Wennigsen (mhd). Das Spannungsverhältnis von Dankbarkeit und Hoffnung stand im Zentrum der 21. Ökumenischen Gerhardsvesper, zu der sich am Dienstagabend, 13. Oktober 2026, Mitglieder des evangelischen Johanniter- und des katholischen Malteserordens mit ihren jeweiligen Hilfsdiensten in der Klosterkirche Wennigsen trafen.
Die Welt im Oktober 2026 gibt auf den ersten Blick wenig Anlass, dankbar oder hoffnungsvoll zu sein. In der Ukraine sterben die Menschen in Schützengräben, anderswo an Hunger. Afghanistan und andere Länder werden von Diktaturen geknechtet und die Kirchen in Deutschland erheben nach Ansicht von Dr. Stephan Schaede eher Zahlen, als die Seele zum Herrn zu erheben. Und dennoch sieht der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD Hoffnung für diese Welt, die sich nicht zuletzt aus den Hilfsdiensten speist. In ökumenischer Verbundenheit trotzen sie dem Elend der Welt, sagte der evangelische Theologie in seiner Predigt bei der Gerhardsvesper.
Die Liturgie wurde geleitet von Pastor Dr. Wichard von Heyden von den Johannitern aus Gehrden und Bischof Dr. Michael Wüstenberg, Diözesanseelsorger der Malteser in der Diözese Hildesheim. Prof. Dr. Ulrich Riedl als Kantor sowie Barbara von Witzleben an der Orgel sorgten für die musikalische Untermalung.
Rund 150 Gläubige besuchten die diesjährige Gerhardsvesper, darunter auch Mitglieder befreundeter Orden. Daneben bestimmten wieder die Fahnen und die auffällige Dienstbekleidung der Helferinnen und Helfer aus beiden Hilfsdiensten das farbenprächtige Bild. Beim anschließenden Empfang im Klostersaal gab es reichlich Gelegenheit, einander kennen zu lernen.
Italienische Kaufleute gründeten im 11. Jahrhundert in Jerusalem ein Hospiz unter dem Namen des Heiligen Johannes. Einer der ersten Leiter dieses Hospizes war ein gewisser Gerhard, der später seliggesprochen wurde. Aus diesem Hospiz entstand ein Orden, der später den Namen Malteser erhielt. Während die Malteser nach der Reformation katholisch blieben, spaltete sich ein evangelischer Zweig ab, aus dem die Johanniter entstanden. Beide Orden haben somit die gleichen Wurzeln und feiern seit 2005 jedes Jahr am 13. Oktober – dem Namenstag ihres gemeinsamen Ordensvorbildes – eine Gerhardsvesper in der Klosterkirche von Wennigsen. Die Predigt wird im jährlichen Wechsel von einem katholischen und evangelischen Prediger gehalten.