Diagnose Demenz: Hilfe ist greifbar
Demenz gehört zu den größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Jedes Jahr erkranken in Deutschland weit über 300.000 Menschen an einer Form von Demenz. Eine Diagnose, die für Betroffene und Angehörige mit vielen Veränderungen, Fragen, Sorgen und Unsicherheiten verbunden ist. Doch Hilfe ist greifbar.
Darum geht’s:
- Was ist Demenz und welche Erkenntnisse gibt es über die Krankheit?
- Lässt sich das Risiko, an Demenz zu erkranken, präventiv beeinflussen?
- Was ist beim ersten Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung zu tun?
- Welche Hilfen gibt es für Betroffene und Angehörige?
- Was machen die ambulanten Demenzdienste der Malteser?
- Ein Krankheitsbild, das neben Sorgen und Ängsten auch Positives bereithält
- Was die Malteser Angehörigen im Umgang mit Demenz raten
Was ist Demenz und welche Erkenntnisse gibt es über die Krankheit?
Unter dem Begriff „Demenz“ werden mehr als 100 Erkrankungen des Gehirns zusammengefasst. Darunter fällt auch die sogenannte Alzheimer-Krankheit, die über zwei Drittel aller Fälle ausmacht und damit die häufigste Form der Demenz darstellt. Und obwohl sich die einzelnen Demenzformen in vielen Symptomen ähneln, unterscheiden sie sich zugleich in wichtigen Merkmalen. Da zudem Mischformen vorkommen, lässt sich nicht von „der einen Demenz“ sprechen.
Statistiken zeigen, dass jährlich etwa 364.000 bis 445.000 Menschen an einer Form der Demenz erkranken. Die Studien der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. prognostizieren, dass die Zahlen weiter steigen werden, solange es keine wirksame Therapie zur Heilung gibt. Allerdings ist aktuell ebenfalls erkennbar, dass die Anzahl der Neuerkrankungen nicht so schnell zunimmt, wie in den letzten Jahren vermutet. Die Forschung geht davon aus, dass sich ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung günstig auf die Entwicklung auswirkt. Ein bewussterer Lebensstil und eine bessere Gesundheitsvorsorge können Risikofaktoren reduzieren und den Ausbruch der Erkrankung hinauszögern.
Der Begriff Demenz bedeutet wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt „Weg vom Geist“ oder „ohne Geist“. Damit lassen sich die zentralen Symptome der meisten Demenzformen, wie eine gestörte Merkfähigkeit, Gedächtnisabbau oder der Verlust des Urteilsvermögens, die oft schleichend zunehmen, recht gut erklären. Wichtig ist jedoch, nicht zu vergessen, dass hinter dieser Erkrankung ein Mensch steht – mit einem eigenen Lebensweg, Erfahrungen, Wünschen und Bedürfnissen, die auch im Verlauf einer Demenz prägend bleiben. Aus diesem Grund verlaufen Demenzerkrankungen selbst bei derselben Demenzform häufig sehr unterschiedlich.
Auch die zeitlichen Verläufe unterscheiden sich erheblich: Die Erkrankung kann schnell fortschreiten, sich aber auch über viele Jahre hinweg schubweise entwickeln. Die Verläufe sind so individuell wie die Betroffenen selbst. Durch therapeutische Maßnahmen und Medikamente kann der Krankheitsverlauf verlangsamt werden. Solange keine Heilung möglich ist, zielen die Therapien in erster Linie darauf ab, die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern.
Demenzerkrankungen stellen für Betroffene und Angehörige eine hochemotionale Herausforderung dar. Denn was in einem Menschen mit Demenz vorgeht, können Erkrankte oft nur in den frühen Stadien der Krankheit selbst mitteilen. Später sind Angehörige und Pflegekräfte darauf angewiesen, die Bedürfnisse und Gefühle der Betroffenen wahrzunehmen und zu interpretieren. Im besten Fall verfügen sie über umfassendes Wissen über die Biografie des jeweiligen Menschen und können die Begleitung und Pflege daran ausrichten. Wenn eine Demenz diagnostiziert wird, sollte deshalb stets der Mensch im Mittelpunkt stehen – nicht die Krankheit.
Lässt sich das Risiko, an Demenz zu erkranken, präventiv beeinflussen?
