Hitze(schutz) in der Altenhilfe: Darauf kommt es an

Hitzewellen nehmen auch in Deutschland zu. Für ältere Menschen können sie schnell gefährlich werden. Auch Mitarbeitende in der Altenhilfe können unter den hohen Temperaturen leiden. Welche praktischen Maßnahmen ergriffen werden, um Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende von Altenheimen vor Hitze zu schützen, verraten Thorsten Kerth und Gabriele Geese vom Malteserstift St. Maximilian Kolbe in Hamburg. 

Warum ist Hitzeschutz gerade in der Altenhilfe so wichtig?

Hohe Temperaturen können für ältere Menschen belastend sein und schnell gefährlich werden. „Sobald die Temperaturen über 30 Grad steigen, beginnt für unser Team eine besondere Phase der Aufmerksamkeit“, sagt Thorsten Kerth, der das Malteserstift St. Maximilian Kolbe in Hamburg leitet. Denn Hitze gehört zu den größten gesundheitlichen Risiken für ältere Menschen. Das hat verschiedene Gründe. Ein älterer Körper ist in vielen Dingen anfälliger und eingeschränkter. Oft ist zum Beispiel der Mechanismus der Selbstkühlung durch Schwitzen vermindert. Viele ältere Menschen haben zudem Vorerkrankungen, die den Körper belasten. „Ältere Menschen bringen eine gewisse Grundschwäche mit. Gleichzeitig haben sie oft ein geringeres Durstgefühl und dehydrieren schneller“, erklärt Thorsten Kerth. „Das Thema Hitzeschutz gewinnt daher insbesondere in der stationären Altenhilfe zunehmend an Bedeutung und ist fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit.“ 

Hitze-Tipps fürs Alter

Wie viel Wasser sollte man an einem heißen Tag trinken? Woran erkennt man einen Hitzschlag? Und was muss man bei Hitze beachten, wenn man Medikamente einnimmt? Hier die wichtigsten Hitze-Tipps für Ältere von Dr. Rainer Löb, Bundesarzt der Malteser.

Menschen mit Demenz sind bei Hitze besonders gefährdet

Bei Hitze sind Menschen mit einer Demenzerkrankung besonders gefährdet. Laut Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) ist ihre Fähigkeit, angemessen auf hohe Temperaturen zu reagieren, häufig beeinträchtigt. Obwohl sie äußerlich stabil wirken können, kann eine Kombination aus Hitze, Flüssigkeitsmangel und eingeschränkter Kommunikation – aufgrund von Wortfindungsstörungen oder Gedächtnisproblemen – laut AFI für sie schnell zu einem medizinischen Notfall werden. Oft haben Menschen mit Demenz zudem einen großen Bewegungsdrang und verlassen manchmal unbemerkt ihr Zuhause. Finden sie nicht allein zurück, kann auch das an einem heißen Tag besonders gefährlich sein. „Bei Hitze sollte das Pflegepersonal Demenzerkrankte deshalb besonders gut im Blick haben“, sagt Gabriele Geese, die im Malteserstift St. Maximilian Kolbe den Pflegedienst leitet. 

Angebote der Malteser für Menschen mit Demenz

Wir Malteser unterstützen Menschen mit einer Demenzerkrankung sowie ihre An- und Zugehörigen mit vielfältigen Angeboten – von Besuchsdiensten über das Café Malta und Tagesstätten bis hin zur Beratung.

Kein Durst? Kein Problem!

Zwei bis drei Liter Flüssigkeit empfehlen Fachpersonen bei großer Hitze pro Tag. Eine Menge, die viele ältere Menschen nicht erreichen. „Sie nippen an einem Getränk und sagen dann schnell, dass sie genug haben“, weiß Gabriele Geese. Das Personal im Malteserstift St. Maximilian Kolbe hat deshalb kreative Strategien entwickelt, um die Flüssigkeitszufuhr auch bei geringem Durstgefühl zu erhöhen. „Wir setzen bei Hitze auf leichte Mahlzeiten, viel Obst, Salate und Quark und bieten unseren Bewohnerinnen und Bewohnern gezielt besonders wasserreiche Lebensmittel wie Melone an. Das kann die mangelnde Trinklust kompensieren“, sagt Gabriele Geese. „Bei Getränken versuchen wir, verschiedene Geschmacksrichtungen anzubieten. Also unterschiedliche Säfte oder Schorlen. Auch das motiviert zum Trinken, denn Wasser pur finden viele nun mal langweilig. Wir machen mindestens stündlich eine Trinkrunde. Unser Ziel ist es, es gar nicht erst zu einer gesundheitlichen Krise kommen zu lassen. Deshalb handeln wir bereits, bevor Bewohnerinnen und Bewohner erste Anzeichen einer Hitzebelastung zeigen.“ 

Ein Highlight im Malteserstift St. Maximilian Kolbe ist der Eiswagen, der sich zu einer festen und beliebten Tradition entwickelt hat und Bewohnerinnen, Bewohner, Gäste und Mitarbeitende mit erfrischendem Eis versorgt. Neben der willkommenen Abkühlung bei Hitze hat er noch einen weiteren Effekt: „Wir schaffen damit Begegnungen, fördern Gemeinschaft und sorgen für viele schöne Gespräche“, erzählt Thorsten Kerth. 

