Auf den Punkt

Unsere Malteser Dienste stellen sich vor: der Integrationsdienst

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Andi Weiland

Yuliana Piskunova kam gemeinsam mit ihrer Familie vor 22 Jahren aus der Ukraine nach Deutschland. Und als Russland ihr Heimatland angriff, war ihr klar, dass sie sich engagieren wollte. Über ein Ehrenamt bei der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung kam sie in Kontakt mit dem Integrationsdienst der Malteser am Standort Köln, wo sie seitdem als Koordinatorin tätig ist.

Bei der Arbeit im Integrationsdienst geht es weniger um soziale Beratung als um gelingende Integration. Es geht um die Schaffung von niedrigschwelligen Begegnungsangeboten zwischen Zugewanderten und Menschen, die Deutsch als Muttersprache sprechen beziehungsweise solchen, die schon lange in Deutschland leben. Dazu gehört, Deutsch zu lernen, die Kultur zu verstehen und Teil des gesellschaftlichen Lebens zu sein.

Um in einem fremden Land anzukommen, braucht es mehr als absolvierte Sprachkurse

Wer zum Integrationsdienst kommt, hat in der Regel schon Integrations- und Sprachkurse absolviert. „Und auf dem Papier sieht das super aus“, sagt Yuliana, „was aber häufig fehlt, ist der Anschluss an die Gesellschaft. Das Gelernte kann so nicht zur Anwendung kommen.“ Da setzt der Integrationsdienst an. „Vielfalt und Multikulturalität spielen eine große Rolle bei uns, deshalb ist es uns auch wichtig, den Menschen, die zu uns kommen, deutsche Feiertage, Bräuche und Traditionen zu erklären.“

Dieses Ziel setzen die Malteser in ganz Deutschland um. Welche Projekte an welchem Standort angeboten werden, hängt von den Ehrenamtlichen ab, die selbst häufig einen Flucht- oder Migrationshintergrund haben. Als Koordinationskraft beim Malteser Integrationsdienst in Köln, gehört es zu Yulianas Aufgaben, die Ehrenamtlichen so einzusetzen, dass ihre Fähigkeiten und Kenntnisse bestmöglich genutzt werden.

Vom Grammatik-Spezial-Abend bis zum Frauen-Yoga

Das Hauptprojekt des Integrationsdienstes in Köln, das an zwei Standorten in der Stadt angeboten wird, ist das Sprachcafé. Wöchentlich wird hier gemeinsam Deutsch gelernt. Sport, Hobbies oder Aktuelles – jede Woche ist ein neues Thema dran, das im Vorfeld angekündigt wird. „Gute Laune geht hierbei vor perfekter Grammatik“, betont die Koordinatorin. „Uns ist es wichtig, dass die Menschen, die zu uns kommen, erste Erfolgserlebnisse mit der neuen Sprache sammeln und die Hemmungen verlieren, deutsch zu sprechen.“ Natürlich gibt es aber auch Gäste, die explizit ihre Grammatik verbessern wollen. Die besuchen dann alle sechs Wochen den Grammatik-Spezial-Abend. Darüber hinaus bietet der Kölner Integrationsdienst, eine Kochgruppe für junge Zugewanderte, Yogakurse für Frauen, Qigong im botanischen Garten, Teilhabe an Kulturveranstaltungen oder gemeinsame Wanderungen speziell für Ältere an.

„Um sich bei uns zu engagieren, muss man kein perfekter Lehrer sein. Viel wichtiger ist es, dass man Spaß an der Arbeit mit Menschen unterschiedlicher kultureller Hintergründe hat“, sagt Yuliana. Sie ist der Meinung, dass Menschen, die nach Deutschland kommen, gut aufgefangen werden. „Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Einsam ist man trotzdem oft. Vielleicht waren die Menschen, die zu uns kommen, in ihrem Heimatland sehr gesellig und offen. Dann kommen sie nach Deutschland und obwohl sie die Sprache vielleicht schon ein wenig sprechen, bleibt erstmal eine Barriere.“

Von Hilfesuchenden zu Aktiven in der Gesellschaft

Vieles, zum Beispiel Witze verstehen, lerne man zum Beispiel nur im Miteinander. Und je älter man ist, desto schwieriger sei die Umstellung. „Das kann unglücklich machen,“ meint Yuliana. „Mit unseren Angeboten können wir bei der Integration in die Gesellschaft unterstützen, dabei helfen, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und Herzlichkeit und Nächstenliebe zu schenken.“

Ein Erlebnis hat ihr das besonders vor Augen geführt: Bei einer Müllsammelaktion kamen sie und ein paar Frauen mit Fluchthintergrund ins Gespräch mit Menschen vor Ort, die wissen wollten, wer sie sind und was sie dort machen. „In solchen Momenten sind diejenigen, die zu unserem Integrationsdienst kommen nicht mehr passiv. Sie kommen aus der Position der Hilfesuchenden heraus und sind aktiv für die Gesellschaft, in der sie jetzt leben, unterwegs. Sie bekommen in diesen Momenten Anerkennung und Dank entgegengebracht. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern macht auch unglaublich stolz.“


Hintergrund

Ehrenamtliche Unterstützung ist ein Schlüssel zur gelungenen Integration. Geflüchtete, die ehrenamtlich begleitet werden, sprechen besser Deutsch, erhalten eher einen Job, eine Ausbildung, eine Wohnung und kommen auch besser an Sozialleistungen, sagt eine Studie des ZEW – Leibniz-Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung Mannheim GmbH.

Der Malteser Integrationsdienst ist im gesamten Bundesgebiet, an insgesamt 70 Standorten aktiv. Mit dem Engagement von über 2.200 Ehrenamtlichen können die Malteser rund 400 Angebote für geflüchtete und zugewanderte Menschen anbieten.

Mehr Informationen zum Malteser Integrationsdienst gibt’s hier: www.malteser.de/integration.html