Hinschauen, ansprechen, Hilfe holen

Foto: Wolf Lux/Malteser

„Wie geht es dir wirklich?“ Manchmal kann diese einfache Frage ein erster Schritt sein, um einem Menschen in einer schweren Lebenskrise neue Perspektiven zu eröffnen. Anlässlich des Welttags der Suizidprävention am 10. September rufen die Malteser dazu auf, Warnsignale ernst zu nehmen und Betroffene offen auf ihre Sorgen und Belastungen anzusprechen. Denn viele Menschen mit Suizidgedanken wünschen sich nicht den Tod, sondern ein Ende ihrer scheinbar unlösbaren Probleme.

„Viele Menschen haben Angst, das Thema Suizid anzusprechen, weil sie befürchten, dadurch erst entsprechende Gedanken auszulösen. Das Gegenteil ist der Fall: Wer ehrlich nachfragt, kann einem Menschen das Gefühl geben, nicht allein zu sein“, sagt Kerstin Kurzke, Leiterin der Dienste Trauer- und Hospizarbeit bei den Maltesern in Berlin. Ein offenes Gespräch kann der erste Schritt sein, damit Betroffene Hilfe annehmen. Die Malteser haben deshalb einen Gesprächsleitfaden entwickelt, der Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen Orientierung im Umgang mit Todeswünschen und Suizidalität gibt. 

Warnsignale erkennen

Suizidale Krisen kündigen sich häufig an. Warnsignale können direkte oder indirekte Äußerungen wie „Es hat alles keinen Sinn mehr“ oder „Bald müsst ihr euch keine Sorgen mehr um mich machen“ sein. Auch sozialer Rückzug, große Hoffnungslosigkeit, riskantes Verhalten oder unerwartete Gelassenheit nach einer schweren Krise können Hinweise auf eine akute Belastung sein. 

Mut zum Nachfragen

Die Malteser raten dazu, nicht wegzusehen. Wer sich Sorgen um einen Menschen macht, darf das offen ansprechen. Fragen wie „Denkst du darüber nach, dir das Leben zu nehmen?" oder „Möchtest du mir erzählen, was dich im Moment so belastet?" schaffen Raum für ein Gespräch. Wichtig ist dabei vor allem, zuzuhören, ohne zu urteilen oder vorschnelle Lösungen anzubieten. 

„Niemand muss perfekte Worte finden. Entscheidend ist, Aufmerksamkeit zu zeigen, zuzuhören und gemeinsam nach Unterstützung zu suchen", so Kurzke. Betroffene sollten wissen: Es gibt Hilfe, und sie müssen ihren Weg nicht allein gehen.

Hilfe holen statt Verantwortung allein tragen

Wer den Eindruck hat, dass eine Person suizidgefährdet sein könnte, sollte die Verantwortung nicht allein tragen. Angehörige, Freunde, Nachbarn oder Kolleginnen und Kollegen können gemeinsam mit der betroffenen Person professionelle Hilfe organisieren. Unterstützung bieten unter anderem die Telefonseelsorge, psychosoziale Krisendienste, Beratungsstellen sowie psychiatrische und psychotherapeutische Angebote. Besteht der Verdacht einer akuten Gefahr und könnte sich die betroffene Person in den nächsten Stunden etwas antun, sollte sie nicht allein gelassen und umgehend der Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 verständigt werden. 

Hilfeangebote:

Zu allen News


Zurück zu allen Meldungen