Balve. Wie gelingt Soziales Ehrenamt, wenn Zeit knapper wird, Verbindlichkeit abnimmt und die Anforderungen in den Begleitungen zugleich steigen? Dieser Frage widmete sich die Tagung „Soziales Ehrenamt“, die am 25. April 14 engagierte Leitungen und Verantwortliche in Balve zusammenbrachte. Im Fokus standen die Situation der Dienste vor Ort, der Aufbau neuer Angebote und konkrete Wege, Ehrenamtliche in herausfordernden Zeiten gut zu gewinnen, zu begleiten und zu stärken.
Kommunikation als Schlüssel
Gestartet wurde mit einem Thema, das für die Arbeit im Sozialen Ehrenamt entscheidend ist: Kommunikation. Gerade wenn viele Ehrenamtliche nur begrenzt Zeitfenster haben und Aufgaben flexibler wahrnehmen, braucht es verlässliche Wege, Informationen schnell, klar und transparent weiterzugeben. Um die Zusammenarbeit der Leitungen zu stärken, wurde ein gemeinsames Teams eingerichtet: als zentraler Ort für den laufenden Austausch, für kurzfristige Absprachen und für das Teilen wichtiger Hinweise. E-Mails sollen dadurch gezielter eingesetzt werden – vor allem dann, wenn Informationen einen größeren Kreis erreichen.
In den Gesprächsrunden wurde deutlich: Ehrenamt findet heute unter veränderten Vorzeichen statt. Viele Interessierte möchten sich weiterhin einbringen, können jedoch weniger langfristig planen oder feste Verpflichtungen eingehen. Diese Entwicklung stellt die Dienste vor neue Herausforderungen – von der Gewinnung neuer Helfender über die Gestaltung passender Einsatzprofile bis hin zur langfristigen Sicherung verlässlicher Strukturen. Umso wichtiger ist es, Angebote so weiterzuentwickeln, dass sie sowohl den Bedürfnissen der Engagierten als auch den Anforderungen der Dienste gerecht werden.
Nach der Mittagspause ging es an die frische Luft: Vorgestellt wurde der Rikscha-Dienst aus Balve – inklusive Probefahrt. Die Teilnehmenden konnten selbst fahren oder sich fahren lassen und sich so ein praktisches Bild davon machen, wie niedrigschwellige Angebote Begegnung ermöglichen und Teilhabe fördern.
Am Nachmittag ging es intensiv weiter mit ARNO als Instrument der Helferverwaltung – auch im Hinblick darauf, wie digitale Unterstützung Prozesse im Ehrenamt erleichtern kann.
Impulse aus der Praxis
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Qualifizierung und Schulungen: Wie können Fortbildungen so gestaltet werden, dass sie fachlich stärken und zugleich attraktiv und gut vereinbar sind? Diskutiert wurden unter anderem individuellere Formate und bedarfsorientierte Termine – etwa zu Demenz oder Prävention –, die künftig gezielt für das Soziale Ehrenamt geplant werden sollen.
Intensiv wurde auch über Verlustsituationen gesprochen, die vor allem im Besuchs- und Begleitdienst immer wieder auftreten. Trauer ist für Helfende ein sensibles und zugleich zentrales Thema. Ein Beitrag aus dem Hospizdienst (unter anderem in Form eines Videos) gab Anregungen, wie Leitungen Ehrenamtliche stärken, entlasten und in ihrer Rolle unterstützen können. Dabei wurde betont: Trauer ist individuell – aber sie braucht Raum, Aufmerksamkeit und ein Gegenüber, das zuhört.
Trotz der aktuellen Herausforderungen wurde zum Abschluss deutlich, dass mit guter Kommunikation, passender Qualifizierung und einer Kultur des Miteinanders das Soziale Ehrenamt weiterhin tragfähig wachsen kann. Die nächste Tagung findet im kommenden Jahr in Paderborn statt. Ein Dank geht an die Gliederung Balve, die nicht nur mit unterstützt und vorbereitet hat, sondern auch ein toller Gastgeber war.