Trier. Ein ausverkauftes Haus, 800 begeisterte Gäste und viele emotionale Momente: Die Benefiz-Konzertlesung „Letzte Lieder“ der Malteser hat am Samstagabend in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin das Publikum bewegt, zum Nachdenken angeregt und zugleich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Wolfram Leibe erlebten die Besucherinnen und Besucher einen außergewöhnlichen Abend, der sich auf einfühlsame Weise mit dem Leben, dem Sterben und dem Abschiednehmen auseinandersetzte. Der Erlös der Veranstaltung kommt dem ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Malteser in Trier zugute.
Mit einem Grußwort eröffneten Schirmherr und Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der stellvertretende Diözesanleiter der Malteser, Kai Sattler, sowie Malteser Hospizleiterin Dajana Frömberg den Abend. Im Mittelpunkt stand das Projekt „Letzte Lieder“ des Autors, Bühnenkünstlers und Regisseurs Stefan Weiller, das Menschen und ihre ganz persönlichen Geschichten rund um das Lebensende in den Mittelpunkt stellt.
Die Rezitatoren Birgitta Assheuer und Christoph Maria Herbst verliehen den Geschichten mit ihren angenehmen, ausdrucksstarken Stimmen eine besondere Intensität. Dabei ging es keineswegs ausschließlich um Traurigkeit und Abschied. Neben tief bewegenden Erzählungen fanden auch heitere und überraschende Anekdoten ihren Platz – von Kindheitserinnerungen über Geschichten rund um Grumbeersalat bis hin zu Bezügen zum SVE Trier. Die Geschichten zeigten: Menschen jeden Alters haben etwas zu erzählen, und jedes Leben ist auf seine Weise einzigartig.
Musikalisch spannte der Abend einen ebenso vielseitigen Bogen. Die Sängerinnen Mareike Bender und Christina Schmid begeisterten mit ihren Stimmen und interpretierten neben weiteren Musikgruppen wie den Leyendecker Bloas und einer Band unter anderem Lieder von Whitney Houston, Nirvana, Herbert Grönemeyer sowie das bekannte Kinderlied „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“. Auch klassische Opernklänge wie „Lascia ch’io pianga“ fanden ihren Platz im Programm. Die Hymne des SVE Trier sorgte für einen besonders stimmungsvollen, regionalen Bezug.
Zu den musikalischen Höhepunkten gehörten außerdem die Auftritte des Kathedral-Jugendchors Trier und zahlreicher Solistinnen und Solisten. Dazu zählten die Harfenistin Mónica Rincón, Alexander Konrad am Akkordeon sowie die Trommelgruppe Palongo aus Trier-Ehrang. Auch der Tanzsportclub Trier bereicherte den Abend mit schwungvollen Tanzeinlagen. Dass Musik und Bewegung Menschen verbinden, zeigte sich spätestens, als die Sängerinnen sogar den Oberbürgermeister zum Tanz aufforderten. So wechselten sich nachdenkliche Augenblicke und beschwingte Momente ab.
Den Tod ins Leben holen
Neben Musik und Geschichten waren es vor allem die Gedanken und Botschaften des Abends, die nachwirkten. Eine der Erzählungen stellte eine Frage, die viele Menschen kennen: Erinnern Sie sich noch an das erste Mal, als Sie ein Neugeborenes im Arm hielten? Wie fasst man es richtig an? Was braucht es? Was tröstet es? Ähnliche Fragen beschäftigen auch Menschen, die erstmals mit Sterbenden in Kontakt kommen. Doch während bei einem Neugeborenen meist Neugier und Fürsorge überwiegen, ist die Begegnung mit dem Sterben häufig von Unsicherheit und Angst geprägt.
Eine Botschaft eines sterbenden Menschen lautete deshalb: Lasst das Sterben in eure Gedanken. Verdrängt es nicht. Besucht Menschen, die im Sterben liegen. Denn jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens beide Seiten kennenlernen – die des Lebens und die des Sterbens.
Auch eine nachdenkliche Frage zog sich durch den Abend: Welche Bedeutung hätte unser Leben, wenn es nicht endlich wäre? Was wäre das Leben ohne den Tod?
Besonders eindrücklich war die Geschichte einer Großmutter, die ihrem Enkel in sein Poesiealbum schrieb, sein Leben sei wie eine Stradivari: Benutze man sie nicht, sei sie lediglich ein Stück Holz. Spiele man jedoch auf ihr, könnten die schönsten Klänge und Melodien entstehen. Die Botschaft dahinter: Lebe dein Leben!
So wurde im Laufe des Abends immer deutlicher: Entscheidend ist nicht allein, wie wir sterben, sondern vor allem, wie wir leben. Es geht darum, dem eigenen Leben einen Inhalt und einen Sinn zu geben, bewusst Zeit mit anderen Menschen zu verbringen und die Möglichkeiten zu nutzen, die sich uns bieten. Denn die Zeit, die uns bleibt, ist endlich.
Unterstützung für die Hospizarbeit
Auch abseits des Bühnenprogramms konnten die Gäste die Arbeit der Malteser unterstützen. In der Pause wurden Getränke und Snacks angeboten. Der Erlös daraus kommt ebenfalls dem ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Malteser zugute.
Der Hospizdienst bedankt sich herzlich bei allen Gästen, die mit ihrem Besuch und ihrer Unterstützung dazu beigetragen haben, die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Zugehörigen und trauernden Menschen zu ermöglichen. Denn der Bedarf an ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleitern ist weiterhin sehr hoch. Sie schenken schwerkranken Menschen und ihren Familien etwas besonders Wertvolles: Zeit, Zuwendung und das Gefühl, in einer schwierigen Lebensphase nicht allein zu sein.
Die ausverkaufte Konzertlesung hat eindrucksvoll gezeigt, dass man sich dem Thema Tod nicht ausschließlich in Trauer und Schwere nähern muss. Mit Musik, Humor, persönlichen Geschichten und viel Menschlichkeit ist es gelungen, einen Abend zu gestalten, der dazu einlädt, über das Sterben nachzudenken – und das Leben umso bewusster zu leben.