Wahlen im Alter: Alles Wichtige im Überblick

Wenn Sie zur Wahl gehen, beeinflussen Sie mit Ihrer Stimme die Politik auf Europa-, Bundes-, Landes- oder Kommunalebene. Wo Sie heute am einfachsten Informationen zur Wahl finden und wie Sie sich ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren können, erfahren Sie hier.

Warum Wahlen auch für ältere Menschen wichtig sind

Geht es um ältere Wählerinnen und Wähler, hält sich das hartnäckige Klischee, dass der Großteil von Ihnen unabhängig von aktuellen Parteiprogrammen ihr Kreuz stets bei derselben Partei setzt. Außerdem gibt es immer wieder Stimmen, die ein Höchstalter für Wahlen fordern. Fakt ist: Das Alter ist für den Ausgang einer Wahl ein signifikanter Faktor – die Generation der Menschen über 60 Jahre entscheidet heute die Wahlen; junge Menschen fühlen sich daher oft überstimmt. Sollten Seniorinnen und Senioren also davon absehen, an Wahlen, die über die lang- und mittelfristige Zukunft unseres Landes bestimmen, teilzunehmen? Wählen Ältere egoistisch? Kann ein Mensch zu alt sein, um sich am politischen Geschehen zu beteiligen?

Die Antwort auf jede dieser Fragen lautet „nein“! Das Wählen ist der demokratische Grundsatz der Gleichheit: Jede wahlberechtigte Person hat eine Stimme. Und dass Wählerinnen und Wähler im höheren Alter diese einsetzen, ohne die aktuelle Tagespolitik zu verfolgen, ausschließlich bürgerlich-konservativ und entgegen den Forderungen jüngerer Bürgerinnen und Bürger wählen, stimmt nicht. Seniorinnen und Senioren verfügen über einen enormen Erfahrungsschatz, aus dem sie bei ihrer Entscheidungsfindung schöpfen können, und großes politisches Interesse. Es ist wichtig, dass sie über die Zukunft mitbestimmen und am politischen wie auch am alltäglichen Leben teilhaben. Der überwiegende Teil der Älteren hat zudem Kinder und Enkelkinder, deren Zukunft sie gesichert sehen wollen.

Eine Generationenkluft gibt es jedoch in der Art und Weise, wie Jung und Alt ihre Informationen über die Wahl und die einzelnen Parteien beziehen.

Infos und Unterstützung zur Wahl – Anlaufstellen on- und offline

Das Wichtigste zuerst: Über die gesteckten Ziele aller Parteien geben deren Wahlprogramme Auskunft. Um diese einsehen zu können, müssen Sie nicht extra sämtliche Partei-Homepages ansteuern. Sie finden stattdessen alle Programme gebündelt an einem Ort: der offiziellen Seite zur jeweiligen Wahl, beispielsweise zur Bundestagswahl 2021. Auf der Seite werden sowohl die vollständigen Programme als auch Kurzfassungen und zum Teil sogar Links zu Audiodateien angeboten. Außerdem finden Sie dort Umfragen, Infos zu Kandidaten, die möglichen Koalitionen, wichtige Termine und allerhand Fakten zur Wahl. Die Landeszentrale für politische Bildung bietet übrigens Wahlprogramme in leichter Sprache an.

Wenn Sie Fragen zur Briefwahl haben, werden Sie am schnellsten fündig, wenn Sie vor der jeweiligen Wahl den Begriff „Briefwahl“ bei Google eingeben. Eines der Ergebnisse für die Bundestagswahl führt dann zum Beispiel auf die Seite bundeswahlleiter.de.

Möchten Sie hingegen nicht viel Zeit in Ihre Recherche investieren, gibt es praktische Hilfsmittel wie den Wahl-O-Mat. Dahinter verbirgt sich ein Internet-Fragenkatalog, der als Wahlentscheidungshilfe gedacht ist und in Deutschland für Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen bereits seit fast 20 Jahren von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) angeboten wird.

Das Ganze funktioniert in der Praxis so: Nutzerinnen und Nutzer beantworten durch einfaches Anklicken 38 Fragen zu politischen Themen mit den Antwortmöglichkeiten „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“. Danach können Sie bestimmte Antworten gewichten, um deutlich zu machen, welche politischen Bereiche ihnen wichtig sind. Vor der Auswertung haben Sie dann die Wahl, entweder einige Parteien anzuklicken, mit denen sie sich vergleichen wollen, oder direkt den Haken bei „alle Parteien“ zu setzen. Zum Schluss wird angezeigt, wie stark die Parteien mit Ihnen übereinstimmen.

Wenn es um das generelle Einholen von Informationen rund um das politische Tagesgeschehen geht, spielt gerade für die Älteren das Fernsehen mit klassischen Formaten wie der Tagesschau noch immer eine bestimmende Rolle. Das belegt eine Studie der Universität Hohenheim. Sollten Ihnen die 20-Uhr-Nachrichten und die Tageszeitung jedoch nicht immer aktuell genug sein, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel zum Nachrichtenkonsum im Internet.

