Diese Wärme finden sie freitags in der Wärmestube der katholischen St.-Richard-Gemeinde in Neukölln. Was von außen ein schlichter Gemeindesaal ist, verwandelt sich jede Woche auch Dank ehrenamtlicher Malteser für einige Stunden in eine gastfreundliche Stube.
Raum für Nächstenliebe
Schon beim Eintreten steigt der Duft von Eintopf in die Nase, Stimmen erfüllen den Raum, dazwischen gelegentlich ein lautes Lachen, Geschirrklappern. Über 60 Menschen haben am vergangenen Freitag, 6. Februar, hier wieder einen Platz gefunden: zum Durchatmen, Aufwärmen und vor allem für eine stärkende Mahlzeit. Möglich wird das durch Ehrenamtliche der St. Richard Gemeinde und Freiwillige des Malteser Integrationsdienstes aus Neukölln – ein eingespieltes Team, das Woche für Woche zeigt, was gelebte Nächstenliebe bedeutet.
Satt und glücklich
An diesem Freitag gibt es kräftigen Hackbällchen-Eintopf, dazu Salat und später Grießbrei mit Apfel und Zimt. Nichts Extravagantes, aber warm, sättigend und liebevoll zubereitet. „Genau richtig bei dieser Kälte“, sagt eine Helferin, während sie dampfenden Kakao in Thermoskannen füllt.
Der Hunger der Gäste spricht eine deutliche Sprache: Das Essen wird regelrecht verschlungen, viele holen sich eine zweite Portion. Die Unterstützung ist offensichtlich notwendig und sie kommt gut an.
Eine wohnungslose Frau hat an diesem Tag ihren 60. Geburtstag. Spontan stimmen alle „Happy Birthday“ an. Mit einem Teelicht und einem Stück Schokoladenkuchen erhält sie einen kleinen, improvisierten Glückwunsch, der ihr ein Lächeln ins vom Leben gezeichnete Gesicht zaubert. In ihren Augen schimmern Tränen. Ein kurzer Moment, der alle im Saal berührt.
Ehrenamt mit Herz und eigener Geschichte
Zeynep Firdevsoglu, Ehrenamtskoordinatorin im Integrationsdienst, organisiert seit Oktober den Einsatz der Malteser in der Wärmestube. Sie sorgt dafür, dass jeder weiß, was zu tun ist und jedes Gericht rechtzeitig auf den Tischen steht. Viele Gäste kennen sie und die anderen ehrenamtlich Helfenden bereits, denn die Wärmestube ist von Oktober bis Ende März jeden Freitag geöffnet.
Berührend sind auch die Geschichten und die Motivation der Freiwilligen, die hier helfen. Viele von ihnen haben selbst herausfordernde Wege hinter sich: Posseh kam vor über 20 Jahren aus Westafrika nach Berlin. „Ich bin bei den Maltesern, weil ich es liebe zu helfen. Ich liebe es, die Leute lächeln zu sehen“, sagt sie strahlend. Studentin Rexhina aus Albanien studiert Gesundheitsmanagement und unterstützt seit fünf Jahren den Integrationsdienst ehrenamtlich. Die aus der Ukraine stammende Natalia musste 2022 mit ihren Kindern aus Charkiw fliehen. Seit Oktober 2025 hilft sie in der Wärmestube mit und nutzt die Begegnungen, um ihr Deutsch weiter zu verbessern.
„Geschichten wie diese haben wir sehr viele im Integrationsdienst“, sagt Zeynep. Immer wieder gelingt es den Berliner Maltesern, Menschen mit eigener Migrationsgeschichte für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. „Wer selbst Unterstützung im Leben erfahren hat, weiß oft am besten, wie man sie weitergibt und macht dies auch gerne.“
Die Wärmestube in St. Richard ist ein Ort, an dem Wärme nicht nur aus der Küche kommt, sondern aus Begegnungen, Engagement und dem Wunsch, niemanden in der Kälte stehen zu lassen.
Möchten Sie sich ehrenamtlich in unserem Integrationsdienst engagieren? Hier finden Sie weitere Informationen und Kontakte.