenzen bestimmter Gruppen, die nicht veränderbar seien, etwa bei „den Bayern“ und den „Berlinern”. Dazu stellte der deutsche Philosoph Theodor W. Adorno fest: „Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch.“

Muslima spricht mit Freunden.
Kultureller Rassismus: Wenn man verallgemeinert über “die Muslime” spricht.

Man könnte vielleicht behaupten, dass schon in der Antike eine Art von Rassismus herrschte, wenn zum Beispiel die Griechen und Römer andere Völker als „Barbaren“ bezeichneten. Allerdings gibt es weder in der griechischen noch der lateinischen Sprache ein Wort für „Rasse“. Die Ursprünge des heute herrschenden Konzepts von Rassismus,  liegen in der Kolonialisierung Afrikas und Südamerikas, also im Beginn der Neuzeit. Die Versklavung von Millionen Menschen auf den beiden Kontinenten mitsamt rücksichtsloser Ausbeutung der Rohstoffe ließ bei den weißen Europäern ein Gefühl der absoluten Überlegenheit ihrer „Rasse“ aufkommen. Der Begriff Rassismus selbst tauchte zuerst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf.  

Wie verbreitet ist Rassismus in Deutschland?

Fast alle Studien und Umfragen zum Thema Rassismus in Deutschland zeigen aktuell, dass rassistische Einstellungen hierzulande keine Seltenheit sind:

2016 führte die Friedrich-Ebert-Stiftung die Studie „Gespaltene Mitte – Feindselige Zustände“ durch. Demnach finden knapp 35 Prozent der Befragten, „in Deutschland leben zu viele Ausländer.“ Jeder zweite lehnt Geflüchtete ab: Rund 53 Prozent wollen eine “Obergrenze für Flüchtlinge“.

Gruppe von Jugendlichen steht umarmend im Kreis
Gib Rassismus keine Chance!

Eine zunehmende Diskriminierung stellt auch die Anfang 2018 veröffentlichte repräsentative Untersuchung „Wo kommen Sie eigentlich ursprünglich her? Diskriminierungserfahrungen und phänotypische Differenz in Deutschland“ fest, herausgegeben vom SVR. 59 Prozent der Befragten mit sichtbarem Migrationshintergrund und einem Akzent berichten von alltäglichen Diskriminierungen. Und 55 Prozent der Zugewanderten muslimischen Glaubens berichten von Diskriminierungen – im Gegensatz zu nur 29 Prozent mit einer christlichen Religionszugehörigkeit.

Zitate zu Rassismus

Wir müssen lernen, entweder als Brüder miteinander zu leben oder als Narren unterzugehen. (Martin Luther King)

Mir ist egal ob du schwarz, weiß, hetero, bisexuell, schwul, lesbisch, klein, groß, fett, dünn, reich oder arm bist. Wenn du nett zu mir bist, werde ich auch nett zu dir sein. Ganz einfach.(Eminem)

Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. (Nelson Mandela)

Was kannst du gegen Rassismus tun?

Alltagsrassismus ist, wie der Begriff suggeriert, leider eine alltägliche Angelegenheit. Viele – selbst Menschen, die sich selbst als überhaupt nicht rassistisch sehen – benutzen unbedacht Formulierungen, die in ihrem Kern herabwürdigend sind. Was kannst du dagegen tun? Hier einige Vorschläge:

  • Informiere dich: Rassismus entsteht durch Vorurteile und Unwissenheit. Mit Fakten kannst du derlei Fehlinformationen kontern.
  • Mische dich ein: Von den Medien häufig genutzte Begriffe wie „Flüchtlingsströme“ sorgen für Unbehagen oder sogar Angst. Argumentiere in sozialen Netzwerken und sprich Menschen auf ihr rassistisches Verhalten an.
  • Gehe auf Demos gegen Rassismus: Ob in einer Kleinstadt oder Metropole, überall in Deutschland stehen Menschen auf und setzen ein Zeichen gegen Rassismus. Schließe dich ihnen an!

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