Flüchtlingsprojekt Girls for Girls: Integration und Frauenpower

Beim Malteser-Projekt „Girls for Girls“ in Stuttgart unterstützen ehrenamtliche Helferinnen geflüchtete Mädchen und Frauen bei ihrer Integration. Das Female-Empowerment-Projekt zeigt, wie wertvoll es ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Darum geht’s


Was ist „Girls for Girls“?

„Girls for Girls“ ist ein Tandem- und Empowerment-Projekt der Malteser Stuttgart, das sich an geflüchtete Mädchen und Frauen richtet. Ziel ist es, diese bei der Integration zu unterstützen. „Girls for Girls“ steht auf zwei Säulen: Neben Tandem-Teams, die immer aus einer Ehrenamtlichen und einer Geflüchteten bestehen, gibt es auch verschiedene Gruppenprojekte. „Die Tandems treffen sich regelmäßig ein- oder zweimal pro Woche, machen Ausflüge, kochen zusammen – worauf auch immer sie Lust haben. Auch zu Arztterminen oder Behördengängen begleiten die ehrenamtlichen Helferinnen ihre Tandem-Partnerinnen“, erklärt Hagar Mohamed, Leiterin des Malteser Integrationsdienstes Stuttgart für Kinder- und Frauenprojekte. 

Die Tandems sind feste Partnerschaften. Die Mädchen und Frauen verabreden sich eigenständig miteinander. Die Gruppentreffen widmen sich ganz unterschiedlichen Themen – von Nähen bis Yoga. „Wir planen aktuell auch Online-Projekte, in denen die Geflüchteten zum Beispiel lernen, wie man einen E-Mail-Account einrichtet oder online eine Wohnung sucht“, sagt Hagar Mohamed. „Zudem gibt es Projekte mit Partnern wie der Caritas, in denen es um Dinge wie die Familienplanung oder den Berufseinstieg geht.“

Von der Studenten-Idee zum Erfolgsprojekt

„Girls for Girls“ gibt es seit 2016. Drei Studentinnen aus Stuttgart hatten damals die Idee zum Projekt und konnten die Malteser als Partner gewinnen. 2017 wurde „Girls for Girls“ von der baden-württembergischen Jugendstiftung mit dem Vielfalt-Sonderpreis ausgezeichnet. Mehr als 70 geflüchtete Frauen und Mädchen wurden bislang in dem Projekt begleitet. Mehr Infos zu „Girls for Girls“ gibt es hier.

Die Mädchen und Frauen sollen lernen, an sich zu glauben

 „Girls for Girls“ will ganz gezielt das Selbstbewusstsein der geflüchteten Mädchen und Frauen stärken. „Durch mangelnde Sprachkenntnisse haben sie keinen Zugang zu vielen Bereichen des Lebens, sind dadurch unsicher und ängstlich. Diese Angst wollen wir ihnen nehmen“, erklärt Hagar Mohamed. Die Tandem-Treffen geben Sicherheit im Alltag und helfen dabei, dass die Geflüchteten sich immer besser zurechtfinden und selbstständiger werden. „Wir möchten, dass die Mädchen und Frauen selbstbewusst durchs Leben gehen können. Wir helfen ihnen dabei, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen zu entdecken und mutiger zu werden. Sie sollen lernen, an sich zu glauben – vor allem daran, dass sie etwas erreichen können im Leben“, so die 29-jährige.

„Girls for Girls“ bietet Hilfe zur Selbsthilfe

Eine Herausforderung sind mitunter die Erwartungen, mit denen die Mädchen und Frauen in das Projekt kommen. „Einige denken, wir bieten ihnen schnelle und einfache Lösungen für ihre Probleme an“, sagt Hagar Mohamed. „Das können wir natürlich nicht leisten. Und das ist auch gar nicht unser Ansatz. Mit ,Girls for Girls‘ bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe. Die, die bleiben, erkennen schnell, wie wertvoll es ist, wenn man dazu befähigt wird, sein Leben allein in die Hand zu nehmen.“ Einige der ehemaligen Teilnehmerinnen engagieren sich heute selbst als Ehrenamtliche. „Wenn sich jemand für dich einsetzt, dann motiviert das dazu, selbst auch etwas für andere zu tun“, ist sich Hagar Mohamed sicher. „Es gab auch schon den Fall, dass sich eine ehemalige Teilnehmerin bei den Maltesern um einen richtigen Job beworben hat – so etwas ist natürlich toll! In Deutschland Arbeit zu finden ist für viele der Mädchen und Frauen anfangs völlig undenkbar. Diese kleinen Erfolge zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit dem, was wir tun.“

Ehrenamtliche Helferinnen müssen offen und empathisch sein

Wer sich bei „Girls for Girls“ oder ähnlichen Projekten mit geflüchteten Mädchen und Frauen engagieren möchte, sollte vor allem eins mitbringen: Offenheit. „Die Ehrenamtlichen müssen anderen Kulturen und Lebensentwürfen gegenüber aufgeschlossen sein“, betont auch Hagar Mohamed. „Vorurteile und Bewertungen sind fehl am Platz. Es geht beim Empowerment darum, zu supporten und in die Höhe zu heben – nicht zu kritisieren.“ Auch Empathiefähigkeit und eine motivierende Persönlichkeit sind wichtig. „Die Geflüchteten sind oft demotiviert und haben ihre Hoffnung verloren. Damit muss man behutsam umgehen“, sagt Hagar Mohamed. 

Gleichzeitig ist es wichtig, dass die ehrenamtlichen Helferinnen selbstbewusst und gefestigt sind. „Bei aller Empathie muss man sich abgrenzen können und eine professionelle Distanz wahren. Man hört in diesem Ehrenamt viele traurige Geschichten, die sollte man nicht alle mit nach Hause nehmen“, rät Hagar Mohamed. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen unterstützen die Ehrenamtlichen dabei, bieten etwa Workshops zum Thema „Nähe und Distanz“ an, begleiten sie bei Herausforderungen und planen gemeinsam mit ihnen Projekte. Wer ein Interesse daran hat, Mädchen und Frauen zu unterstützen und seine eigenen Erfahrungen an sie weiterzugeben, wird belohnt: „Wenn man sieht, wie die Mädchen und Frauen sich entwickeln, wie sie plötzlich Spaß am Leben haben und selbstbewusster werden, ist das unglaublich schön“, findet Hagar Mohamed. „Ich glaube fest daran, dass eine Unterstützung von Frau zu Frau total wichtig und wertvoll ist – und mit ,Girls for Girls‘ treten wir den Beweis an.“

Girls for Girls sucht dich

Wenn auch du dich bei „Girls for Girls“ als Ehrenamtliche engagieren möchtest, dann schreibe eine E-Mail an Integrationsdienst-Stuttgart@malteser.org.

Wenn du nicht aus der Region Stuttgart kommst, dich aber bei ähnlichen Projekten engagieren willst, schreibe einfach eine Mail an sozial.stark@malteser.org. Wir freuen uns auf dich.

Möchtest du die Malteser unterstützen, kannst du beispielsweise an die Nothilfe in Deutschland spenden.


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