Mit dem Schmerz nicht allein

Sie sind nun zertifizierte Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter der Malteser (von links): Wilhelm Trost, Kerstin Samland, Sabine Kubik und Corinna Kalloti; Bildquelle: Lukas/Malteser

Hannover (mhd). Sterbende Menschen zu begleiten, gehört zu den christlichen Werken der Barmherzigkeit. Doch auch Hinterbliebene benötigen in ihrer Trauer oft Unterstützung. Die Malteser in Hannover bauen daher neben ihrer ambulanten Hospizarbeit seit 2013 auch gezielt eine Trauerbegleitung auf und haben nach erfolgreicher Ausbildung nun drei neue Trauerbegleiterinnen und einen Trauerbegleiter in ihren Reihen.

Jeder Mensch verarbeitet den Verlust einer geliebten Person anders. Darum muss auch jede Trauerbegleitung anders sein. Was aber immer gilt: Wer einen trauernden Menschen begleitet, braucht viel Reife, Lebenserfahrung und Sensibilität. Unabdingbar ist auch die Fähigkeit, Grenzen zu setzen und sich nicht vereinnahmen zu lassen.

Über Lebenserfahrung verfügen alle der vier Neuen. Den „buntesten“ Lebensweg hat sicher Wilhelm Trost aufzuweisen. Nach verschiedenen Studien und Berufen arbeitete der 55-Jährige zuletzt als Unternehmensberater. In seiner Familie sei der Tod immer Thema gewesen, erzählt der Frührentner und verweist auf seinen Vater, der einst einen Hospizverein gründete. Für den ehemaligen Ministrant aus einer „katholischen Familie“ sei der Weg zu den katholisch geprägten Maltesern nicht weit gewesen, erklärt Trost, der bislang eine Trauerbegleitung absolviert hat.

Auch Sabine Kubik kommt aus einem katholischen Milieu. Die 60-jährige stammt aus Garbsen und hat sich lange in der dortigen Pfarrgemeinde engagiert. Als Juristin in einem niedersächsischen Landesamt ist sie beruflich stark gefordert. Daher kommt ihr entgegen, dass man die Treffen mit den Trauernden besser planen kann als die ehrenamtliche Begleitung in der Hospizarbeit.

Denn diese Erfahrungen teilen Wilhelm Trost und Sabine Kubik mit der 65-jährigen Rentnerin Kerstin Samland und Corinna Kalloti, 46 Jahre alt und Frührentnerin, die ebenfalls den Trauerbegleiterkurs absolvierten: Alle vier sind bereits ausgebildete Hospizbegleiter der Malteser mit langjähriger Erfahrung in der Begleitung schwerkranker Menschen. Das sei auch sinnvoll, sagen die Malteser aus Hannover: Zwar könne man Trauerbegleitung theoretisch auch ohne Erfahrung in der Hospizarbeit machen, doch zeige sich dort, ob jemand reif genug und geeignet für die Trauerbegleitung sei.

Denn deren Ausbildung ist nicht billig. Rund 10.000 Euro haben die Malteser aus Hannover bezahlt, um Trost, Kubik, Samland und Kalloti bei der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in Hildesheim ausbilden zu lassen. Unterstützt wurden sie dabei durch eine großzügige Förderung der Klosterkammer Hannover im Rahmen des Programms „ehrenWERT“. Lohn des einjährigen Kurses von November 2024 bis November vergangenen Jahres ist das KEB-Zertifikat „In der Trauer begleiten“. Es bescheinigt, sich in 100 Unterrichtseinheiten unter anderem mit den Themen „Kommunikation in der Trauerbegleitung“, Schuld und Vergebung, Formen der Trauer und den methodischen Möglichkeiten einer Begleitung auseinandergesetzt zu haben.

Dieses Wissen werden die vier Neuen auch brauchen, wenn sie in Zukunft im Auftrag der Malteser Trauernde auf ihrem Weg zurück ins Leben begleiten. Die Regeln dafür sind klar: Vorgesehen sind zehn Treffen über ein Jahr, anfangs in dichter Folge, später eher gestreckt. Danach ist in der Regel Schluss, und das soll auch so sein. Man sei weder der Therapeut noch der Freund der Trauernden, sondern Begleiter auf Zeit, heißt es bei den Maltesern. Wichtiges Lernziel daher: Nein sagen und sich abgrenzen können. Zunächst aber stehen die ersten Trauergespräche an – und dann auch die Reflektion mit den anderen Ehrenamtlichen in den regelmäßigen Austauschrunden.

Seit 2013 bieten die Malteser in Hannover Trauerbegleitung an: als Einzelbegleitung, aber auch in einem offenen Trauergesprächskreis, der sich an jedem ersten Dienstag des Monats von 16.30 bis 18 Uhr in der Katholischen Kirchengemeinde Heilige Dreifaltigkeit in Seelze trifft (Südstraße 9). Darüber hinaus startet im Herbst wieder ein geschlossener Trauerkreis für junge Erwachsene. Getragen wird die Trauerarbeit der Malteser in Hannover von rund 20 Ehrenamtlichen und finanziert sich vor allem durch Spenden.

Information und Spenden:

Malteser Trauerarbeit

Tel.: (0511) 95986-70

E-Mail: trauerarbeit.hannover@malteser.org

IBAN: DE49 3706 0120 1201 2090 10 (Pax-Bank für Kirche und Caritas eG), Stichwort D09TRAU


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