Hochwasser in Deutschland

Als im Frühsommer 2013 eine Jahrhundertflut Teile Deutschlands überschwemmte, konnte niemand ahnen, welche Spätfolgen das Hochwasser mit sich bringen würde. Es ist daher kaum verwunderlich, dass wir in erstaunte Gesichter blicken, wenn klar wird, dass die Malteser sich auch jetzt noch in der Hochwasserhilfe engagieren. „Das ist doch schon lange vorbei“ ist eine der häufigsten Antworten. Ja, das stimmt, das Hochwasser ist inzwischen vorbei. Die Schäden aber sind geblieben. Häuser müssen saniert und zum Teil vollständig erneuert werden, Menschen haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren.

Schwerer als der materielle Verlust wiegen allerdings die seelischen Schäden, die das Hochwasser hinterlassen hat. Viele Betroffene leiden heute unter Schlafstörungen, Angstzuständen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen. Diakon Reiner Fleischmann, Leiter der Krisenintervention und Notfallseelsorge, gibt zu bedenken, dass die seelischen Verletzungen immer wieder aufbrechen – sei es durch Bilder, Gespräche oder das Wissen um unwiederbringliche Verluste persönlicher Gegenstände.

An diesem Punkt setzen auch die Malteser ihre Arbeit, über die Notfallversorgung hinaus, fort. Seit August 2013 wurden über 700 Beratungsgespräche geführt. Die Malteser begleiten Betroffene, unterstützen sie bei Anträgen, führen Gespräche und hören zu. Mehr als zwei Jahre Sanierung, Schimmel, Abriss und die Sorge, ob das Geld reicht, gehen an die Substanz.

Ziele

  • Schnelle Hilfe
  • Persönliche Betreuung
  • Ärztliche (Notfall-)Versorgung
  • Medizinische Betreuung
  • Psychosoziale Betreuung
  • Trost spenden

Maßnahmen

Im bayrischen Deggendorf haben eine Sozialpädagogin und einen Psychologe die Aufgaben der ursprünglich ehrenamtlichen psychosozialen Versorgung übernommen. Gemeinsam kümmern sie sich um die Bedürfnisse der Betroffenen. Zu diesem Angebot gehört zum Beispiel die fachliche Vermittlung von Stressbewältigungs- und Entspannungsmethoden. Bei Bedarf werden Leidtragende an Therapeuten oder in Fachkliniken vermittelt. „Ich finde es sehr wichtig, dass die Hilfe an der Seele der Betroffenen nicht hinter der materiellen Hilfe hinten ansteht“, sagt Reiner Fleischmann.

Zum „Wiederaufbau der Seele“ gehört auch die Unterstützung im Bereich der Einzelfallhilfe. Am 30. Juni 2015 endete die Antragsfrist auf staatliche Hilfe für Flutopfer. Aber längst nicht jeder Betroffene kann den Eigenanteil von 20% des Gesamtschadens selbst finanzieren. Die Malteser unterstützen wirtschaftlich oder persönlich bedürftige Menschen im Rahmen des Eigenanteils. Die finanzielle Zuwendung entlastet die Hochwasseropfer nicht nur geldmäßig, sondern nimmt eine weitere Last von ihren Schultern. 

 

 

Projektinfos

Malteser Hochwasserhilfe füllt Sandsäcke zur Prävention

Wo: Bayern

Was: Erstbetreuung, Psychosoziale Notfallversorgung und Unterstützung bei Hochwasser

Finanzierung: Spenden