Mode für Seniorinnen und Senioren: Stilsicher im Alter

Sicher geht es bei der Mode für ältere Menschen ein wenig mehr um Funktionalität und weniger um aktuelle Trends. Dennoch bleiben Stil, Modebewusstsein und der Wunsch nach Komfort bei der Kleiderwahl wichtig.

Modebewusstsein? Keine Frage des Alters

Anna Wintour ist 71 Jahre alt und hat, wie wohl kaum eine andere Person, Einfluss auf die großen Modetrends. Denn sie ist Chefredakteurin des großen und einflussreichen Mode-Magazins „Vogue“ und prägt auch mit ihrem eigenen Stil häufig die Modewelt. Natürlich ist Anna Wintour ein besonderes Beispiel. Sie zeigt aber, dass sich Modebewusstsein und fortgeschrittenes Alter nicht ausschließen. Immerhin haben ja die Seniorinnen und Senioren von heute viele stilprägende Jahrzehnte erlebt.

Ob sich dies im eigenen Outfit widerspiegelt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Wer sich nie für das Thema interessiert hat, wird damit wahrscheinlich im fortgeschrittenen Alter nicht mehr anfangen. Einer Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge gaben jedoch 68 Prozent der Befragten über 50 Jahre an, sich immer dem Anlass entsprechend zu kleiden. Bei den 18- bis 29-Jährigen hingegen nur 52 Prozent.

Generell kann man sicher sagen, dass Seniorinnen und Senioren heute mehr Augenmerk auf ihre Kleidung legen als vor 50 Jahren – sei es aufgrund der wirtschaftlichen Situation oder auch ganz einfach bedingt durch die heutzutage schnellere und einfache Verfügbarkeit von Kleidung.

Klassiker, die nie aus der Mode kommen

Was ist denn eigentlich typische „Seniorenmode“? Da werden viele sicher an braunbeige Hosen mit gleichfarbigem Pullover denken, oder an geblümte Haushaltskittel. Und an diesem Klischee ist etwas dran, denn für viele bedeutet dieser „Look“ schlicht und einfach Praktikabilität und – vermeintlich altersgerechte – Unauffälligkeit.

Doch es gibt viele Möglichkeiten, etwas frischen Wind in den Kleiderschrank zu bringen: Zur Auswahl stehen zum Beispiel viele zeit- und alterslose Klassiker, die munter kombiniert werden können und verschiedene Anlässe abdecken. Eine einfache Jeans oder Chino, die weite, gerade fallende Palazzo-Hose für Damen, möglichst gut sitzende Hemden und Blusen und zudem natürlich klassische Sakkos und Blazer. Außerdem wären da natürlich Mäntel in zeitlosen Schnitten oder Trenchcoats, die innerhalb eines Jahrhunderts eigentlich nie aus der Mode gekommen sind. Solche Kleidungsstücke in klassischen Farben, die auf unterschiedlichste Weise kombiniert werden können und trotzdem einen harmonischen Eindruck erwecken, nennen sich auch „Bacics“, weil sie den Grundstock jedes gut ausgestatteten Kleiderschranks bilden.

Beim Kombinieren spielt wiederum die Farbauswahl eine wichtige Rolle. Hier gilt, wie so oft: Weniger ist mehr. Nicht kunterbunt zusammenwürfeln, sondern eher auf gedeckte Töne setzen – aber gerne mit farbigen Akzenten. Diese sollten sich in Gesichtsnähe finden, zum Beispiel Tücher oder Schals. Wenn Sie etwas mehr Farbe zeigen möchten, orientieren Sie sich am besten an dem Trend Colour Blocking, bei dem verschiedene Farben großflächig und klar voneinander abgetrennt getragen werden. Bei den Herren kann auch schon ein farbiger Gürtel dem Outfit eine individuelle Note verleihen. Wenn Sie als Mann Ihre Garderobe generell etwas auffrischen und modernisieren möchten, könnten Sie zudem bei den Anzügen ansetzen: Zwar kommen Anzüge per se nicht wirklich aus der Mode, ihre Schnitte, Materialien und Farben fallen jedoch schnell aus der Zeit. Greifen Sie bei Hemden und Krawatten ruhig auch einmal zu ungewohnten Farben – vielleicht entdecken Sie einen neuen Favoriten.

Versuchen Sie beim Ausprobieren nicht, gezwungen jung erscheinen zu wollen, sondern vertrauen Sie auf Ihr Empfinden. Letztlich müssen Sie sich wohlfühlen – und nicht alle anderen für Ihren Stil begeistern.

Funktionalität, die dem Alter gerecht wird

Ein passender Stil ist aber nicht alles: Gerade im fortgeschrittenen Alter hat Funktionalität einen besonderen Stellenwert. Da sind zum einen die Vorteile typischer Funktionskleidung wie guter Feuchtigkeitstransport, Atmungsaktivität, Wind- und Wasserdichtigkeit etc. Zum anderen spielen auch körperliche Faktoren eine wichtige Rolle: Ist Ihre Beweglichkeit eingeschränkt, können Sie vermutlich eine Bluse oder eine Strickjacke besser anziehen als ein T-Shirt oder einen Pullover. Ein Reißverschluss macht das An- und Auskleiden einfacher als kleine Knöpfe. Ein etwas höherer Stretch-Anteil erhöht Komfort und Beweglichkeit. Bei vielen älteren Menschen ist auch die Haut empfindlicher. Hier sind glatte, leichte Stoffe aus Naturfasern und lockere Schnitte von Vorteil. Auch die Hygiene sollte nicht außer Acht gelassen werden. Eventuell muss die Kleidung häufiger gewaschen werden, weil Sie beispielsweise ein wenig mehr schwitzen.

Von Expertinnen und Experten kaufen – aber wo?

Die Zeiten, in denen Sie Kleidung beim Damen- oder Herrenausstatter in der umtriebigen Innenstadt oder im Ortszentrum gekauft haben, sind womöglich vorbei. Heute sind die Einkaufspassagen nämlich in erster Linie von Handelsketten besetzt – von denen sich die meisten auf eine jüngere Zielgruppe konzentrieren. Ein passenderes Sortiment mit fachkundiger Beratung bieten hier oft noch die klassischen Kaufhäuser wie Karstadt oder Galeria Kaufhof.

Wer sich die Fahrt in die Stadt sparen will, wird im Internet fündig: Überwiegend auf die Zielgruppe über 45 Jahre ausgelegt ist das große Sortiment des deutschen Anbieters Walbusch, wo Sie im Sale-Bereich auch viele Modeschnäppchen machen können. Vor allem Herren im besten Alter werden hier garantiert fündig. Eine ähnliche Ausrichtung zeigt der Online-Shop von Peter Hahn – vor allem mit Fokus auf Damenmode, die sich hier auch in größeren Größen findet. Auch nachhaltig produzierte Textilien sind im Angebot. „Alles für die Dame“ heißt es bei mona.de. Der Onlinehändler überzeugt mit einem ausführlichen Beratungsangebot und einem ausgewiesenen Sortiment für Seniorinnen. Für stilbewusste Männer können wir außerdem Mey & Edlich empfehlen – übrigens das älteste noch aktive deutsche Versandhaus.

Eine interessante und besonders bequeme Lösung bietet das Modemobil: Das Angebot richtet sich an die Menschen in Senioreneinrichtungen und wird vor Ort verkauft und präsentiert – mit freiwilligen Bewohnerinnen und Bewohnern als Models.


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