Trauerwandern im Bachgau: aus der Trauer ins Leben gehen - Infoabend am 4. November

Das Team des Malteser Trauerwanderns im Bachgau (v.l.n.r.): Ulrich Moos, Iris Jones, Uschi Liebald, Christina Neumann. Es fehlt Martin Schröter.

Aschaffenburg. Das Konzept ist so einfach wie hilfreich: zehn bis maximal 15 Verwitwete im Alter zwischen 40 und ungefähr 65 Jahren machen sich ab November ein halbes Jahr lang auf den Weg: einmal im Monat wandern sie etwa drei Stunden durch die Region Bachgau, durch die dunkle Jahreszeit in die Helle des Frühlings - und aus ihrer Trauer heraus. Begleitet werden sie von einem Malteser-Team aus zwei Trauerbegleiterinnen und zwei Trauerbegleitern. „Im Gehen kommen andere Gedanken, es entstehen andere Gespräche und die Natur tut ihr Übriges“, erklärt Uschi Liebald, die seit 2018 ehrenamtliche Hospizbegleiterin bei den Maltesern Aschaffenburg ist. Sie hatte das Konzept als Abschlussarbeit für ihre Ausbildung „Große Trauerbegleitung“ im Jahr 2021 entwickelt und stieß damit bei Hospizkoordinatorin Christina Neumann sofort auf Begeisterung. 

 

In einer geschlossenen Gruppe treffen sich dieselben Teilnehmenden an festen Terminen.

„Dadurch lernen sich die Menschen besser kennen und können sich gut austauschen“, sagt Teammitglied Iris Jones, die mit Uschi Liebald vorher bereits eine offene Trauergruppe geleitet hatte: „Wir haben festgestellt, dass die Fluktuation dem Trauerprozess nicht immer geholfen hat, weil die Trauernden unterschiedliche Bedürfnisse hatten, je nachdem an welchem Punkt in der Trauer sie standen.“ Deshalb war Iris Jones auch gleich mit im Boot, als die Suche nach ehrenamtlichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern für dieses neue Angebot begann. Die Männer im Team sind Ulrich Moos und Martin Schröter, beide ebenfalls langjährige Trauerbegleiter. Zwar sind nur etwa 10 Prozent der Teilnehmenden bislang Männer gewesen, aber diese hätten „oft gezielt einen männlichen Gesprächspartner gesucht“, erzählen die Verantwortlichen von ihren Erfahrungen der letzten fünf Jahre. 

 

Nach einem Infoabend Anfang November, bei dem sich die Teilnehmenden zum ersten Mal kennenlernen, trifft sich die Gruppe einmal im Monat zu einer Rundwanderung mit anschließender Einkehr. „Wir wandern drei Stunden und tatsächlich bei jedem Wetter“, betont Liebald, die auch ehrenamtliche Trauerreferentin bei den Maltesern Aschaffenburg ist. In den fünf Jahren sei das Treffen daher nur zweimal ausgefallen wegen Blitzeis bzw. starkem Schneefall, erinnert sie sich. Dankbar sind die Verantwortlichen dabei für die gelungene Kooperation mit dem Wanderverein Nöthig Großostheim e.V. im Spessartbund „Wir werden von einem Ehepaar aus dem Verein geführt, das die Strecke, die Zeit und das Wetter im Blick hat und auch viele alternative Wege kennt. So können wir uns auf die Gespräche mit den Trauernden konzentrieren“, sagt Uschi Liebald. 

Jede der sechs Wanderungen steht unter einem bestimmten Thema und es gibt entsprechende Impulse, mit denen sich die Teilnehmenden allein oder im Gespräch auseinandersetzen können. Für diese Gespräche stehen die Malteser zur Verfügung, aber vor allem auch die anderen Trauernden. „Trauer ist natürlich sehr individuell und dennoch können die Teilnehmenden sich gegenseitig helfen und voneinander Strategien lernen im Umgang mit der Trauer“, erklärt Christina Neumann. Dabei ist es unerheblich, wie lange der Verlust her ist. „Wichtig ist, dass alle den Willen haben, aus der Trauer herauszukommen, sich wieder dem Leben zuzuwenden“, so die Hospizkoordinatorin. Dieses Ziel werde bereits im Vorgespräch geklärt. 

Im Laufe der Treffen sei deutlich spürbar, dass sich etwas in den Teilnehmenden verändere, was sie sich selbst am Anfang noch nicht vorstellen können. „Wir sind Wegbegleiter für eine Teilstrecke im Trauerprozess“, beschreibt Iris Jones ihre Rolle, und Ulrich Moos ergänzt. „Bei der Sterbebegleitung unterstütze ich in der letzten Phase vor dem Tod. Bei der Trauerbegleitung kann ich dabei helfen, auch ohne den geliebten Menschen an der Seite Freude am Leben zu haben. Das ist unglaublich schön.“

Alle bisherigen Gruppen seien übrigens nach der jeweiligen Abschlusswanderung im Mai zusammen weitergelaufen, würden sich weiterhin treffen und gegenseitig Stütze sein, berichten die Verantwortlichen: „Das freut uns sehr!“

 

Das nächste Trauerwandern beginnt wieder im November. Der erste Infoabend ist am 4. November. Anmeldung und weitere Infos bei Christina Neumann, 06021/416118 oder hospiz-ab@malteser.org

 

Bildunterschrift (Photo: Christina Gold/Malteser):

Das Team des Malteser Trauerwanderns im Bachgau (v.l.n.r.): Ulrich Moos, Iris Jones, Uschi Liebald, Christina Neumann. Es fehlt Martin Schröter.


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