Johanna Klug im Interview: „Der Tod ist ein wichtiges Puzzlestück des Lebens“

Johanna Klug beim Jubiläum des Malteser Hospiz-Zentrums in Hamburg-Volksdorf
Johanna Klug, Autorin sowie Sterbe- und Trauerbegleiterin, beim 35-jährigen Jubiläum des Malteser Hospiz-Zentrums in Hamburg-Volksdorf

Malteser im Norden: Johanna, was verbindet dich mit dem Hospiz-Zentrum in Volksdorf?

Johanna Klug: Dieses Zentrum ist für mich ein ganz besonderer Ort. Ich habe hier vor ungefähr zehn Jahren meine Ausbildung gemacht. Es ist ein Ort, an den ich immer wieder gerne zurückkomme, weil so viele besondere Erinnerungen daran geknüpft sind – und auch, weil ich Hamburg sehr liebe.

Malteser im Norden: Wie bist du überhaupt zur Sterbe- und Trauerbegleitung gekommen?

Johanna Klug: Mit 16 habe ich aus einem Impuls heraus im Pflegeheim angefangen und mich dort zwei Jahre engagiert, oft nach der Schule oder am Wochenende. Ich habe schnell gemerkt: Das bewegt mich total und ich kann das gut. Diese Verbindung zu Menschen war ein sehr schönes Gefühl. Im Studium kam dann der Gedanke: Ich möchte Sterbende begleiten. Für mich war das, das Sinnstiftendste überhaupt. Deshalb bin ich auf eine Palliativstation gegangen und habe mich dort lange eingebracht. Später hat mich mein Weg nach Hamburg geführt, auch zu euch zur Ausbildung. Seitdem hat sich mein Weg immer weiterentwickelt, sodass ich heute das Thema auch als Autorin in die Öffentlichkeit trage.

Malteser im Norden: Wie reagieren Menschen, wenn du erzählst, was du machst?

Johanna Klug: Oft müssen die Menschen erstmal tief durchatmen. Viele hätten das nicht erwartet. Ganz häufig kommt der Satz: „Du bist ja noch so jung. Wie kannst du dich mit so einem schweren Thema beschäftigen? Ich könnte das nicht.“ Manchmal merke ich eine gewisse Abwehr oder Distanz. Aber oft passiert auch das Gegenteil: Es öffnen sich Räume. Wir kommen ins Gespräch und plötzlich merken die Menschen: Es war gar nicht so schwer, darüber zu sprechen. Das finde ich schön. Dem Thema eine neue Leichtigkeit zu geben.

Malteser im Norden: Warum ist es so wichtig, dass es Hospize gibt?

Johanna Klug: Ich finde es total wichtig, dass es Hospize und Palliativstationen gibt. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass das Thema viel mehr mitten im Leben stattfindet und nicht nur ausgelagert ist. Viele Menschen setzen sich erst dann damit auseinander, wenn sie selbst betroffen sind. Dann ist es eine Ausnahmesituation. Viel gesünder wäre es, sich schon viel früher damit zu beschäftigen und zu schauen: Was macht dieses Thema eigentlich mit mir?

Malteser im Norden: Was hat dich diese Arbeit persönlich über das Leben gelehrt?

Johanna Klug: Ich habe kürzlich ein Zitat von Irvin Yalom gelesen: „Je mehr ungelebtes Leben in dir ist, desto mehr Angst hast du auch vor dem Tod.“ Das beschreibt es sehr gut. Für mich ist der Tod ein wichtiges Puzzlestück. Erst dadurch wird das Leben vollständig. Wie sollen wir ganz leben, wenn ein Teil fehlt? Und ich glaube, wir dürfen lernen zu akzeptieren, dass wir vieles nicht kontrollieren können – im Leben wie im Sterben. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis: das Leben vertrauensvoll anzunehmen.

Malteser im Norden: Du arbeitest auch viel mit Kindern. Warum ist dir das wichtig?

Johanna Klug: Kinder sind unglaublich weise. Wir können viel von ihnen lernen. Sie haben oft gar keine Hemmschwelle beim Thema Tod. Das macht die Auseinandersetzung so erfrischend und offen. Und genau deshalb ist es mir wichtig, sie einzubeziehen.

Malteser im Norden: Was möchtest du dem Hospiz-Zentrum zum Jubiläum mit auf den Weg geben?

Johanna Klug: Ich wünsche euch, dass ihr weiterhin mit so viel Herz, Leidenschaft und Engagement Menschen inspiriert. Und natürlich: auf die nächsten 100 Jahre!


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