Berlin. Heribert Rosenberg war 74 Jahre ehrenamtlich bei den Maltesern im Katastrophenschutz aktiv. Bereits als Jugendlicher engagierte sich Rosenberg mit 16 Jahren als Sanitäter beim Katholikentag 1952 in Berlin. Ein Jahr später schloss sich die Gruppe dem neu gegründeten Malteser Hilfsdienst an. Wenig später, während des Ungarn-Aufstands 1956, versorgte er bei einem seiner ersten Großeinsätze als junger Sanitäter Verletzte und Geflüchtete an der österreichisch-ungarischen Grenze. Inmitten dieses dramatischen Einsatzes bei Minusgraden wurde er sogar zum Geburtshelfer: Er half einer hochschwangeren Frau auf der Flucht bei der Geburt ihres Kindes – ein Moment, der ihn tief berührte, wie er später in einem Interview erzählte.
Vom Katholikentag bis zur Flüchtlingshilfe: Rosenbergs bewegenden Einsätze
Die Geschichte seines jahrzehntelangen Engagements als Katastrophenschützer ist beeindruckend, weil sie einzigartig und ausdauernd war: Von der Ersten Hilfe beim Weltkongress 1960 in München, beim Deutschen Turnfest 1968 in Berlin oder beim Papstbesuch 1996, bis hin zu seiner langjährigen Tätigkeit als Bezirksbeauftragter in Tiergarten und als ehrenamtlicher Diözesanreferent für Katastrophenschutz von 1984 bis 2005. Seine Motivation war oft die Nächstenliebe. „Ich brauchte kein Geld, für mich stand immer im Vordergrund, anderen Menschen zu helfen. Ehrenamt ist Ehrensache“, erzählte der pensionierte Postbeamte im Interview mit der BZ anlässlich seines 70. Engagementjubiläums.
Rosenbergs bewegtes Ehrenamtsleben dokumentierte der Rentner für sich selbst in einem prall gefüllten roten Leitz-Ordner: Über sieben Jahrzehnte sammelte der Berliner darin Zeitungsausschnitte, Urkunden und Erinnerungen über seine Ehrenamtsgeschichte bei der katholischen Hilfsorganisation. Die eigene Malteser Chronik präsentierte er gerne auch jüngeren Kollegen und Kolleginnen, um sie fürs Ehrenamt anzuwerben. Der Langzeit-Engagierte war zudem ein Medienliebling: Der Tagesspiegel, die BILD-Zeitung und die Berliner Woche berichteten zum 70-jährigen Engagementjubiläum und zum 90. Geburtstag über den vielleicht sogar ältesten Ehrenamtlichen Berlins.
Zum 90. Geburtstag reiste der Präsident an
Im vergangenen September feierte Rosenberg seinen 90. Geburtstag groß mit seiner Malteser Familie. Wegbegleiter aus dem Katastrophenschutz und sogar der Präsident der Malteser, Georg Khevenhüller, reisten eigens an, um dem Rentner zu gratulieren. Die Feier zum 90. Geburtstag hatte das Team der von den Maltesern betreuten Wohneinrichtung in der Rosenberg zuletzt lebte, liebevoll für ihn organisiert - mit einstudiertem Theaterstück, einer gedeckten Geburtstagstafel und Überraschungen.
Im Wohnpark in Berlin-Tempelhof lebte Rosenberg bis zuletzt und war dort noch lange ehrenamtlich aktiv. Nach Veranstaltungen half er, den Saal aufzuräumen oder deckte bei Kaffeekränzchen den Tisch. „Abends zog er oft alle Jalousien zu, wenn Dienstschluss war. Mit seinem liebevoll ‚Sternchen‘ genannten Auto erledigte er Einkäufe für andere Bewohnerinnen und Bewohner und übernahm kleine Reparaturen“, erinnert sich Malteser Mitarbeiterin Dagmar Gotsche. Im Dezember begleitete sie ihren Lieblingsbewohner noch bei einer großen Aktion auf den Weihnachtsmarkt. Dort hatten sich die Malteser für den Katastrophenschutz-Rentner im Rahmen ihrer Adventskalenderaktion eine Überraschung ganz nach Heriberts Geschmack einfallen lassen: Im Einsatzfahrzeug ging es am Tag des Ehrenamts am 5. Dezember auf dem Beifahrersitz eines Krankentransportwagens vom Betreuten Wohnen aus über den weihnachtlich beleuchteten Ku’Damm - eine verdiente Würdigung für sein Dauer-Engagement. Beim anschließenden Glühwein-Umtrunk standen Heribert Freudentränen in den Augen. Es sollte für den früheren Katastrophenschützer die letzte Fahrt in einem Einsatzwagen werden.
Ein Leben im Dienst am Nächsten
Heute, in den frühen Morgenstunden des 17. Juni schlief Heribert altersbedingt nach einer körperlichen Schwäche friedlich im Alter von 90 Jahren in einem Berliner Krankenhaus ein. In seinen letzten Stunden waren Malteser bei ihm und haben Gebetswache gehalten.
„Wir Malteser verlieren heute einen Menschen, der sein Leben anderen gewidmet hat. Heribert Rosenberg hat für die Malteser Beeindruckendes geleistet und den Dienst am Nächsten immer in den Vordergrund gestellt. Wir werden ihn und seine heitere Art vermissen“, so Diözesanleiter Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth.