Als Botschafterin der Malteser und spirituelle Impulsgeberin sieht sie es als ihre Aufgabe, sowohl die Anliegen der Seniorinnen und Senioren in den Fokus zu rücken als auch die vielen ehren- und hauptamtlichen Helferinnen und Helfer zu unterstützen. In ihrem Interview teilt sie ihre persönliche Motivation und ihren Glauben an die Bedeutung dieser Aktion – und macht deutlich, wie wichtig es ist, einander gerade in der Vorweihnachtszeit beizustehen.
Was bedeutet für Sie persönlich die Aktion „Momente der Nähe“ und warum ist es Ihnen ein besonderes Anliegen, sich gerade vor Weihnachten für arme Seniorinnen und Senioren einzusetzen?
Jeder Mensch, egal ob privilegiert oder nicht, kennt das tröstliche Gefühl, wenn er erfährt: da denkt jemand an mich. Besonders wenn man in einer schwierigen Situation ist, z.B. vor einer notwendigen Operation oder eben einfach alt geworden ist, und man bekommt einen Telefonanruf mit guten Wünschen. Dieses herzenserwärmende Gefühl sollen möglichst viele Menschen erfahren dürfen. Aus meinem Glauben an Jesus Christus heraus weiß ich mich persönlich in ihm geborgen. Nun vermissen Seniorinnen und Senioren gerade im Advent, der Zeit der Dunkelheit und der winterlichen Kälte, persönliche Zuwendung durch ihre Mitmenschen, weil sie ja nicht mehr so mobil sind, viele ihrer Freunde und Teile der Familie bereits verloren haben und nicht mehr wie gewohnt am adventlich weihnachtlichen Leben teilnehmen können. Einsamkeit ist ein immer größer werdendes gesellschaftliches Problem. Es stimmte mich traurig, wenn man dem nicht Abhilfe schaffen könnte. Durch die vielen Malteser in der Aktion "Momente der Nähe" möchte ich ein Gefühl der Geborgenheit weitergegeben wissen.
Wie sehen Sie Ihre Rolle als Diözesanoberin bei den Maltesern? Was liegt Ihnen besonders am Herzen?
Ich sehe mich einerseits als Botschafterin für die Malteser und ihre Aktivitäten, als Repräsentantin des achtspitzigen Kreuzes sozusagen. Ebenso möchte ich gern spirituelle Impulse setzen und ein "Offenes Ohr" für die Nöte aller Malteser haben.
Als Katholikin ist es mir nicht egal, wie ältere Menschen in unserer Gesellschaft immer mehr vereinsamen, bzw. es ist mir wichtig, dass die Malteser sich gerade in diesem Bereich besonders engagieren. Am Herzen liegt mir in diesem Zusammenhang zum Beispiel das Demenzcafé Malta und der ehrenamtliche Hospizdienst.
Inwiefern hat sich die Situation für arme Seniorinnen und Senioren in den letzten Jahren verändert, und wie kann die Gesellschaft Ihrer Meinung nach besser auf deren Bedürfnisse eingehen?
Es gibt mehrere Faktoren, die die Situation der Seniorinnen und Senioren sozusagen verschärft hat. Da ist die Digitalisierung, der Pflegenotstand, oder soll ich sagen, die Pflegekatastrophe und die allgemeine Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber in unserer Gesellschaft.
Wir täten alle gut daran, nicht zu vergessen, dass jeder einmal alt wird, jeder einmal Hilfe benötigt. Dies wird zunehmend ausgeblendet. Und wie das Wort "ausblenden" schon sagt, hat es die Gesellschaft schon blind gemacht für die Nöte der anderen.
Ich sehe unseren Staat in der Pflicht, die Pflegekatastrophe zu beseitigen! Dann wäre schon viel getan.
Was wünschen Sie den ehren- und Hauptamtlichen Mitarbeitern in der Vorweihnachtszeit?
Dass sie sich von der Hektik und Geschäftigkeit der Welt nicht anstecken lassen und Zeit für ein stilles Gebet finden, vielleicht gerade in der Betrachtung einer Krippendarstellung. Und natürlich viele inspirierende Momente der Nähe.
Das Interview führte Sarah Nerb