Ungewöhnliches Ehrenamt: Helfen in der Vogelstation

Heimische Wildvögel sind in der Natur vielen Gefahren ausgesetzt. Spezielle Auffangstationen kümmern sich um verletzte Tiere und sind dabei auf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer angewiesen. Melissa aus dem bayerischen Burglengenfeld hat uns erzählt, was die Arbeit in einer Vogelstation so besonders macht.

Darum geht’s


Was macht eine Vogelstation?

Ob durch Katzenbisse oder Autounfälle, durch Scheibenanflüge oder Stürze aus dem Nest: Jeden Tag verletzen sich in der freien Natur viele Vögel. Und das mitunter so schwer, dass sie allein nicht wieder auf die Beine kämen. Vogelstationen, die es in ganz Deutschland gibt, sind eine Art Krankenhaus für Vögel: Dort werden verletzte oder verwaiste Tiere gesund gepflegt und wieder aufgepäppelt. Ziel ist es immer, die Vögel so schnell wie möglich wieder auszuwildern. Auch das Team der Vogel- & Umweltstation Regenstauf, die zum Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) gehört, kümmert sich um Vögel, die Hilfe benötigen. Fast 1.000 Tiere wurden dort im vergangenen Jahr gesund gepflegt – vom kleinen Singvogel bis hin zu großen Greifvögeln. Ein Pensum, das ohne die tatkräftige Unterstützung von Ehrenamtlichen nicht möglich wäre.

Ehrenamtliche werden in vielen Bereichen gebraucht

Eine der Ehrenamtlichen ist Melissa. Die Studentin hat nach ihrem Abitur 2014 einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst in der Vogel- und Umweltstation absolviert. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich danach dabeigeblieben bin“, erzählt sie. Wann immer es ihre Zeit neben dem Studium zulässt, hilft sie auch heute noch in der Vogelstation mit. Zu tun gibt es genug: „Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer werden bei uns in vielen Bereichen benötigt“, erzählt Melissa. „Zum Beispiel als Hilfe im Bereich der Umweltbildung – etwa bei der Betreuung von Schulklassen, die uns besuchen, für handwerkliche Arbeiten, bei der Besetzung des Notfalltelefons und natürlich bei der Pflege verletzter Vögel.“

Wichtig: Vor der Abgabe in der Vogelstation anrufen!

Die werden meistens von Privatpersonen abgegeben, mitunter bringt aber auch die Polizei oder Feuerwehr verletzte Tiere zur Station. Manche bleiben nur ein paar Tage, andere, etwa mit schweren Brüchen, auch mehrere Monate. Was nicht jeder weiß, der einen Vogel findet: Vögel, die gegen eine Scheibe geflogen sind, erholen sich oft nach kurzer Zeit von ganz alleine wieder. „So einen Patienten setzt man am besten in einen dunklen Karton mit Luftlöchern an einen ruhigen Platz, das entspannt die Tiere“, rät Melissa. „Und dann einfach mal etwas abwarten – meistens geht es den Vögeln nach kurzer Zeit schon viel besser.“ 

Auch halbflügge Jungvögel, die auf dem Boden sitzen, müssen nicht zwingend in die Vogelstation gebracht werden. Manchmal sind sie nämlich gerade nur dabei, am Boden hüpfend das Fliegen zu üben – und man würde sie unnötigerweise von ihren Eltern trennen. Auch hier gilt: Am besten erst einmal abwarten! „Wir empfehlen allen, die einen Vogel finden und nicht sicher sind, ob er Hilfe benötigt, zunächst eine Vogelstation in der Nähe anzurufen. Von dort kann beurteilt werden, ob der Vogel professionell versorgt werden muss. Unverletzte Jungvögel können übrigens guten Gewissens, wenn möglich, wieder ins Nest zurückgesetzt werden. Dass die Vögel von ihren Eltern aufgrund des Geruchs durch das Anfassen verstoßen werden, ist ein Mythos, der nicht wahr ist“, sagt Melissa.

Geschulte Ehrenamtliche ziehen Jungvögel auf

Dennoch herrscht besonders im Frühjahr während der Jungvogelsaison Hochbetrieb in der Vogelstation. „Da bekommen wir immer richtig viele Anrufe“, erzählt Melissa. „Von Passanten oder auch Schulkindern, die Tiere zum Beispiel auf dem Gehweg finden.“ Zahlreiche speziell geschulte Ehrenamtliche ziehen dann auch bei sich zu Hause Jungvögel auf – mit allem, was dazu gehört: regelmäßiges Füttern, für Wärme und für Auslauf sorgen. Auch Melissa und ihre Familie ziehen seit ein paar Jahren immer wieder Vogelbabys bei sich auf. Mauersegler, Wildtauben und Entenbabys waren schon Untermieter bei ihnen. „Das Aufziehen der Kleinen macht viel Spaß! Ziel ist am Ende aber natürlich immer das Auswildern!“ sagt Melissa.

Das perfekte Ehrenamt für Naturfreunde

Die ehrenamtliche Arbeit in der Vogelstation ist für Melissa der perfekte Ausgleich zu ihrem Studium. „Ich bin an der frischen Luft, habe mit Tieren zu tun und helfe ihnen – besser geht es doch kaum!“ sagt sie. Auch bei Auswilderungen ist die 25-jährige manchmal dabei. „Das sind immer sehr besondere Momente. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, einen Vogel freizulassen.“ Anderen Tierfreunden kann sie das Ehrenamt nur ans Herz legen. „Wer sich für Tier- und Umweltthemen interessiert und Spaß am draußen sein hat, für den ist die Arbeit in einer Vogelstation genau richtig – probiert es aus!“

Werde auch du aktiv!

Du möchtest dich auch für die Natur engagieren? Eine Übersicht über Vogelauffangstationen in ganz Deutschland findest du zum Beispiel auf der Seite www.wildvogelhilfe.org. Frage dann einfach bei einer Station in Deiner Nähe nach, ob und welche Hilfe gerade benötigt wird.
Auch der Landesbund für Vogelschutz bietet vielfältige Möglichkeiten sich zu engagieren. Möchtest du wie Melissa als „Bufdi“ einen Freiwilligendienst nach dem Abi oder der Uni machen? Dann bist du beim LBV genau richtig. Auch im Rahmen des „Engagierten Ruhestands“ können sich Mitarbeiter von Post und Telekom beim LBV melden. Mehr unter www.lbv.de/lbv-vor-ort oder www.freiwillige-im-naturschutz.de.

Zudem kannst du dich auch ehrenamtlich in einem Tierheim engagieren. Auch darüber haben wir hier schon mal berichtet. 


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