Wie wichtig Gemeindenotfallsanitäter für die Versorgung vor Ort sind, erlebte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, kürzlich bei einer Mitfahrt im Akut-Einsatzfahrzeug mit Gemeindenotfallsanitäterin Lisa Hollinden in Vechta unmittelbar. „Es war ein eindrückliches Erlebnis. Der Gemeindenotfallsanitäter ist gut und macht Sinn“, sagte Schwartze im Anschluss. Bei dem Einsatz bei einer 89-jährigen Frau wurde deutlich, dass eine qualifizierte ambulante Versorgung im häuslichen Umfeld häufig ausreicht – ohne Alarmierung des Rettungsdienstes und Transport in die Klinik. Ein Beispiel von vielen im Oldenburger Land. Allein im Landkreis Vechta und in der Stadt Oldenburg kam es 2025 zu insgesamt rund 4700 Einsätzen des Gemeindenotfallsanitäters.
Besuch in der Rettungswache und politischer Austausch
Schwartzes Besuch in der Malteser-Rettungswache in Vechta fand vor dem Hintergrund des geplanten Gesetzespaketes der Bundesregierung zu strukturellen Reformen und Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen statt. Er diente dem Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern des Rettungsdienstes der Malteser, des Landkreises Vechta und des örtlichen Marienhospitals über die Zukunft dieses Versorgungsmodells im Rahmen der Notfallstrukturen. Oliver Peters, Bereichsleiter Notfallvorsorge der Malteser im Oldenburger Land, und Michael Schäfers, Leiter Rettungsdienst der Malteser auf Bundesebene, warben dabei für eine dauerhafte Absicherung des im Oldenburger Land ersonnenen Modells. Sie machten eindringlich deutlich, dass sie in den derzeit angestrebten Reformen und Sparmaßnahmen eine Gefahr für den Fortbestand der neuen Notfallressource Gemeindenotfallsanitäter und für den Rettungsdienst allgemein sehen: „Sie ziehen dem Rettungsdienst den Stecker“, machte Michael Schäfers mit Blick auf die nicht refinanzierbaren Personalkosten klar, die im Rettungsdienst rund 80 Prozent an den Gesamtkosten ausmachten. Oliver Peters ergänzte „Wenn die Gesetzesvorhaben so verabschiedet werden, können wir das nachweislich gut funktionierende System Gemeindenotfallsanitäter so nicht weiterführen.“ Dabei sei der Gemeindenotfallsanitäter ein Teil der Lösung und müsse bundesweit Standard werden.
„Mit der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen geht es nicht so weiter“, gab Schwartze zu bedenken. Er pflichtete indes bei: „Das Konzept des Gemeindenotfallsanitäters ist ein Projekt genau im Sinne der Patientinnen und Patienten. Es sorgt dafür, Arztpraxen, Rettungsfahrten und Krankenhäuser zu entlasten – für eine bedarfsgerechtere Versorgung und als Teil der Stabilisierung der Kassenbeiträge. Gleichzeitig werden den Patientinnen und Patienten unnötige Aufenthalte in Gesundheitseinrichtungen abgenommen.“
Modellprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung
Das kommunenübergreifende Modellprojekt Gemeindenotfallsanitäter startete im Oldenburger Land unter Beteiligung des Landes Niedersachsen im Jahr 2019. Von Beginn an wurde es wissenschaftlich durch die Universität Oldenburg begleitet. Ziel ist es, Rettungswagen, Notaufnahmen und Kliniken zu entlasten, indem Patientinnen und Patienten in geeigneten Fällen direkt vor Ort versorgt und bei Bedarf gezielt in weiterführende Strukturen vermittelt werden. Dennoch ist es bislang auch in Niedersachsen noch nicht gesetzlich verankert. Andere Bundesländer haben sich das Projekt zum Beispiel genommen und sind bereits weiter.
Gemeindenotfallsanitäter als feste Säule der Versorgung
Im Landkreis Vechta und in der Stadt Oldenburg sind Gemeindenotfallsanitäter inzwischen seit Jahren ein fester Bestandteil in der Notfallversorgung, berichtete der Malteser Oliver Peters. Sie sind speziell ausgebildet, arbeiten sektorenübergreifend, organisieren durch ihr ausgezeichnetes Netzwerk bei Bedarf die weitere Versorgung und vermeiden so unnötige Einsätze des Rettungswagens und Transporte in die Notaufnahmen. „Wir beweisen seit Jahren, dass es funktioniert und bilden sogar Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern aus“, betonte er. Das Modell sei medizinisch wie auch pflegerisch sinnvoll und zugleich wirtschaftlich vernünftig.
Forderung nach bundesweiter Verankerung
Einigkeit bestand bei allen Gesprächspartnern darüber, dass das Modell bundesweit verankert werden sollte. Stefan Schwartze versprach, die gewonnenen Eindrücke, Vorschläge und Erkenntnisse in die politischen Beratungen in Berlin einzubringen. Aus Sicht der Malteser braucht es nun vor allem verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, damit sich das Erfolgsmodell Gemeindenotfallsanitäter langfristig etablieren und seinen Nutzen voll entfalten kann.