Die Forschung beantwortet diese Frage eindeutig mit „Ja“. Wissenschaftliche Erkenntnisse und statistische Analysen zeigen, dass sich das Demenzrisiko durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflussen lässt. Diese Ergebnisse machen Mut: Wer auf seinen Körper und seine geistige Fitness achtet, kann aktiv dazu beitragen, das Risiko einer Demenzerkrankung zu verringern. Gleichzeitig fördert ein gesunder Lebensstil die Lebensqualität und hilft dabei, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung möglichst lange zu erhalten. Wir erklären Ihnen gerne, wie Sie geistig fit bleiben.
Geistig fit bleiben
Mobilisieren Sie Ihre Kreativität, um im Kopf lange fit zu bleiben. Hobbys sind eine ideale Methode und machen obendrein Spaß: Malen, Basteln, Rätseln, Handwerken, Singen, Kreuzworträtseln, Lesen, Gesellschaftsspiele oder Reisen – verbringen Sie Ihre Freizeit mit Aktivitäten, die Sie geistig fordern. Bleiben Sie vor allem mit den Menschen in Ihrem Umfeld im Dialog: Kommunizieren und philosophieren Sie über aktuelle Themen, die Sie bewegen. Sprechen ist wichtig für die geistige Fitness und. Aber auch Schreiben regt das Gehirn an. Vielleicht haben Sie ja Lust, ein Tagebuch zu führen oder sogar ein Buch zu schreiben. Je älter wir werden, desto mehr haben wir zu erzählen. Teilen Sie mit, was Sie gerne mögen oder auch, was Sie nicht mögen. Lassen Sie Ihre Angehörigen an Ihrer Welt und Ihren Gedanken teilhaben.
Körperlich fit bis ins hohe Alter
Wenn Sport zu Ihrem Leben dazugehört, machen Sie weiter und motivieren Sie die Menschen in Ihrem Umfeld, mitzumachen. Wenn Sie von Haus aus nicht so sportlich sind, dann fangen Sie jetzt damit an, sich moderat zu bewegen. Beginnen Sie mit einem kleinen Spaziergang an der frischen Luft, den Sie von Woche zu Woche ein bisschen verlängern. Informieren Sie sich in den Sportvereinen Ihrer Gemeinde, welche Angebote es für Seniorinnen und Senioren gibt.
Tipp: Steigen Sie eine Haltestelle vor Ihrem Zuhause aus und gehen Sie den Rest zu Fuß. Parken Sie, sofern Sie gut zu Fuß sind, bewusst etwas weiter entfernt vom Supermarkt. Nutzen Sie jede Gelegenheit, sich körperlich zu bewegen und meiden Sie bequeme Angebote, wie Rolltreppen und Fahrstühle, wenn das gesundheitlich für Sie möglich ist.
Gesunde Ernährung für das Wohlbefinden
Ein Ernährungsplan durch Expertinnen und Experten ist sicherlich die Königsdisziplin und ist immer eine gute Idee. Wenn Sie Ihre Ernährung selbst organisieren möchten, achten Sie auf ausgewogene und vollwertige Nahrung, die viel Gemüse und Obst enthält. Zudem sollten Sie im Durchschnitt 1,5 Liter Wasser am Tag trinken. Meiden Sie gesättigte Fettsäuren, zu viel Zucker und Salz. Trinken Sie nicht zu viel Kaffee oder schwarzen Tee und achten Sie auf Ihren Alkoholkonsum. Noch besser: Verzichten Sie auf Alkohol, Nikotin und Drogen.
Regelmäßige Gesundheits-Checks
Gehen Sie regelmäßig zu medizinischen Untersuchungen und lassen Sie sich durchchecken. Auch kleine Symptome können Vorboten von Krankheiten sein, also teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt immer ausführlich mit, wie es Ihnen wirklich geht. Frühzeitige Therapieansätze sind für Ihre Genesung immer von Vorteil.
Fazit: Geben Sie auf sich Acht, werden Sie aktiv und bleiben Sie fit!
Folgende Symptome können auf eine Demenzerkrankung hindeuten:
- Verlust des Kurzzeitgedächtnisses
- Schwierigkeiten, gewohnte Tätigkeiten auszuführen
- Sprachstörungen und Wortfindungsschwierigkeiten
- Nachlassendes Interesse an Arbeit, Hobbys und Kontakten
- Orientierungsschwierigkeiten in fremder Umgebung
- Fehlender Überblick über finanzielle Angelegenheiten
- Fehleinschätzung von Gefahren
- Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit und Misstrauen
- Hartnäckiges Abstreiten von Fehlern, Irrtümern oder Verwechslungen
Was ist beim ersten Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung zu tun?
