Integrationslosen Pflege: Malteser Projekt zur Integration ausländischer Pflegekräfte

Die Integrationslotsen für Pflegeberufe wurden von den Maltesern 2019 in Erlangen ins Leben gerufen. 16 Ehrenamtliche begleiten dabei ein bis zwei Stunden pro Woche insgesamt 38 Menschen aus dem Ausland, die in Deutschland in der Pflege arbeiten möchten. Wir geben einen Einblick in die Arbeit der Integrationslotsen Pflege.

Darum geht's:


Wie die Integration von Pflegekräften aus dem Ausland gelingt

Hajar strahlt über das ganze Gesicht: Im Januar 2024 wird die 31-jährige Marokkanerin ihre Abschlussprüfung als Pflegefachfrau am Waldkrankenhaus (WKH) in Erlangen machen. „Und dass ich so weit gekommen bin, habe ich der Unterstützung der Malteser zu verdanken“, sagt Hajar mit Nachdruck. Die ehrgeizige junge Frau nimmt seit zwei Jahren am Malteser Projekt „Integrationslotsen Pflege“ teil, das ausländische Pflegeschülerinnen und -schüler fachlich, aber auch persönlich begleitet. Dass Hajar die Prüfung bestehen wird, daran hat Projektleiter Ahmed Habib keinen Zweifel: „Hajar erfüllt die wichtigste Voraussetzung: Sie ist hochmotiviert. Denn sich allein auf unsere Hilfe zu verlassen, das wäre zu wenig!“

Hajars persönliche Begleiterin heißt Annika. Sie ist eine von 16 Ehrenamtlichen, die im Projekt mitarbeiten. Annika ist selbst erst 23 und studiert an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen Medizin. „Annikas fachlicher Background war mir eine große Hilfe, dass ich komplexe Texte aus dem Pflegebereich verstanden und letztlich auch alle Prüfungen bisher geschafft habe“, betont Hajar in nahezu perfektem Deutsch. Beide haben immer die komplette Vorbereitung auf die Prüfung zusammen gemacht. Mit dem Pflege-Abschluss in der Tasche fände die Marokkanerin so gut wie sicher gleich einen Job am Waldkrankenhaus in Erlangen oder in der Region, sagt Ahmed Habib aus Erfahrung. „Unsere Absolventinnen und Absolventen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt – und bleiben meist auch hier.“

Yangzin aus Nepal hat ihre Ausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen und arbeitet jetzt als Krankenschwester auf der Station A2 für Urologie und Chirurgie im Waldkrankenhaus. Begleitet wurde die 26-Jährige von Katharina (29), die derzeit ihre Masterarbeit im Gesundheitsmanagement schreibt. „Obwohl ich viel unterwegs sein musste, habe ich sehr aktiv durch Video-Anrufe über Teams oder Zoom und per WhatsApp Kontakt zu Yangzin gehalten. Es hat immer Spaß gemacht und wir sind gut vorangekommen“, berichtet Katherina.

Doch nicht jede und jeder, die oder der am Projekt teilnimmt, hat die gleiche starke Motivation wie Hajar oder Yangzin. „Ich habe ebenfalls eine Nepalesin begleitet, der ich mehrfach sagen musste, dass ich auch Engagement von ihr erwarte und sie sich mehr anstrengen müsse. Doch sie hat das einfach nicht gepackt – und ist schließlich krachend durch die Prüfung gefallen“, berichtet Barbara (69), eine ehemalige Zahnärztin, die noch nicht lange ehrenamtlich für die Integrationslotsen arbeitet. Fairerweise müsse man aber auch sagen, merkt Barbara an, dass die Lehrbücher „sehr anspruchsvoll und teils auch verkopft“ seien.