Hitzeschutzplan als Unterstützung fürs Team

Das Team vom Malteserstift St. Maximilian Kolbe arbeitet nach einem speziellen Hitzeschutzplan, um seine Bewohnerinnen und Bewohner vor hohen Temperaturen zu schützen. „Wir haben eine Checkliste zur Reduzierung der Hitzebelastung in unserer Einrichtung erarbeitet, an der sich das Team orientiert“, erklärt Thorsten Kerth. Neben einer wasserreichen, leichten Ernährung stehen auf dieser Liste viele praktische Maßnahmen, auf die bei Hitze geachtet wird: 

  • Nachts und frühmorgens lüften: Gelüftet wird intensiv zwischen ca. 22:00 und 8:00 Uhr. Wenn möglich, wird Durchzug geschaffen. Sobald es draußen wärmer wird, werden die Fenster geschlossen.
  • Sonneneinstrahlung verhindern: Außenjalousien und Rollläden werden frühzeitig geschlossen. Süd- und Westseiten werden besonders geschützt.
  • Ventilatoren sinnvoll einsetzen: Über Ventilatoren wird für Luftbewegung gesorgt. Nachts werden sie vor dem geöffneten Fenster platziert. 
  • Wärmequellen reduzieren: Nicht benötigte Geräte werden ausgeschaltet und LED-Beleuchtung bevorzugt. Wäschetrockner laufen möglichst nachts.
  • Bewohner aktiv kühlen: zum Beispiel durch kühle Waschlappen für Nacken und Unterarme, leichte Kleidung und Möglichkeiten, die Füße zu kühlen. 

     

„Auch Angehörige können uns unterstützen, indem sie bei Besuchen auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten oder leichte Kleidung mitbringen. Hitzeschutz ist eine gemeinsame Aufgabe“, sagt Thorsten Kerth. Das Team dokumentiert außerdem die Raumtemperaturen, beobachtet gefährdete Bewohnerinnen und Bewohner engmaschig und nutzt die kühlsten Räume als Aufenthaltsorte für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Aktivitäten werden an heißen Tagen in den Morgen verlegt. „So können wir auch im Sommer Beschäftigung gewährleisten, ohne jemanden zu gefährden.“ 

Ab einer Innentemperatur von 26 Grad intensiviert das Team die Maßnahmen. Ab 30 °C gilt erhöhte Aufmerksamkeit. Ab Grad geht es in den gesundheitlich kritischen Bereich. „30 und mehr Grad haben wir in unserer Einrichtung bislang nicht erreicht. Aber so ein verbindlicher Hitzeschutz-Alarmplan mit klaren Maßnahmen unterstützt das gesamte Team. Entscheidend ist dabei, dass alle Berufsgruppen nach denselben Standards handeln – von der Pflege über die Betreuung bis hin zu Hauswirtschaft, Küche und Haustechnik“, erklärt Thorsten Kerth. 

Hitze kann einsam machen

Hitze kann auch Einsamkeit bei älteren Menschen verstärken. Etwa, wenn sie sich nicht mehr zu den Gemeinschaftsräumen bewegen. Im Malteserstift St. Maximilian Kolbe steuert das Team deshalb aktiv dagegen, stellt Beschäftigung sicher und aktiviert die Bewohnerinnen und Bewohner, in kühlen Aufenthaltsräumen zusammenzukommen.

Auch die Mitarbeitenden leiden unter der Hitze

Hohe Temperaturen sind nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für die Mitarbeitenden von Altenpflegeeinrichtungen eine Herausforderung. Sie müssen nicht nur noch aufmerksamer sein als sonst, körperlich schwere Arbeiten können auch sie selbst bei Hitze belasten. „Wir animieren unsere Mitarbeitenden dazu, anstrengende Tätigkeiten bei Hitze möglichst ganz zu vermeiden, für schweres Heben einen Lifter zu nutzen oder es zu zweit statt allein zu machen“, sagt Thorsten Kerth. Zudem gibt es im gesamten Haus kostenloses Wasser sowie Saftautomaten. Die Dienstzimmer werden über mobile Klimageräte gekühlt, da dort die Arzneimittel lagern. „Wir achten darauf, dass alle ausreichend Pausen machen“, sagt Gabriele Geese. 

Kurzum: Das Team im Malteserstift St. Maximilian Kolbe begegnet Hitzewellen mit einem durchdachten Plan, von dem Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeitende gleichermaßen profitieren. „Wir fühlen uns damit derzeit sehr gut aufgestellt und werden unsere Maßnahmen in Zukunft regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls anpassen“, sagt Thorsten Kerth. In seinen Augen ist es aber auch wichtig, sich außerhalb der Einrichtung zu engagieren. „Es geht ja auch darum, wie sich eine Stadt grundsätzlich auf Hitzewellen vorbereitet und etwa Verschattungen umsetzt.“ Kerths Wunsch wäre, dass sich die Betreiber von Pflegeeinrichtungen noch mehr einbringen würden, etwa in Quartiersbeiräten, und dort Dinge, die für mehr Hitzeschutz sorgen, mit anschieben würden. Denn eines steht fest: Hitzewellen werden durch den Klimawandel in Zukunft eher mehr als weniger werden. Hitzeschutz ist deshalb längst keine saisonale Einzelmaßnahme mehr, sondern ein fester Bestandteil moderner und verantwortungsvoller Altenpflege.


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