Auf den Punkt

Unsere Malteser Dienste stellen sich vor: die Besuchs- und Begleitungsdienste

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Joachim Stretz / Malteser

Dass der Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser mit all seinen vielfältigen Angeboten zeitlos beziehungsweise alterslos ist, zeigt das Beispiel der 82-jährigen Hildegunde Schrader aus Paderborn. Sie kam vor rund drei Jahren als Gast in das Seniorencafé der Malteser und sagte: „Also, ich bin zu jung, um mich als Gast bedienen zu lassen. Ich habe das Helfersyndrom, ich möchte mit anpacken, ich kann nicht anders.“

Verbundenheit schaffen

Bereits beim nächsten Mal kam sie, um als Ehrenamtliche zu helfen. Sie kochte Kaffee und deckte die Tische. „Vor allem ist sie aber eine leidenschaftliche Waffelbäckerin und bedient drei Waffeleisen gleichzeitig. Sie ist immer mit Feuereifer dabei, und animiert auch weitere Gäste zu kommen“, berichtet Monika Franze, Leiterin des Sozialen Ehrenamtes und Koordinatorin des Besuchsdienstes in Paderborn.

Der Besuchsdienst, der einzelne Senioren und Seniorinnen zuhause besucht und im Jahr 2000 auf Bundesebene startete, bildet den Ausgangspunkt für unzählige weitere Angebote des Besuchs- und Begleitungsdienstes. Sie alle folgen dem Leitgedanken der Malteser „...weil Nähe zählt“, so Anke Neuner, die die Besuchs- und Begleitungsdienste bundesweit koordiniert: „Wir sehen uns nicht einfach als Dienstleister, sondern wir wollen persönliche Nähe, Verbundenheit und Beziehungen schaffen und die Menschen miteinander in Kontakt bringen.“

Oftmals das Highlight der Woche

So hat sich aus einem reinen Besuchsdienst inzwischen eine Bandbreite vielfältiger Angebote für ältere, oft einsame Menschen entwickelt. Dazu zählen der Besuchsdienst mit Hund, Telefon- und Friedhofsbesuche, Ausflüge mit dem Kulturbegleitungsdienst oder der Rikscha, der Mobile Einkaufswagen, unterschiedlichste gesellige Gruppenangebote sowie digitale Angebote. Insgesamt hat sich die Zahl in den letzten 15 Jahren von etwas über 200 Angeboten verdreifacht auf inzwischen 600, bei denen knapp 6.000 Ehrenamtliche rund 24.800 ältere Menschen erreichen.

Alle Angebote eint ein Ziel: Wie können einsame ältere Menschen wieder in die Selbstwirksamkeit, Geselligkeit und Gesellschaft zurückfinden? „Für viele ältere Menschen ist es oft das einzige Highlight in der Woche, das Erlebnis, auf das sie sich am meisten freuen,“ erklärt Anke Neuner. „Wenn ältere Menschen in chronische Einsamkeit geraten sind, ist es oft schwierig, diese Abwärtsspirale zu durchbrechen. Umso wichtiger, dass unsere Angebote auch präventiv gegen Einsamkeit wirken, egal ob für Begleitete oder im Ehrenamt.“

Voneinander lernen

Und beide Seiten können voneinander profitieren, wie das Beispiel der jungen Doktorandin Carolin aus Erlangen zeigt, die eine 90-Jährige regelmäßig besucht, mit ihr Spaziergänge unternimmt und resümiert, dass ihr die Treffen nicht nur Freude bereiten, sondern sie auch selbst etwas lernen und mitnehmen kann: „Ich merke, wie mich dieses Ehrenamt erdet. Ich selbst bin dann ganz im Moment. Wenn du mit einer älteren Seniorin unterwegs bist, dann bringt dir das die volle Entschleunigung. Da muss sie mal anhalten, atmen, schauen – und ich gleich mit, in ihrem Tempo.“

Bei den Vorgesprächen zwischen den Ehrenamtlichen und der Diensteleitung vor Ort werden die Vorerfahrungen, Interessen, Lebenssituation der Ehrenamtlichen abgeklärt, um möglichst passende Paare zusammenzubringen. „Manchmal geht es auch um Dialekte: Wenn eine zugezogene Person mit einem älteren Menschen aus einer ländlichen Gegend, zum Beispiel aus meiner fränkischen Heimat, zusammentrifft, kann es rein sprachlich schwierig werden,“ sagt Anke Neuner mit einem Augenzwinkern.

Austausch auf Augenhöhe

Eine Ansicht, von der sich der Besuchsdienst klar abgrenzen möchte, ist: „Die betütteln nur ältere Menschen, das ist nichts Besonderes.“ Dem entgegnet Anke Neuner: „Wir wollen unsere älteren Menschen nicht nur umsorgen, sondern wir wollen einen Austausch auf Augenhöhe: Wo sind die Interessen und Kompetenzen des Menschen, von denen vielleicht auch die Ehrenamtlichen und andere profitieren können? Wie können sie in ihrer Mobilität und Selbstwirksamkeit gestärkt werden?“

So werden ältere Menschen etwa als Ehrenamtliche selbst zu Handelnden, die ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen, nicht nur für andere Seniorinnen und Senioren. Auch in Angeboten wie dem der Leih-Omas oder -Opas in Hatzenbühl beziehungsweise dem Projekt „Alter Falter“ in Münster, in dem sich Senioren und Grundschulkinder mit dem Thema Einsamkeit beschäftigen und gemeinsam Aktionen unternehmen. „Die Einzelbegleitung bleibt unsere wichtige Basis. Die vielfältigen weiteren Angebote, auch solche, die Mobilität fördern, erreichen mehr Seniorinnen mit unterschiedlichen Interessen und mehr Ehrenamtliche mit verschiedenen Motiven, Zeitbudgets und Ressourcen. Und gerade auch unsere unterschiedlichen Gruppenangebote sind ein wichtiges Mittel gegen Einsamkeit und zur Prävention von Einsamkeit im Alter“, fasst es Anke Neuner zusammen.


Online-Magazin „dabei“

Das Online-Magazin „dabei – für ein erfülltes Leben im Alter“ gibt Informationen, Tipps und Beispiele für ältere Menschen, Angehörige und alle Interessierten, die Hilfe bei Einsamkeit im Alter suchen, sich für Möglichkeiten der Vorbeugung interessieren oder sich schlicht mit dem drängenden gesellschaftlichen Problem der sozialen Isolation älterer Menschen auseinandersetzen wollen.

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