Wie acht Malteser-Fahrdienst-Busse und ein Modellprojekt zum Glücksfall für einen Weißenfelser wurden

Fahrer im Malteser Fahrdienst Weißenfels
Malteser in Weißenfels im Gespräch mit Mitarbeiterin der Arbeitsagentur

Wie sehr ihn sein Beruf einmal erfüllen würde, das hätte sich Heiko Blenke noch vor einigen Jahren nicht vorstellen können. Doch heute sagt er: „Hätte ich vor 15 Jahren schon gewusst, dass es eine solche Aufgabe gibt, dann hätte ich das damals schon gemacht“, sagt der 55-Jährige über seine Arbeit im Malteser-Fahrdienst in Weißenfels.

Morgens und mittags ist er unterwegs und fährt Kinder mit Beeinträchtigung zur Schule, holt sie dort wieder ab oder fährt sie von einem Sammelpunkt wieder nach Hause. Was ihn dabei bewegt: „Ich kann anderen helfen. Das macht Spaß.“ Dafür früh aufstehen zu müssen – um 7 Uhr morgens geht es für ihn los –, schreckt ihn nicht ab. Im Gegenteil: Die festen Arbeitszeiten und die Verantwortung für seine kleinen Fahrgäste geben seinem Alltag Struktur und Sinn.

Modellprojekt wird Wendepunkt für Arbeitsleben und Gesundheit

Dass er heute an diesem Punkt seines Lebens steht, hat der Weißenfelser einem Modellprojekt des Jobcenters Burgenlandkreis zu verdanken. „Prävention durch Veränderung“ hatte sich das Ziel gesetzt, Menschen wieder für das Arbeitsleben fit zu machen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen dafür nicht mehr verfügbar waren. „Nicht am Arbeitsleben teilnehmen zu können, hat ganz unterschiedliche Gründe. Da reicht manchmal einfach nicht, freie Stellen und Menschen ohne Arbeit zu haben. Deshalb haben wir bewusst darauf geachtet, etwas für die individuelle gesundheitliche Situation der Menschen zu tun, sie mit sozialpädagogischen Angeboten zu stärken und die persönliche Situation nicht aus den Augen zu lassen“, erzählt Projektleiterin Annett Kötteritz. 

Gelernt hatte Heiko Blenke ursprünglich Dreher, später als Helfer auf dem Bau gearbeitet. Doch das war irgendwann nicht mehr möglich. Heiko Blenke hatte mit starken Schmerzen zu kämpfen. Der Wechsel in einen anderen Beruf war für ihn damit unmöglich. Selbst passende Hilfe zu finden, gelang ihm nicht – und die Bürokratie machte ihm zu schaffen. Bis das Jobcenter, das mit der Stiftung Bildung & Handwerk Nordost (SBH Nordost) zusammenarbeitet, ihn ins Modellprojekt aufnimmt.

In Workshops und Förderangeboten, Gruppen- und Einzelgesprächen des Projekts trifft Heiko Blenke auf andere Menschen, die in ähnlichen Situationen stecken. Schritt für Schritt lernt er, sich wieder auf Menschen einzulassen, zuzuhören, die eigene Situation und auch die Frustration im Umgang mit Behörden zu bewältigen. Sein Selbstvertrauen wächst. Und er findet in einem ganz individuellen Punkt Gehör: Das Modellprojekt vermittelt ihm eine Schmerztherapie. „Das war der entscheidende Wendepunkt für Herrn Blenke“, stellt Annett Kötteritz fest. 

Sinnvolle Aufgabe im Malteser Fahrdienst

Und sie liegt richtig: Ende Juli 2025 endet für Heiko Blenke das Modellprojekt. Zwei Monate später unterschreibt er seinen Arbeitsvertrag bei den Maltesern. Dabei hat der Zufall ihm in die Hände gespielt. „Ich stand bei mir zu Hause an der Bushaltestelle und wollte zum Projekt fahren. Da kam so eine Flotte von Transportern und an denen stand Malteser dran. Die waren alle schön neu.“ Ob es noch am selben Tag war oder etwas später, weiß er heute nicht mehr, aber: „Ich wurde dann im Projekt gefragt, welchen Job ich mir vorstellen könnte. Und ich habe gesagt: „Für die Malteser fahren.“

Also hat er sich beworben. Der Zeitpunkt ist günstig. Schon eine Woche danach hat er ein Vorstellungsgespräch. Das neue Schuljahr hat begonnen. Im Fahrdienst werden Kollegen gebraucht, die Touren übernehmen. „Und das hat dann geklappt“, erzählt er zufrieden. Er macht seinen Beförderungsschein. Auch wenn das wieder ein wenig Geduld erfordert, geht am Ende alles glatt. 

Seither arbeitet Heiko Blenke in Teilzeit, 20 Stunden die Woche im Fahrdienst. „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt und tue etwas Sinnvolles.“ Er blickt positiv auf seine Situation. Die Arbeit gibt ihm nicht nur ein eigenes Einkommen, sondern vor allem das Gefühl, gebraucht zu werden. „Wenn man nur zu Hause sitzt, ist das nicht das Leben“, sagt er. 

Sein Beispiel zeigt, wie berufliche Teilhabe Menschen stärken kann. Mit der richtigen Unterstützung, realistischen Zielen und einer sinnstiftenden Aufgabe lassen sich neue Perspektiven schaffen – für die Betroffenen ebenso wie für die Gesellschaft.


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