„Harmonische Vielfalt ist ein wertvolles Gut“

Zertifikate für sechs neue Kulturdolmetschende (Foto Bakhodir Karshiboev).
Zertifikate für sechs neue Kulturdolmetschende (Foto Bakhodir Karshiboev).

Bad Tölz – Geretsried – Wolfratshausen. Sechs neue ehrenamtliche Kulturdolmetschende unterstützen künftig Zugewanderte im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen dabei, sprachliche und kulturelle Hürden zu überwinden. Am 31. Oktober erhielten sie im Caritaszentrum Geretsried ihre Zertifikate. Zuvor hatten sie das siebte Seminar „Kulturdolmetscher plus – sharing empowerment ®“ absolviert. Damit stehen im Landkreis rund 40 ehrenamtliche Kulturdolmetschende zur Verfügung. 

Die Engagierten haben selbst Erfahrungen mit dem Ankommen in Deutschland gesammelt und geben diese nun an andere weiter. Sie unterstützen die Verständigung bei Gesprächen mit Behörden, Schulen, Kindergärten, Ärztinnen und Ärzten sowie Privatpersonen. Ihr Einsatz hilft, kulturelle Hintergründe besser zu verstehen und Missverständnisse zu vermeiden. Seminarleiterin Ursula Steiner vom Malteser Hilfsdienst, die auch die Einsätze vermittelt, beschreibt ihre Aufgabe als Brückenbau zwischen den Kulturen: Sie helfen Zugewanderten, sich in Deutschland zurechtzufinden, und machen zugleich verständlich, welche Faktoren neben Sprachbarrieren das Miteinander erschweren können.

An der Zertifikatübergabe am 31. Oktober nahm auch die 3. Geretsrieder Bürgermeisterin Ann-Kathrin Güner teil. Sie betonte in ihrer Rede, dass die Vielfalt der Bevölkerung als ein Geschenk für jeden Mitbürger gesehen werden könne. „Eine harmonische Vielfalt ist ein wertvolles Gut in einer Gemeinde. Und gerade diese Vielfalt machen die Kulturdolmetschenden mit ihren Einsätzen in Geretsried und im ganzen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen als Brückenbauer sichtbar“.  Durch diese wertschätzenden Worte wurde den neuen Kulturdolmetschenden noch mehr bewusst, wie wichtig ihr künftiges Engagement für Geretsried und allen Gemeinden im Landkreis sein wird.

Das Angebot umfasst häufig nachgefragte Sprachen wie Ukrainisch, Russisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Türkisch und Kurdisch. Auch für Rumänisch, Tunesisch, Spanisch, Portugiesisch, Usbekisch, Tigrina und Myanmar ist Unterstützung bei wichtigen Gesprächen möglich, berichtet Steiner. „Der Bedarf ist da und es ist wichtig, dass immer mehr Menschen dieses Angebot kennen und in Anspruch nehmen können.“

Das Seminar baut auf den persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden auf. Dadurch sei jeder Kurs anders und von gegenseitigem Lernen geprägt, erklärt Dorothea Bigos, Organisatorin vom Katholischen Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen. Alexandra Brücher-Huberova, Ehrenamtskoordinatorin der Caritas und Seminarleiterin, nennt kultursensible Kommunikation, Gesundheit, Werte und Normen, Stereotype, Religion und Bildung als zentrale Themen.Auch die zertifizierte Referentin Jihan Bahiat aus dem Irak hat den Kurs selbst vor vier Jahren besucht. Dabei habe sie erkannt, wie wichtig es sei, die eigene Kultur und deren Einfluss auf das eigene Denken zu verstehen. Dieses Bewusstsein erleichtere es, anderen Kulturen auf Augenhöhe zu begegnen und einander zu respektieren.

Das Seminar „Kulturdolmetscher plus – sharing empowerment ®“ fand an drei Wochenenden im Oktober statt und wurde von der Erzdiözese München-Freising finanziert. Das Curriculum erarbeitete die Domberg Akademie gemeinsam mit dem Dachauer Forum. Wer Unterstützung durch Kulturdolmetschende benötigt oder mehr über das Angebot erfahren möchte, kann sich an Kulturdolmetscher.WOR@malteser.org wenden. Weitere Informationen: www.malteser-bistum-muenchen.de/kdm


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