Autofahren und Führerschein im Alter

Das eigene Auto bedeutet Mobilität und Flexibilität – gerade für Seniorinnen und Senioren. Aber wann sollten Sie als älterer Mensch das Auto vielleicht doch lieber stehen lassen? Und welche Alternativen haben Sie dann?

Verursachen Ältere häufiger Unfälle?

Dass auch Fahrerinnen und Fahrer fortgeschrittenen Alters nicht auf die Freiheit eines eigenen Autos verzichten wollen, mag vielen als Risiko im Straßenverkehr erscheinen. Statistisch gesehen sind Menschen ab 65 Jahren allerdings nicht überdurchschnittlich oft an Unfällen beteiligt. Sie fahren in der Regel vorsichtiger und routinierter als jüngere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer und kompensieren dadurch einige altersbedingte Defizite. Trotzdem müssen sich Seniorinnen und Senioren mit fortschreitendem Alter immer wieder kritisch mit der eigenen Fahrtüchtigkeit auseinandersetzen – und auch Alternativen in Betracht ziehen.

Bin ich noch fürs Autofahren geeignet?

Ganz klar: Mit dem Älterwerden schwindet unsere Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen, die für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr relevant sind. Umso wichtiger ist es, Schwächen rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

Habe ich alles im Blick?

Ein ausreichendes Sehvermögen ist fürs Autofahren, wenig überraschend, unerlässlich. Deshalb sollten Sie ab 60 Jahren regelmäßig – empfohlen wird einmal im Jahr – einen Sehtest machen lassen. Viele haben besonders bei Nacht oder Regen Probleme mit der Sehfähigkeit, trotz Brille oder Kontaktlinsen. Gehen Sie in diesem Fall besser auf Nummer Sicher und vermeiden Sie möglichst Fahrten unter diesen Bedingungen.

Höre ich da was?

Auch gutes Hören ist ein Sicherheitsfaktor. Sich nähernde Einsatzfahrzeuge mit Sirene sollten Sie rechtzeitig hören – denn jede Verzögerung oder gar ein Unfall können hier schlimme Folgen haben. Ein Besuch bei einer HNO-Ärztin beziehungsweise einem HNO-Arzt oder einer Hörgeräte-Akustikerin beziehungsweise einem Hörgeräte-Akustiker schafft Klarheit.

Bin ich geistig noch fit?

Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss laufend komplexe Situationen richtig einschätzen und entsprechend reagieren können. Eine Fähigkeit, die ebenfalls mit dem Älterwerden deutlich nachlassen kann. Auch hier empfiehlt es sich, regelmäßig die eigene Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Eine erste Einschätzung gewährt zum Beispiel der Online-Test des DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat), der Wahrnehmung, Gedächtnis und Reaktionsvermögen checkt.

Bin ich generell noch fahrtüchtig?

Die oben genannten Punkte sind natürlich nur einzelne Faktoren. Unabhängig davon ist es ratsam, die persönliche Fahrtüchtigkeit auch in der Praxis zu testen. So bieten Automobilclubs oder der TÜV regelmäßig Fahrsicherheitstrainings an – auch speziell für Seniorinnen und Senioren. Beim Fahr-Fitness-Check des ADAC sind Sie mit einem Fahrlehrer unterwegs, der Ihre Fahrleistungen und Kenntnisse objektiv bewertet und wichtige Praxis-Tipps gibt. Und keine Sorge: Fehler haben hier keine Folgen für Sie.

Führerschein abgeben – und dann?

Es gibt keine Regelung, die besagt, ab welchem Alter wir kein Auto mehr fahren und den Führerschein abgeben sollten. Zumindest in Deutschland. Viele andere europäische Länder, wie die Schweiz oder Portugal, fordern ab einem bestimmten Alter regelmäßige Eignungstests. Und das ergibt durchaus Sinn. Schließlich gibt es Menschen, die beispielsweise krankheitsbedingt schon mit 60 Jahren kein Fahrzeug mehr führen sollten, während andere mit über 80 noch topfit hinter dem Steuer sitzen.

Ein Führerscheinentzug aufgrund des Alters erfolgt bei uns meistens erst dann, wenn beispielsweise nach einem Unfall ein Eignungstest behördlich angeordnet und dann nicht bestanden wird. Umso wichtiger ist es, im Zweifelsfall mit sich selbst ehrlich zu sein, das Auto stehenzulassen und die Fahrerlaubnis vielleicht sogar freiwillig abzugeben. Aber was sind dann die Alternativen?

An erster Stelle steht da für viele natürlich der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Einige Städte und Kommunen „belohnen“ die Abgabe des Führerscheins sogar mit einem Jahresticket für Bus und Bahn. Gerade in Gegenden mit einem gut ausgebauten Verkehrsnetz und hoher Taktung eine gute Möglichkeit, mobil zu bleiben.

Anders sieht es jedoch oftmals in ländlichen Gegenden aus, wo Busse nur wenige Male am Tag fahren. Ein Angebot, das immer mehr Gemeinden ihren älteren Bürgerinnen und Bürgern machen, sind die sogenannten Bürger-Autos: ein kommunales Fahrzeug mit Fahrer, das per Telefon oder App bestellt wird, und die Menschen, deutlich günstiger als ein Taxi, innerhalb eines bestimmten Umkreises zu ihrem Ziel bringt.

Ebenfalls eher in ländlichen Gegenden kann man mancherorts auf „Mitfahrbänken“ Platz nehmen und damit signalisieren, gerne in eine bestimmte Richtung oder einen bestimmten Ort mitgenommen zu werden. Eine unkomplizierte Lösung, die natürlich am besten funktioniert, wenn sich die Menschen kennen und vertrauen.

Tipps für Seniorinnen und Senioren am Steuer

Einsteigen

Setzen Sie sich zuerst seitlich auf den Sitz, die Beine noch draußen. Nehmen Sie jetzt schon den Gurt über den linken Arm, bevor Sie sich ganz ins Auto setzen. So ersparen Sie sich umständliche Verrenkungen beim Anschnallen.

Sitzposition

Viele haben sich über die Jahre an „ihre“ Sitzposition gewöhnt – was nicht bedeutet, dass diese richtig ist. Ob Sitzhöhe, Neigung oder Abstand zu Lenkrad und Pedalen – alles hat Einfluss auf die Fahrzeugkontrolle. Der ADAC zeigt hier, wie Sie die richtige Position finden.

Bekleidung

Ziehen Sie, auch wenn es kalt ist, vor dem Autofahren die Jacke aus. Dies erhöht die Bewegungsfreiheit und die Sicherheit. Denn je dicker die Bekleidung, desto mehr Spiel hat der Sicherheitsgurt, was im Ernstfall ein Nachteil sein kann.

Technische Hilfen

Spurhalteassistent, Kurvenlicht oder automatische Einparkfunktion sind heute längst keine technischen Spielereien mehr, sondern praktische Hilfen. Sie finden diese in vielen neuen Automodellen aber auch schon in günstigeren Gebraucht- und Jahreswagen.

Planung

Vermeiden Sie die Stoßzeiten, denn mehr Verkehr bedeutet mehr Stress und Risiko. Planen Sie zudem für jede Fahrt genug Zeit ein, so müssen Sie sich unterwegs nicht selbst unter Druck setzen.


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