Hannover (mhd). Es war eine kleine Provokation zwischen Drogeriemarkt und Kneipe: Was möchte ich noch tun, bevor ich sterbe? Das fragten die Malteser zum Welthospiztag am Samstag, 10. Oktober 2026, im ka:punkt in der Fußgängerzone von Hannover. Ihre Frage, mit Spezialfarbe an das Schaufenster der katholischen Begegnungsstätte gemalt, lockte viele Gäste an – die auch Antworten gaben.
„Einmal um die Welt reisen“, möchte ein Passant, „Tiere retten“ jemand anders. Mit einfachen Post-it-Stickern konnten Passanten ihre Antwort anonym auf die Schaufensterscheibe des ka:punkt kleben und damit auch ein wenig über sich selbst verraten. Nach Irland auswandern und „endlich ein Gefühl von Zufriedenheit kriegen“, wünscht sich jemand. Was mag dahinterstecken?
Wer den Fuß ins Innere des ka:punktes setzte, der konnte sich noch ganz anders mit dem Thema Tod und Sterben auseinandersetzen. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen hatten Hospizkoordinatorin Franziska Mielke und Leonie Siahatgar, Projektkoordinatorin Hospizarbeit inklusiv vom Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Malteser in Hannover, ein attraktives Programm rund um den Welthospiztag zusammengestellt.
Eine Vernissage mit Gemälden zum Thema Sterben und Tod zum Beispiel, gemalt von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderung im Rahmen von „Hospizarbeit inklusiv“. Die Bilder zeigten verschiedene Perspektiven auf den Tod und das Sterben aus dem Erleben von Menschen mit Behinderung. Jenes bunte, sehr expressiv gestaltete Bild von Kerstin zum Beispiel. „Mein Leben und mein Tod“, so hat die Hobbykünstlerin ihr Gemälde benannt und schreibt dazu: „Das Bild hat mit mir etwas gemacht. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, aber auch Traurigkeit und Wolken in mir drin.“
Bei Kaffee und Kuchen konnten die Besucher darüber hinaus Postkarten für schwer erkrankte und sterbende Menschen gestalten oder auf einer großen Leinwand einen Gedanken, eine Farbe, ein Wort oder ein Bild zum Thema beitragen. Über den Tag hinaus entstand so ein gemeinsames Kunstwerk aus vielen Perspektiven. Wer nur reden wollte, der fand auf Impulskarten interessante Fragen zum Weiterdenken: „Was bleibt von Dir, wenn Du gehst?“ war dort zu lesen, oder auch: „Wie stellst Du Dir Deinen letzten Tag vor?“
Beim Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Malteser Hannover engagieren sich derzeit rund 120 Ehrenamtliche in Hannover und Celle dafür, sterbenden Menschen ein würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen, völlig unabhängig von Herkunft und Glauben. Dafür arbeiten die Malteser eng mit Haus- und Palliativärzten und Pflegeeinrichtungen, stationären Hospizen und anderen Einrichtungen zusammen. Dieser Dienst wurde 2002 gegründet und ist kostenlos für Betroffene und deren Angehörige. Er zählt inzwischen zu den größten ambulanten Hospizdiensten in Hannover und niedersachsenweit. Schirmherr ist der bekannte Kabarettist Matthias Brodowy.