Warme Suppe schmeckt auch der Seele

Varia Loos von den Maltesern serviert zur Gänsekeule auch eine Portion Freundlichkeit; Bildquelle: Lukas/Malteser

Hannover (mhd). 50.000 Portionen hat der Wärmebus der Malteser in Hannover seit dem Winter 2018 an Wohnungslose und Arme der Stadt Hannover ausgegeben und damit auch 50.000-mal Empathie und soziale Zuwendung. Das feierten die Malteser in Hannover am Donnerstagabend, 15. Januar 2026, mit einem besonders leckeren Festessen. Auch Stadtprominenz stand dabei am mobilen Tresen.

Gänsekeule, Rotkraut und Klöße gibt es nicht jede Woche beim Wärmebus der Malteser in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Doch zu besonderen Anlässen darf es etwas Besonderes sein und so wurde der Wagen der Malteser schon von vielen Gästen erwartet, als er kurz nach 18 Uhr auf den Platz vor der Nikolaikapelle am Steintor rollte. Wie fast jede Woche so stand auch Rainer wieder mit seinem Fahrrad in der Schlange. Eine „glatte Note 1“ wolle er den Ehrenamtlichen der Malteser für ihren Dienst geben, sagt der 71-Jährige, der früher als Handwerker gearbeitet hat. Von seiner Rente kann er sich zwar eine kleine Wohnung leisten, sonst aber nicht viel mehr. Er habe einen gebrochenen Lebenslauf, erzählt der Stammkunde der Malteser nur, und dass er sich sein Essen eigentlich lieber selbst kaufen würde. „Das ist auch eine Frage der Würde.“ Aber es gehe nun einmal nicht anders. Umso dankbarer ist er für das Angebot der Malteser, die wie jeden Donnerstag erst hier, dann am Kröpcke ein warmes Abendessen und Kaffee, Tee und Kaltgetränke an die Gäste ausgeben.

Mit dabei waren dieses Mal Gwendolin von der Osten, Polizeipräsidentin der Polizeidirektion Hannover, und Dr. Axel von der Ohe, Finanz-, Ordnungs- und Feuerwehrdezernent der Landeshauptstadt. Auf Einladung der Stadtbeauftragten der Malteser Hannover machten sie sich persönlich ein Bild vom Wärmebus und teilten zur Feier des Tages kleine Schokoladenmousse-Törtchen als Nachtisch aus. Beide zeigten sich dankbar für das ehrenamtliche Engagement des katholisch geprägten Hilfsdienstes. Ohne die „Herzenswärme“, die man hier finde, sei das Elend in der Stadt größer, glaubt von der Osten. Insofern stärke der Wärmebus auch die Demokratie. Ähnlich sieht das der Stadtkämmerer: Für ihn ist der Wärmebus ein Zeichen der Nächstenliebe und „dass wir hier in Hannover aufeinander aufpassen.“

Dazu trägt auch die Truppe der Ehrenamtlichen um Varia Loos bei. Die 22-Jährige engagiert sich seit sechs Jahren beim Wärmebus der Malteser und leitet ihn derzeit gemeinsam mit Johanna Mehrten und Kyra Kluck-Seidensticker, unterstützt von der Stadtbeauftragten Ulrike Jarosch von Schweder und deren Tochter Charlotte. Warum stellt sich die junge Medizinstudentin regelmäßig in die Kälte, um Menschen zu helfen? Sie selbst habe ein gutes Leben und möchte etwas zurückgeben, erklärt die junge Frau ganz bescheiden und nimmt wieder die Kelle in die Hand.

Seit dem Winter 2018/2019 fährt der Wärmebus der Malteser Hannover regelmäßig mit einem warmen Eintopf und heißen und warmen Getränken zu den Wohnungslosen und Armen der Landeshauptstadt, damals noch unter dem Namen „Kältebus“. Die erste Fahrt fand am 17. Dezember 2018 mit sechs Ehrenamtlichen statt. Gemeinsam mit einem ähnlichen Kältebus des Caritasverband Hannover e.V. ergänzten die Malteser damit das Projekt der Johanniter, so dass den Bedürftigen seitdem mehrmals pro Woche ein Hilfsangebot zur Verfügung steht.

Seit 2018 hat sich manches geändert, nicht nur der Name: Die Malteser kochen inzwischen nicht mehr selbst, sondern beziehen ihre Portionen zu einem günstigen Preis von einem namhaften Caterer aus Hannover. Essensausgabe ist nicht mehr am Raschplatz, wie einst, sondern an der Nikolaikapelle am Steintor, danach am Kröpcke. Außerdem fährt der Kältebus inzwischen auch im Sommer jeden Donnerstagabend zu den Bedürftigen.

Die etwa 30 Ehrenamtlichen der Malteser zählen donnerstags bei der Essensausgabe rund 50 Gäste, im Winter mehr als im Sommer. Deren Zahl ist über die Jahre leicht gestiegen, vor allem nach Beginn des Ukrainekrieges. Was sich nicht geändert hat: Beim Wärmebus der Malteser finden alle ein gutes Wort, das noch einmal so gut wärmt wie die Suppe im Teller.


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