Mühldorf am Inn. In Deutschland erleiden jährlich schätzungsweise rund 136.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand – durchschnittlich 370 Menschen pro Tag. Aktuelle Daten des Deutschen Reanimationsregisters für das Jahr 2024 zeigen: Bei mehr als jedem zweiten Notfall beginnen Ersthelfende bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Dennoch überleben bislang nur knapp elf Prozent der Betroffenen. Die Malteser werben deshalb anlässlich des Tags der Ersten Hilfe am 12. September dafür, Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen und sich zuzutrauen, im Notfall zu handeln. Denn eine möglichst früh begonnene Wiederbelebung kann Leben retten.
Hannelore Linka, Leiterin Ausbildung bei den Maltesern in Mühldorf, möchte dabei auch auf ein bislang wenig bekanntes Problem aufmerksam machen: Frauen werden bei einem Herzstillstand im öffentlichen Raum seltener durch Ersthelfende wiederbelebt als Männer. Das zeigt unter anderem eine 2024 veröffentlichte US-Registerstudie der Duke University School of Medicine. Das Forschungsteam wertete mehr als 309.000 Fälle von Herz-Kreislauf-Stillständen aus den Jahren 2013 bis 2019 aus. Demnach war die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen im öffentlichen Raum eine Laienreanimation erhielten, um 14 Prozent geringer als bei Männern. Als mögliche Gründe gelten Unsicherheit sowie Hemmungen, den Brustkorb freizulegen und die betroffene Person zu berühren. „Dabei gilt für Frauen und Männer gleichermaßen: Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute“, so Linka. Eine sofort begonnene Herzdruckmassage könne Leben retten und dürfe nicht an Unsicherheit oder falscher Zurückhaltung scheitern.
Um Berührungsängste und Unsicherheiten bei der Wiederbelebung von Frauen abzubauen, haben die Mühldorfer Malteser nun zwei Übungspuppen mit weiblichem Oberkörper angeschafft. In den praktischen Einheiten der Erste-Hilfe-Kurse können die Teilnehmenden damit die Wiederbelebung von Frauen unter realitätsnahen Bedingungen trainieren. Auch eine aktuelle Untersuchung der Medizinischen Universität Innsbruck unterstreicht die Bedeutung solcher Trainings: Dort fiel die Qualität der simulierten Wiederbelebung an einer weiblich gestalteten Übungspuppe schlechter aus als an einer männlichen.
„Im Ernstfall darf es keine Rolle spielen, ob eine Frau oder ein Mann vor uns liegt. Mit der neuen Übungspuppe können wir typische Unsicherheiten im geschützten Rahmen ansprechen und praktisch abbauen. Unser Ziel ist, dass die Teilnehmenden Vertrauen in ihre Fähigkeiten gewinnen und im Notfall ohne Zögern handeln“, erklärt Linka.
Finanziert wurden die neuen Übungspuppen aus einer Spende von 4.000 Euro. Der Inhaber von Uhren und Schmuck Baur hatte den Betrag den Mühldorfer Maltesern für die Erste-Hilfe-Ausbildung in der Region übergeben.
Fachverbände und Berufsgenossenschaften empfehlen, Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig – in der Regel alle zwei Jahre – aufzufrischen. Die Malteser bieten dafür fortlaufend Kurse an. Unternehmen, Vereine und andere geschlossene Gruppen können zudem individuelle Termine vereinbaren.
Informationen, Termine und Kursbuchung unter www.malteser-kurse.de. Beratung zu besonderen Kursformaten und individuellen Kursen bei Hannelore Linka unter Telefon 08631 18488-11.