Zunächst ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, da es vorerst nur ein Verdacht ist, den Sie jedoch umgehend medizinisch abklären sollten. Vergesslichkeit im Alter bedeutet nicht automatisch Demenz. Gedächtnisschwäche kennen wir in jedem Alter. Die Gründe dafür lassen sich oft mit Schlafmangel, Sauerstoffmangel und/oder Flüssigkeitsmangel erklären. Die sogenannte Altersvergesslichkeit ist in der Regel darin begründet, dass zu wenig getrunken wird. Wie viel haben Sie zum Beispiel heute getrunken? Überprüfen und optimieren Sie Ihre Trinkgewohnheiten auf mindestens 1,5 Liter Wasser pro Tag und beobachten Sie, ob sich Ihre Gedächtnisleistungen verbessern.
Machen Sie bitte dennoch einen Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, um Demenz und andere schwere Krankheiten ausschließen zu können. Wenn sich der Verdacht auf Demenz bestätigen sollte, folgt in der Regel eine neurologische Untersuchung sowie verschiedene Tests. Wenn sich hinter den Verdachtssymptomen also tatsächlich eine Form von Demenz bestätigen sollte, ist es auch für Sie wichtig, so früh wie möglich davon zu erfahren. Mit einer frühzeitigen Diagnose sichern Sie sich Ihre Selbstbestimmtheit, mit der Sie planen können, wie es für Sie weitergehen soll. Zu Beginn der Erkrankung haben Sie noch alles selbst in der Hand und können mit Ihren Angehörigen besprechen, wie Sie sich Ihr Leben mit Demenz vorstellen, wenn die Erkrankung fortschreitet.
Welche Hilfen gibt es für Betroffene und Angehörige?
Die Diagnose „Demenz“ ist für Betroffene und Angehörige nach dem ersten Schock auch eine emotionale Belastungsprobe. Ängste, Sorgen und Trauer stehen im Raum und viele Fragen, wie es nun weitergeht. Aber es gibt Unterstützung für das Leben mit Demenz.
Sie sind nicht allein! Es gibt einen Weg, mit der Diagnose zu leben. Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus, schöpfen Sie von deren Erfahrungsschatz, um zu erkennen, dass ein Leben mit Demenz möglich ist und auch schöne Seiten hat. Bleiben Sie im Dialog und unterstützen Sie sich gegenseitig in der Familie. Klären Sie noch zu Beginn der Krankheit, also schnellstmöglich, alle Dinge ab, um sich optimal auf die Pflegesituation einstellen zu können. Kümmern Sie sich um Vorsorgevollmachten und/oder eine Patientenverfügung. Auf der Seite der Malteser finden Sie zum Beispiel hilfreiche Vorlagen und Informationen zum Download. Besprechen Sie rechtzeitig alles, was für den Pflegeverlauf gewünscht wird. Seien Sie ehrlich und bringen Sie alle Eventualitäten auf den Tisch, um sich zu entlasten.
Sobald Sie oder Ihre Angehörigen bei der Pflegekasse einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt haben, wird der Pflegegrad ermittelt, um den Leistungsrahmen abzustecken, mit dem Sie unterstützt werden. Wichtig: Für die neue Gesamtsituation haben Sie einen Rechtsanspruch auf eine Pflegeberatung bei Ihnen zu Hause. Ab Pflegegrad 2 stehen Ihnen bereits mehrere Leistungen zu, die Sie abrufen können und bei der häuslichen Pflege unterstützen. Dazu zählt auch der ambulante Demenzdienst der Malteser.
Was machen die ambulanten Demenzdienste der Malteser?
Das Angebot der Malteser ist bundesweit an über 50 Standorten vertreten und umfasst die Begleitung von Menschen mit Demenz – sowohl in der häuslichen Umgebung als auch in der Gruppenbetreuung im sogenannten „Café Malta“.
Bei diesem besonderen Angebot kommen Menschen mit Demenz in gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen zusammen und haben die Möglichkeit, sich auszutauschen. Darüber hinaus gestalten Helferinnen und Helfer der Malteser die gemeinsamen Stunden abwechslungsreich mit Bastel- und Malangeboten, gemeinsamem Singen oder Spielen. In diesen drei Stunden wird eine positive und anregende Umgebung geschaffen, die die geistige Aktivität und das Wohlbefinden fördert. Gleichzeitig stehen die Helfenden des Café Malta Betroffenen und ihren Angehörigen mit Rat und Unterstützung zur Seite. Bei Fragen, Sorgen oder persönlichen Anliegen finden sie dort ein offenes Ohr und verständnisvolle Unterstützung.