Wenn der Gang ins Wahllokal nicht möglich ist

Wenn Sie nicht mehr gut zu Fuß sind und der Gang ins Wahllokal schwerlich möglich ist, gibt es Alternativen: Die beste ist vermutlich die oben bereits angesprochene Briefwahl. Dafür müssen Sie auch gar nicht viel machen: Mit der Wahlbenachrichtigung erhalten Sie den Briefwahlantrag, den Sie dann an das angegebene Bezirksamt schicken. Alternativ können Sie den Antrag auch ganz leicht online auf der Seite Ihrer Stadt stellen. Hier die Beispiele für Berlin und Hamburg. Danach erhalten Sie dann alle Unterlagen, um postalisch Ihre Stimme abzugeben.

Wenn Sie doch gerne persönlich ins Wahllokal gehen möchten, können Sie einen Fahrdienst nutzen. Ob es in Ihrem Wahlkreis ein solches Angebot gibt, müssten Sie mit einer Google-Recherche selbst in Erfahrung bringen. Suchen Sie dafür am besten mit den Begriffen „Wahl + Fahrdienst + [Ihr Wahlkreis]“. Alternativ können Sie auch Fahrdienst-Angebote über die Malteser in Anspruch nehmen.

Die Stimmabgabe wird außerdem in vielen Alten- und Pflegeheimen direkt ermöglicht. In der Bundeswahlordnung, der deutschen Rechtsverordnung für die Durchführung der Bundestagswahl, gibt es zum Beispiel für die Stimmabgabe in kleineren Krankenhäusern und kleineren Alten- oder Pflegeheimen, eine feste Vorgabe.

Wahlhelferin und Wahlhelfer – ein wichtiges Ehrenamt

Die Wahl ist das Fundament unserer Demokratie. Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, diesen Prozess ehrenamtlich unterstützen zu wollen, haben wir die wichtigsten Informationen zum Ehrenamt der Wahlhelferin beziehungsweise des Wahlhelfers hier für Sie zusammengetragen.

In der Kurzzusammenfassung: Wahlen werden nicht von staatlichen Verwaltungsorganen organisiert, sondern zur Wahrung der Neutralität von unabhängigen Wahlorganen. Diese bestehen aus Bürgerinnen und Bürgern, die in ihrer Rolle als Wahlhelferin oder Wahlhelfer den Urnengang nach festen Regeln ermöglichen und unter anderem Manipulationen verhindern. Das Organisations-Team eines Wahllokals heißt Wahlvorstand. Innerhalb dieses Wahlvorstands gibt es klar verteilte Aufgaben. Die meisten Wahlhelferinnen und Wahlhelfer melden sich übrigens freiwillig für dieses Ehrenamt – jede und jeder Wahlberechtigte darf mitmachen. Wenn Sie nun aktiv werden möchten, melden Sie sich am besten direkt bei der zuständigen Landeswahlleitung (Googeln Sie zum Beispiel „Landeswahlleitung + [Ihr Bundesland] oder „Wahlhelfer werden + [Ihr Bundesland]“). Im Regelfall werden Sie dann einem Wahllokal in Ihrem Wahlkreis zugeteilt. Wichtig: Bewerben Sie sich frühzeitig, ansonsten sind die Stellen womöglich schon vergeben.

Integration von Älteren? Wahlprüfstein gibt Auskunft

Wenn hierzulande Interessensverbände beziehungsweise Lobbyorganisationen Anfragen an die Parteien übermitteln und diese anschließend entsprechende Antworten liefern, spricht man von einem Wahlprüfstein. Ein sekundäres Ziel der Wahlprüfsteine ist ebenfalls die erleichterte Entscheidungsfindung der Wählerinnen und Wähler. Die Antworten können Ihnen Anhaltspunkte über die politische Agenda der Parteien liefern. Wahlprüfsteine gibt es zu allen möglichen Themen, darunter vieles, was vor allem für die ältere Generation interessant ist: Wohnen im Alter, die Zukunft der Pflege usw.

So hat auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO) solche Wahlprüfsteine für die diesjährige Wahl erstellt. Einer dieser Wahlprüfsteine befasst sich mit dem freiwilligen und ehrenamtlichen Engagement älterer Menschen. SPD, CDU/CSU, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen haben zum Beispiel beantwortet, wie sie Menschen in benachteiligten Lebenslagen Zugang zu Engagement und Partizipation ermöglichen werden. Oder wie sie zukünftig die Engagements unterstützende Infrastruktur fördern wollen. Solche Wahlprüfsteine können Ihnen bei Ihrer ganz persönlichen Entscheidungsfindung also ebenfalls helfen.


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