Die Anstrengung steckt noch in den Knochen, doch Eilert Koopmanns Augen leuchten, wenn er von der vergangenen Woche erzählt. „Das war in jeder Hinsicht ein prägendes Erlebnis“, erzählt der Notfallsanitäter. Gemeinsam mit vier weiteren Einsatzkräften aus den Malteser-Gliederungen Lutten/Goldenstedt und Vechta hatte er sich auf den rund 1.700 Kilometer langen Weg zum Auslandseinsatz in Bosnien und Herzegowina gemacht.
Jährlich pilgern rund 1,5 Millionen Menschen aus aller Welt in das 2.300 Einwohner zählende Dorf Međugorje bei Mostar, nachdem 1981 dort sechs Kindern und Jugendlichen die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Malteser-Einheiten aus verschiedenen Ländern unterstützen einen örtlichen Verein bei der medizinischen Versorgung von erkrankten und verletzten Wallfahrern. Sie besetzen die Sanitätsstation Marijina Pomoć, bei Bedarf einen Krankentransportwagen und helfen den ansässigen Ärzten sowie dem Pflegepersonal.
Urlaub für den Einsatz genommen
Vom 3. bis zum 9. Oktober übernahmen diese Aufgabe die Malteser aus dem Kreis Vechta – sie hatten sich freiwillig für den Einsatz gemeldet und dafür sogar Urlaub genommen. „Für mich war der Blick über den Tellerrand des hiesigen Rettungsdienstes besonders spannend. Nicht zuletzt aber auch das Erlebnis selbst in der Gemeinschaft“, erklärt Koopmann seine Motivation. Die Gruppe im Alter zwischen 18 und 57 Jahren sei während des Aufenthaltes noch enger zusammengewachsen. Einsatzsanitäter Davin Tingen ergänzt: „Üblicherweise sind wir vor allem im Kreis Vechta im Einsatz. Auf diese Weise andere Länder und Sitten kennenzulernen, war sehr spannend.“
Nach einer rund 22-stündigen Anfahrt lösten die Helfer eine Malteser-Einheit aus Rumänien ab, bekamen eine Einweisung in Räume und Technik. Und die stellte sich anders als in Deutschland dar. „Vieles was für uns im hiesigen Rettungsdienst normal ist, fehlt dort“, erklärt Koopmann. Trotzdem sei eine adäquate Versorgung möglich gewesen.
Einsätze folgen Schlag auf Schlag
Nach kurzer Regeneration waren die Malteser voll gefordert, die Einsätze folgten Schlag auf Schlag. Überwiegend im besten Schul-Englisch konnten sich die Deutschen mit internationalen Patientinnen und Patienten und den örtlichen Kräften verständigen, manchmal halfen auch Hände und Füße.
Mehrfach ging es für die Einsatzkräfte auf den Planina Podbrdo, den so genannten Erscheinungsberg. Der ist zwar nur rund 150 Meter hoch, hat es jedoch in sich: Auf- und Abstieg benötigen jeweils rund 40 Minuten, der felsige Untergrund birgt auch ein gewisses Verletzungsrisiko. Und so galt es für die Malteser auch gemeinsam mit der lokalen Bergwacht Menschen zu retten und zu versorgen.
Dankbare Patienten
Mindestens genauso häufig kam es zu Einsätzen bei internistischen Notfällen. In einem Fall kollabierte während der Messe in der Pfarrkirche St. Jakobus ein Mensch. Nachdem die Einsatzkräfte den Zustand des Mannes per Infusion und weiterer Versorgung verbessern konnten, zeigte sich der erwachte Patient sehr dankbar und glücklich. Ähnliches beobachteten die Malteser noch mehrfach. „Wir haben dort eine unglaubliche Dankbarkeit erlebt“, sagt Koopmann. Auch Bewohner aus dem Ort hatten in der Sanitätsstation medizinische Hilfe gesucht.
Als die Malteser-Einheit aus dem Oldenburger Land am Freitag ihre Ablösung aus Erfurt erhielt, hatten sie innerhalb einer Woche 208-mal Menschen medizinisch versorgt. Schon auf der Rückfahrt nach Lutten reifte der Gedanke, diesen Auslandseinsatz im kommenden Jahr zu wiederholen. Möglicherweise dann sogar mit der doppelten Personalstärke. (Fotos: Malteser / Stephan Grabber)