Darüber hinaus werden an manchen Standorten weitere Projekte realisiert, die wirksam in die Öffentlichkeit getragen werden, um in der Gesellschaft ein positiveres Bild vom Thema Demenz zu schaffen. Es ist wichtig zu vermitteln, dass die Erkrankung nicht nur Leid bedeutet, sondern auch viele schöne Momente mit sich bringt.
Die Malteser Demenzkompetenz
Im Vordergrund steht die Würde des Menschen, der verdient hat, dass man ihm hilft. Drei Faktoren sind den Maltesern dabei besonders wichtig: Haltung, Wissen und Handeln. Der Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ des Deutschen Netzwerks für Qualität in der Pflege liefert dazu eine nützliche wissenschaftliche Basis, die in der Praxis erprobt ist und die Beziehungsgestaltung fokussiert.
Die Begleitung wird vorwiegend von Ehrenamtlichen übernommen, die für den Bereich „Umgang mit Demenz“ zu Beginn ihrer Tätigkeit ausgebildet und in regelmäßigen Abständen geschult werden. Bei den Maltesern sind Betroffene und ihre Angehörigen immer in guten Händen. Der ambulante Demenzdienst ist ein niedrigschwelliges Angebot zur Unterstützung im Alltag, das ganz oder teilweise über die Pflegekasse abgerechnet werden kann. Jeder Mensch, der an Demenz erkrankt ist, kann die ambulanten Demenzdienste der Malteser in Anspruch nehmen.
Ehrenamt in der Demenzbetreuung
Der Demenzdienst ist eine emotionale Herausforderung, aber im positiven Sinne. Die Dienste freuen sich über Nachwuchs – egal, ob jung oder alt. Können Sie sich vorstellen, ehrenamtlich für den Demenzdienst zu arbeiten? Dann schauen Sie auf der Seite der Malteser vorbei. Wir finden Sie ein passendes Engagement für Sie!
Ein Krankheitsbild, das neben Sorgen und Ängsten auch Positives bereithält
„Demenz ist natürlich eine Diagnose, die vielen Angst macht. Ich würde mir aber wünschen, dass wir es schaffen, das übermächtige Negativbild dieser Erkrankung etwas aufzubrechen“, so Nina Basteck, Leiterin der Fachstelle Demenz bei den Maltesern.
„Es gibt auch Positives: die Freude, die Menschen mit Demenz zum Beispiel bei gemeinsamen Aktivitäten in der Betreuungsgruppe „Café Malta“ oder bei Ausflügen erleben. Da wird gerne und häufig gelacht. Ehrenamtliche berichten immer wieder, dass sie von den Menschen mit Demenz auch viel zurückbekommen. Angehörige erzählen uns ebenfalls von positiven Gefühlen wie bedingungsloser Liebe, Vertrauen und Zugehörigkeit, die sie in der Begleitung und Pflege von Menschen mit Demenz erleben. Da können Beziehungen trotz aller Belastungen auch gestärkt werden“, erzählt sie weiter.
Was die Malteser Angehörigen im Umgang mit Demenz raten
Da Demenz aktuell noch nicht heilbar ist, geht es im Umgang mit der Krankheit zentral darum, das Wohlbefinden der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen. Das gelingt am besten, wenn wir erkennen, wie es den Betroffenen geht, auch wenn sie nicht mehr verständlich antworten. Wir empfehlen Angehörigen und Nahestehenden frühzeitig zu beobachten. Wir können lernen, zu erkennen, wie es jemandem geht, wenn wir die Reaktionen auf emotionale Trigger beobachten. Das kann ein Blick in die Augen sein, eine Handbewegung oder die Atmung. Wenn wir früh damit beginnen, verstehen wir unsere Angehörigen oft auch noch dann, wenn sie bereits in ihre eigene Gefühlswelt abgetaucht sind und uns nicht mehr verständlich antworten können. Dass der Mensch mit Demenz sich wohlfühlt, ist der wesentliche Aspekt in der Pflege und Begleitung und sollte unser Handeln leiten.
Selbsterfahrung mithilfe von Demenzparcours
Oft fällt es Menschen schwer zu verstehen, wie sich ein Leben mit Demenz anfühlt und wie kräftezehrend es für Betroffene und auch Angehörige sein kann. Ein Demenzparcours kann Teilnehmenden die Chance bieten, hautnah zu erleben, wie es ist, mit der Erkrankung zu leben. Inzwischen gibt es dieses Angebot an einigen Standorten der Malteser. Spannende Einblicke in den Demenzparcours in der Malteser Zentrale liefert ein Bericht im Malteser Magazin.