Deutsch von Anfang an: Das Malteser Konzept für Flüchtlingsunterkünfte

Hier finden Sie unser Lernheft zum Download, welches konzipiert wurde, um Menschen ohne Deutschkenntnisse, unsere Sprache näher zu bringen. Wir können damit alltagsnahen Unterricht anbieten, der auf die kommunikativen Herausforderungen eingeht. Daraus resultiert für den Lernenden die Möglichkeit, das Gelernte direkt anzuwenden und zu festigen, was die Motivation nachhaltig positiv beeinflusst:

  • Durch den modularisierten Aufbau dieses Heftes wird es den Lernenden ermöglicht, sich den für sie passenden Deutschunterricht selbst zusammenzustellen. Die Module I bis IV decken verschiedene Schwierigkeitsstufen ab, sodass individuelle Sprachförderung in relativ homogenen Klassen erfolgen kann.

  • Das Lernheft soll als Orientierungshilfe für Lehrkräfte dienen, es soll ihnen einen inhaltlichen Rahmen bieten, anhand dessen sich der Unterricht optimal strukturieren lässt. Hierbei haben sie größtmöglichen Spielraum, das vorliegende Material auszudehnen oder zu verkürzen – ganz so, wie sie es für ihren Unterricht benötigen.

  • Uns ist wichtig darauf hinzuweisen, dass wir Sprache als maßgebliches Moment der Integration und der Identifikation begreifen. Wir möchten sie deshalb als Medium nutzen, um den Menschen, die mit diesem Material lernen, kulturelles Know-How an die Hand zu geben und Ihnen damit den Schlüssel für das Verstehen unserer Gesellschaft überreichen. Nur wer unsere Kultur kennt – das ist alles was uns umgibt und was wir tun – hat die Chance daran teilzuhaben.

Kontakt:

Tobias Haubert

Tobias Haubert
Projektleitung Deutschunterricht
(02381) 87 70 53 8
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Integration durch Sprache

„Hallo“, „Hallo“, rufen Kinder und Jugendliche fröhlich von überall her, wenn Laura Staadecker über das Gelände der Malteser Betreuung Franziskus in Hemer, ein ehemaliges Kasernenareal, geht. Sie winken und rufen, und einige sagen richtig „guten Tag!“. Und das freut die ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Flüchtlingsbetreuung besonders, denn sie ist es, die den Kindern und Jugendlichen jeden Werktag von 13 bis 14 Uhr Sprachunterricht gibt.

Doch das ist hier nicht das einzige Angebot, Deutsch zu lernen. 400 Flüchtlinge wohnen derzeit in der Einrichtung. Manche sind nur ein paar Wochen da, andere schon seit Anfang des Jahres. Die meisten kommen aus Ghana, Afghanistan, Syrien und dem Irak. 100 Kinder unter 14 Jahren sind darunter. Für alle älteren gibt es von Montag bis Freitag Deutschunterricht von neun bis 17 Uhr. Das Konzept „Deutsch von Anfang an“, das dem zugrunde liegt, ist eine Eigenentwicklung der Malteser und etwas Besonderes in der Flüchtlingshilfe in Deutschland.

Deutschunterricht im Baukasten-System

„Wir arbeiten mit den vier Modulen ‚Willkommen‘, ‚Zahlen‘, ‚Orientierung‘ und ‚Gespräche‘, die jeweils etwas mehr Kenntnisse voraussetzen“, erläutert Projektleiterin Anja Müller das Baukasten-System. Täglich werden alle vier Module nacheinander in Unterrichtseinheiten von 90-Minuten angeboten. Feste Klassen gibt es nicht. „Jeder kann teilnehmen, wann er will, niemand wird ausgeschlossen“, schildert Anja Müller die Antwort des Malteser Konzepts auf die hohe Fluktuation und die sehr unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der Menschen, denen es eine Hilfe sein will – übrigens nicht nur bei der Verständigung.

„Mit dem Alltagswissen vom Händeschütteln über die Kleidung bis hin zur Pünktlichkeit vermitteln wir auch kulturelle Praktiken und schaffen so wertvolle Integrationsvoraussetzungen“, betont die studierte Kulturwissenschaftlerin. In Hamm haben kürzlich zwei Schüler, die alle Module durchlaufen hatten, nach Prüfung in der Volkshochschule das offizielle und international anerkannte Anfänger-Zertifikat A.1 erworben. „Deutsch von Angang an“ ist inzwischen in sechs Malteser Flüchtlings-Einrichtungen angelaufen, weitere sind in Vorbereitung. Vermittelt von der Aktion Deutschland hilft, zu deren Gründungsmitgliedern die Malteser zählen, wird das Projekt seit Anfang des Jahres vom Weseler Spezialchemiekonzern Altana finanziert.

Die ehrenamtlich aktive Malteserin Laura Staadecker mit fünf Flüchtlingskindern unter 14 Jahren.


Die großen Unterschiede im Bildungsstand der Flüchtlinge fangen die Malteser überdies mit der „Tandem“-Idee auf: Ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen die hauptamtlichen Lehrkräfte, indem sie mit besondere Kursteilnehmern getrennt arbeiten. Das können Leistungsstarke sein, die sich sonst langweilen würden, aber auch Analphabeten oder Geflüchtete aus dem arabischen oder afghanischen Raum, die die lateinische Schrift noch nicht beherrschen. Und da ist auch Laura Staadeckers Platz im System, indem sie den Kindern ein eigenes tägliches Angebot macht.

Doch nicht nur das. Die aus Rumänien stammende Lehrerin für Französisch und Geschichte, die seit Eröffnung 1993 in der Betreuung Franziskus in Hemer Sprachunterricht gibt, öffnet dort auch werktäglich von 14 bis 16 Uhr einen Frauentreff. „Männer dürfen hier nur herein, wenn ich es erlaube“, betont Staadecker. „Wir plaudern, singen und tanzen da“, erzählt die temperamentvolle 77-Jährige, „und natürlich mache ich auch Sprachunterricht mit den Flüchtlingsfrauen“. Denn es gibt immer wieder Männer, die ihre Frauen nicht zum regulären Deutschunterricht lassen.

Blick ins Heft: Module aus dem Malteser Deutschlernheft

Zeichnung einer Frau und eines Mannes im Gespräch.
Aufgabe aus dem Malteser Deutschlernheft zum Thema "Gespräche".
Zeichnung von Tageszeiten mit dem Hinweis auf die entsprechende Grußformel.
Aufgabe aus dem Malteser Deutschlernheft zum Thema "Tageszeiten".