Wechsel nach 33 Jahren

Am 30. September 2026 endete die Ära der Malteseser im Grenzdurchgangslager Friedland; Bildquelle: Lukas/Malteser

Friedland (mhd). Ein kleiner Teil deutscher Nachkriegsgeschichte geht zu Ende: 33 Jahre lang haben die Malteser die Krankenstation im Grenzdurchgangslager Friedland geführt und Tausende von Zuwanderern betreut. Zum 1. Oktober 2026 übergaben sie die Station nun an einen anderen Betreiber, der die medizinische Versorgung in Zukunft sicherstellt.


Von der kleinen Schürfwunde bis zur chronischen Erkrankung: Wer im Grenzdurchgangslager Friedland medizinische Hilfe benötigte, der machte mehr als drei Jahrzehnte lang Bekanntschaft mit den Maltesern. 1993 übernahm der katholische Hilfsdienst die Krankenstation in Haus 46. Das Malteser-Team kümmerte sich um die pflegerische Versorgung, betreute Erkrankte bei Bedarf in einem kleinen stationären Bereich und unterstützte die hausärztlichen Sprechstunden. Die Station war rund um die Uhr besetzt, ärztliche Sprechstunden fanden werktags statt.

Über die Jahre änderten sich die Menschen, die in Friedland ankamen, und mit ihnen die Anforderungen an die medizinische Versorgung. Neben Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern wurden zunehmend Menschen betreut, die vor Krieg und Verfolgung geflohen waren. In der Krankenstation ging es um akute Erkrankungen und Verletzungen, um die Versorgung pflegebedürftiger Menschen und um die Vermittlung weiterer ärztlicher Hilfe.

Besonders deutlich wurde die Belastung im Jahr 2015 durch den großen Zustrom von Geflüchteten. Während das Team damals im ersten Quartal rund 2.800 Patientengespräche führte, waren es allein im Juli 2015 rund 3.800.

2017 wurde die Krankenstation auch zum Erprobungsort für das Projekt DICTUM. Gemeinsam mit der Universitätsmedizin Göttingen, der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen und dem Unternehmen aidminutes testeten die Malteser eine digitale mehrsprachige Verständigungshilfe. Patientinnen und Patienten konnten Angaben zu ihrem Gesundheitszustand in 13 Sprachen und Dialekten machen. 2018 erhielt das Kooperationsprojekt die Auszeichnung „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“.

Nun endete die Verantwortung der Malteser für die Krankenstation. Die letzten Septembertage waren geprägt vom Räumen und Sortieren. Zum Oktober wurde die Station dann geordnet übergeben. Für viele Beschäftigte bedeutet dieser Einschnitt zugleich den Abschied von einem Arbeitsplatz, an dem sie über Jahre Menschen aus unterschiedlichen Ländern begegnet sind.

Lokaler Pressekontakt:
Thomas Bitterberg-Formanek, Referent Öffentlichkeitsarbeit der Malteser in Göttingen, Tel.: 0179 2618827, thomas.bitterberg-formanek@malteser.org 


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