Auch die emotionale Begleitung spielt eine große Rolle

Weniger die Motivation, sondern die Emotion spielt bei der Schülerin von Lotsin Katherina (37) eine Rolle. Katherina, die hauptberuflich im Menüservice der Malteser arbeitet, unterstützt eine junge Inderin, die schon traumatisiert aus ihrer Heimat nach Deutschland gekommen ist, sich einsam fühlt und an großem Heimweh leidet. „Obwohl sie gute Noten hat und intelligent ist, höre ich ständig: Ich breche jetzt die Ausbildung ab“, erzählt Katherina. Es sei sehr schwer, an ihren Schützling ranzukommen, doch sie lasse nichts unversucht. „Ich zeige ihr Bilder, frage, wie ihr Tag war – und versuche so gut es geht, eine Art Freundin zu sein“, sagte Katherina.

Die Integrationslotsen für Pflegeberufe sind von den Maltesern 2019 in Erlangen ins Leben gerufen worden. Wegen Corona wurde das Projekt dann allerdings immens beschnitten, sodass es 2021 sozusagen einen Restart gab. 16 Ehrenamtliche begleiten ein bis zwei Stunden pro Woche insgesamt 38 Menschen, die am Projekt teilnehmen. „Das sind derzeit 16 Pflegeschülerinnen und -schüler sowie 22 fertige Pflegekräfte aus Tunesien, die schon in ihrem Heimatland die Ausbildung gemacht haben und jetzt an ihrer Anerkennungsprüfung arbeiten“, erzählt Projektleiter Habib.

„Die ganze Welt ist hier zu Gast“

Die Palette der Nationalitäten ist bunt gemischt: „USA, Nepal, Indien, Pakistan, Marokko – die ganze Welt ist hier zu Gast“, freut sich Ahmed Habib, der aus Ägypten kommt, seit 2017 in Deutschland ist und selbst Medizin studiert. Der Kontakt zu den Maltesern kommt in aller Regel über die Berufsfachschule für Pflege am Malteser Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe in Erlangen. Wie es den Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern geht, weiß er nur zu gut: Hajars Begleiterin Annika habe ihn einst „auch an die Hand genommen“ und ihm geholfen, fachlich immer besser zu werden und die deutsche Kultur kennenzulernen.

Besonders dankbar ist Ahmed Habib, dass er auch in seinem Umfeld große Unterstützung erfährt. Der Pflegedirektor am Waldkrankenhaus in Erlangen, Thomas Paule, hat drei Lernräume sowie Fachliteratur zur Verfügung gestellt. Und das nicht ohne Grund: „Die Arbeit von Ahmed Habib und den vielen Ehrenamtlichen hilft uns sehr bei der Integration unserer vielen Auszubildenden und Pflegekräfte mit Migrationshintergrund. Mit der Folge, dass die Integration und die Bindung an unser Waldkrankenhaus erfolgreich sind.“, betont Paule.

Das Projekt hat Chancen zu wachsen

„Wir sind von unserem Projekt und dessen Wirkung absolut überzeugt“, bestätigt auch Daniela Eidloth, stellvertretende Diözesangeschäftsführerin der Malteser im Erzbistum Bamberg.

Das Projekt hat Potenzial es und soll noch viel mehr Beispiele gelungener Integration geben wie etwa im Fall des aus Somalia stammenden Deck, der als erster Teilnehmer des MalteserProjekts die Krankenpfleger-Ausbildung gemacht hatte und jetzt in der Notaufnahme des Waldkrankenhauses arbeitet. „Deck hat hier in Deutschland eine Bosnierin kennengelernt – und wird jetzt Anfang November Vater“, berichtet Friederike von ihrem ehemaligen Schützling, zu dem sie auch heute noch Kontakt pflegt. „Es ist schon cool, von diesen Menschen zu lernen und auch einmal andere Aspekte zu sehen als nur unsere “, unterstreicht Friederike. Und Barbara ergänzt: „Unsere ehrenamtliche Arbeit ist letztlich ein Gewinn für beide Seiten.“ Für Ahmed Habib sind Mitarbeiterinnen wie Friederike, Barbara und Katherina ohnehin die Größten: „Ehrenamtliche sind mein Vorbild. So eine Kultur gibt es in meinem Land nicht“, so Ahmed.

Du möchtest auch wie Yangzin oder Ahmed in der Pflege durchstarten und dich für andere engagieren? Hinter dem nachfolgenden Link findest du mehr Infos!


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